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Alpin-Direktor Maier über Maria Höfl-Riesch: "Jetzt ist alles nur noch Zugabe"

Auf einen guten Start kommt es an. Das gilt gerade bei Olympia. Ski-Alpin-Direktor Wolfgang Maier ist nach dem Kombinations-Gold von Maria Höfl-Riesch erleichtert - und macht Appetit auf mehr.

Es war ein Nervenspiel. Nach ihrem Slalom in der Kombination musste Maria Höfl-Riesch lange warten, bis ihr dritter Olympiasieg feststand. Als es soweit war, fiel die 29-Jährige erleichtert auf die Knie. Das Gold ist da, der Druck ist weg. Alpin-Direktor Wolfgang Maier glaubt, dass nach dem gelungenen Start nun für Höfl-Riesch und das Alpin-Team nun noch mehr drin ist.

Herr Maier, erzählen Sie!


Was soll ich erzählen?

Wie ist die Gefühlslage?


Saugut. Das ist Marias dritter Olympiasieg und ein Sieg für uns alle, die mit ihr arbeiten. Wir sind ja sehr klein aufgestellt im Verband. Wir haben nur einen Schuss, und der muss sitzen. Er hat heute gesessen. Wir sind extrem happy, die Trainer, die Betreuer, alle.

Wie haben Sie die beiden Läufe von Maria Höfl-Riesch gesehen, die Abfahrt und den Slalom?


Vor allem der Slalom war stark. Taktisch klug angelegt. Da hat sie's rausgerissen. In dieser Form wird sie auch bei den Spezialistinnen mithalten können. Dass Maria gleich im ersten Rennen Gold gewinnt, nimmt sehr viel Druck von unserer Mannschaft.

Maria Höfl-Riesch hat vor dem Slalom nervös gewirkt...


...naja, nervös würde ich nicht sagen. Sie war angespannt. Ich war es auch. Es ist immer zum Zerreißen für mich. Man bangt und hofft, und der Sportler merkt das natürlich auch. Aber die Maria schafft es immer wieder, uns zu überraschen.

Zu überraschen? Sie ist die Titelverteidigerin in der Super-Kombination.
Lasse ich nicht gelten! Immer, wenn uns was gelingt, heißt es: war ja zu erwarten. Stimmt nicht! So eine Medaille muss man erst mal gewinnen. Die Julia Mancuso, die Nicole Hosp, die Tina Maze, die Lara Gut – die wollten alle gewinnen. Die haben voll attackiert. Ein Favorit gewinnt nicht automatisch, das hat man gestern bei der Männer-Abfahrt gesehen. Aksel Lund Svindal, der Weltcup-Führende, ist nur Vierter geworden.

Bei den Trainingsläufen hat Maria Höfl-Riesch mit der Strecke gehadert und war vergleichsweise langsam. War das ein großes Thema im Team?


Dass sie im Training etwas hinterherfährt, hat schon einige Zweifel bei uns Coaches aufgeworfen. Ich glaube, bei Maria war das nicht im Kopf. Es waren Trainer-Sorgen.

Was kann man noch von Maria Höfl-Riesch bei den Winterspielen erwarten? Die alpinen Wettbewerbe haben ja gerade erst begonnen.


Maria ist jetzt Olympiasiegerin. Da ist jeder Erwartungsdruck weg, das kann unheimlich helfen. Wenn ich an die Weltmeisterschaft 2009 zurückdenke, da war es genau umgekehrt. Die Erwartungen waren ebenfalls riesig, und Maria erwischte einen schlechten Start: Slalom vergeigt, danach ist die Abfahrt in die Hose gegangen, der Riesenslalom ist nix geworden. Das war eine Abwärtsspirale. Und jetzt, hier in Sotschi, ist alles nur noch Zugabe. Maria kann ganz befreit Ski fahren.

Aufgezeichnet von Christian Ewers

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