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Medaillen-Bilanz Warum die Briten so viele Medaillen abräumen - und die Deutschen nicht


Die Medaillen-Bilanz der deutschen Athleten bei Olympia 2016 ist schlechter als gedacht. Dagegen gewinnen die Briten noch mehr Medaillen als schon in London 2012. Das könnte auch an der unterschiedlichen Sportförderung liegen.

Die bisherige Medaillen-Bilanz der deutschen Sportlerinnen und Sportler bei Olympia 2016 sorgt bei Fans und Funktionären für Ernüchterung. Die Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag, Dagmar Freitag (SPD), fordert eine kritische Prüfung des Sportfördersystems in Deutschland. Diese solle "transparent und nicht, wie es im Moment geschieht, ausschließlich hinter verschlossenen Türen stattfinden", sagte sie in einem Interview der Münchner "tz.

"Nach den Olympischen Spielen in Rio wird es in unserem Land aufgrund der zurzeit laufenden Gespräche eine Debatte darüber geben, welchen Spitzensport wir als Gesellschaft wollen", meinte Freitag.

Vielleicht nehmen sich die Deutschen ja schon bald ein Beispiel am Sportfördersystem der Briten. Denn die britischen Athleten erlebten am vergangenen Sonntag einen "Super Sunday". Die heimische Presse verfiel einheitlich in Euphorie, nachdem Großbritannien durch die Erfolge von Max Whitlock, Andy Murray und Co. an China vorbei auf Platz zwei des Medaillenspiegels gerückt war. Fünf Goldmedaillen allein am Sonntag ließen die Menschen vor den Fernsehbildschirmen und bei den zahlreichen Public Viewings in London jubeln.

Agentur "UK Sport" verwaltet Fördergelder

Nach den erfolgreichen Sommerspielen 2012 im eigenen Land sind die Briten in Rio auf einem guten Weg, den Erfolg von London zu übertreffen. Das wäre beachtlich, weil bisher keine der 17 Nationen, die seit dem Zweiten Weltkrieg die Spiele ausgerichtet haben, vier Jahre später besser platziert war als zuvor im eigenen Land.

Britische Medien machen unter anderem die gute Stimmung und den Zusammenhalt im "Team GB" als Erfolgsfaktoren aus. Doch die Antwort liegt wohl eher in der nationalen Sportförderung, um die sich die staatliche Agentur "UK Sport" kümmert. Die 1997 gegründete Organisation verwaltet umfangreiche Fördergelder, die überwiegend durch die britische Lotterie generiert werden.

Konsequente und gezielte Investitionen

"Dieser Erfolg ist kein Zufall", stellt Simon Timson, Direktor von "UK Sport", klar. "Das ist das geplante Ergebnis unserer Maßnahmen - das Ergebnis von konsequenter, schlüssiger und gezielter Investition der Lotterie."

Für den aktuellen Förderzeitraum von 2013 bis 2017 stellt "UK Sport" dem Olympischen und Paralympischen Sport fast 400 Millionen Euro zur Verfügung. Einzelne Athleten werden nach Recherchen des Daily Telegraph mit bis zu 75.000 Euro im Jahr gefördert. Dazu investiert "UK Sport" in Betreuung und Infrastruktur, also Trainer, Ausrüstung, Trainingszentren und Ärzte. Und in Talentscouts, die sich um den olympischen Nachwuchs kümmern. 

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Schlechte Disziplinen fallen hinten runter

Allerdings variiert die Verteilung der Gelder unter den Sportarten stark - die Kehrseite der Medaille. In erfolgreiche Disziplinen wird noch mehr investiert. Das Budget für Sportarten, die 2012 ihr Medaillenziel verfehlten, wurde hingegen gekürzt. "Brutal und effektiv" nennt die Zeitung "The Guardian" dieses Prinzip. Doch weil es offenbar aufgeht, sind die kritischen Stimmen momentan ziemlich leise.

Großbritannien feiert lieber seine Helden in Rio und ihren Rekordtag. Der Daily Mirror nannte es die "Super-Sonntags-Medaillen-Beute". Die Daily Mail sprach von einem "atemberaubenden Tag", der Daily Telegraph gar vom "größten Tag für das Team GB". Im Fußball-verrückten England hatte Olympia sogar den ersten Spieltag der Premier League von den Titelseiten verdrängt.

Britisches Ziel: Mehr Medaillen als in London

Simon Timson ist überzeugt, dass es in der zweiten Olympia-Woche so weitergeht. Ob die Briten ihr ursprüngliches Ziel von 48 Medaillen erreichen, ist bei derzeit 41 Medaillen-Erfolgen (einem mehr als 2012 zu diesem Zeitpunkt) keine Frage mehr. Das Ziel ist jetzt die 65-Medaillen-Marke von London zu knacken. 

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tkr/Philip Dethlefs DPA

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