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Olympia-Proteste mit Folgen: "Homo ist ok" - Transsexuelle Politikerin festgenommen

Vladimir Luxuria hatte in Sotschi mit einem Schild mit der Aufschrift "Homo ist ok" demonstriert. Der russische Umwelt-Aktivist Jewgeni Witischko ist indes in den Hungerstreik getreten.

Drei Olympia-Protestler sorgen rund um die Spiele in Sotschi für Aufregung. Eine italienische Transsexuelle ist nach eigenen Angaben wegen einer Protestaktion von russischen Polizisten kurzzeitig festgenommen worden. Der russische Umweltaktivist und Olympia-Gegner Jewgeni Witischko ist indes in Haft in den Hungerstreik getreten. Ein Witischko-Unterstützer wurde in Sotschi ebenfalls festgenommen, weil er mit einem Plakat demonstriert habe, berichtet der Sender Echo Moskwy.

Wladimir Luxuria wurde als Mann geboren und trägt heute Frauenkleider, hat aber keine geschlechtsverändernde Operation vornehmen lassen. In Sotschi demonstrierte die frühere Abgeordnete des italienischen Parlaments mit einem Schild in russischer Sprache: "Homo ist ok". Sie sei drei Stunden lang festgehalten, aber respektvoll behandelt worden, sagte Luxuria am Montag.

Demonstrieren nur auf abgelegenem Areal

Russland war wegen eines Gesetzes zum Verbot homosexueller Propaganda vor Minderjährigen international kritisiert worden. Politische Demonstrationen sind während der Olympischen Spiele in Sotschi nur auf einem abgelegenen Areal erlaubt. Die russische Gesetzgebung wird von Kritikern als Diskriminierung Homosexueller angesehen. Das müsse international debattiert werden, erklärte Luxoria.

Präsident Wladimir Putin hatte beteuert, homosexuelle Sportler, Funktionäre und Zuschauer seien in Sotschi willkommen und würden nicht diskriminiert. Sie müssten sicher allerdings von Kindern fernhalten.

Appell an IOC-Präsident Bach

Aus Protest gegen seine Verurteilung zu drei Jahren Lagerhaft verweigert Witischko indes seit Tagen die Nahrung. Der 40-Jährige sei nach dem Richterspruch am 12. Februar in Hungerstreik getreten, teilte die liberale Oppositionspartei Jabloko mit. Jabloko-Parteichef Sergej Mitrochin kündigte einen Brief an den Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Thomas Bach, an.

Witischko klagt über schlechte sanitäre Verhältnisse in seiner Zelle sowie große Kälte. Jabloko-Parteichef Mitrochin sagte, er verstehe nicht, wie IOC-Chef Bach es dulden könne, "dass in der Region der Olympischen Winterspiele ein politischer Prozess im Geiste der 1930er-Jahre stattfindet". Innenminister Thomas de Maizière hatte die Verurteilung Witischkos als unverhältnismäßig kritisiert.

Der Ökologe wirft den Organisatoren der Spiele Umweltzerstörung vor. Das IOC sieht nach Aussage von Sprecher Mark Adams derzeit aber keinen Zusammenhang mit Sotschi. Witischko soll am Grundstück des Gouverneurs der Olympia-Region Krasnodar Protestlosungen angebracht haben, weil dessen Villa ungesetzlich errichtet worden sei.

nck/DPA/Reuters / DPA / Reuters

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