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American Football: Nach Beurlaubung: NFL-Skandalprofi Antonio Brown tritt zurück

Wegen immer neuer Eklats um Vorwürfe der Vergewaltigung und Bedrohung beurlauben die New England Patriots ihren Wide Receiver Antonio Brown. Der reagiert mit einem drastischen Schritt.

Ein schwarzer Mann mit schulterlangen Dreads trägt ein blau-weiße Football-Trikot

Nach seinem Rauswurf bei den New England Patriots erklärt Antonio Brown, dass er nicht mehr in der NFL spielen wird

AFP

Jahrelang war Antonio Brown eine der größten Sensationen im American Football. Er fing Pässe wie kein anderer, kaum ein Highlight-Video kam ohne Aktionen oder Touchdowns des Wide Receivers aus. Nun aber sorgte der 31-Jährige dafür, dass er bei all den sportlichen Meriten als Bad Boy in die Historie eingehen wird. Nach immer neuen Eklats rund um Vorwürfe der Vergewaltigung und Bedrohung beurlaubten die New England Patriots den Skandalprofi, der daraufhin sein Karriereende in der NFL verkündete - und via Twitter mit Rundumschlägen etliche Personen attackierte.

Dass just der Rauswurf Browns aus dem Patriots-Kader dem Stuttgarter Jakob Johnson einen Platz im Team des Super-Bowl-Champions und damit das NFL-Debüt beim 30:14 (20:0) gegen die New York Jets bescherte, das ging in den USA in all der Aufregung um "AB" praktisch unter.

Antonio Brown teilt via Twitter aus

Denn so spektakulär der Passempfänger auf dem Feld agierte, so laut verabschiedete er sich auch in die - vorläufige oder endgültige? - Football-Rente. In seinem Abschiedstweet ("Ich werde nicht mehr in der NFL spielen") attackierte der 31-Jährige die Teambesitzer und warf ihnen vor, ihm Gehalt in Millionenhöhe vorzuenthalten.

Brown war im Frühjahr von den Pittsburgh Steelers zu den Oakland Raiders gegangen. Nach etlichen Eklats warfen ihn die Kalifornier raus - eine vereinbarte Fixzahlung von fast 30 Millionen Dollar strichen die Raiders wegen der Vergehen des Spielers. Die Patriots holten Brown und erfuhren, dass ihn eine Physiotherapeutin wegen Vergewaltigung verklagt. Berichten zufolge will auch New England dem Profi eine Prämie von neun Millionen Dollar nicht zahlen.

Rauswurf bei den New England Patriots

Die Patriots um Quarterback Tom Brady und Coach Bill Belichick sind bekannt, schwierige Spieler integrieren zu können. Dann aber warf eine weitere Frau Brown Belästigung vor, er soll sie daraufhin bedroht haben. Die Patriots feuerten Brown, die NFL ermittelt.

Pyro-Maschine fängt Feuer am Spielfeldrand

Der Wide Receiver bestreitet die Vorwürfe, via Twitter teilte er aber weiter aus: Er erinnerte, dass gegen Patriots-Besitzer Robert Kraft in Florida wegen Förderung von Prostitution ermittelt wird und dass sein ehemaliger Mitspieler Ben Roethlisberger 2010 wegen des Vorwurfs eines sexuellen Übergriffs für vier Spiele gesperrt wurde. Außerdem kommentierte er einen Bericht, wonach ein "Sports Illustrated"-Autor nach der Enthüllung gegen Brown bedroht wurde, mit der Aussage: "Das System arbeitet effektiv." Die Tweets wurden inzwischen gelöscht.

Große Hoffnung auf den Super Bowl

Um Football geht es bei dem tief Gefallenen nicht mehr – dabei waren sich vor den jüngsten Skandalen Experten einig, dass er zusammen mit den Patriots auf dem Weg zum Super Bowl nicht aufzuhalten sein wird.

Brown ist also der große Verlierer - Jakob Johnson dagegen profitiert von den Wirren um den Superstar. Der Stuttgarter bekam am Samstag den freien Platz im 53er-Kader der Patriots und gab am Sonntag sein NFL-Debüt. Der 24-Jährige, der an der University of Tennessee und bei den Stuttgart Scorpions ausgebildet worden war, kam gegen die Jets zunächst in den Special Teams zum Einsatz und durfte in der letzten Minute auf seiner klassischen Position als Fullback aufs Feld.

NFL-Debüt für Jakob Johnson

Der Sohn eines US-Vaters und einer deutschen Mutter, dessen Vorname auf deutsch ausgesprochen wird, schaffte es durch ein Programm für Nicht-Amerikaner zu den Patriots. Bereits 2017 hatte er eine Einladung, war dann aber am entscheidenden Tag verletzt. Ein Jahr später bekam er eine unerwartete zweite Chance und überzeugte dabei.

"Er war jeden Tag da draußen, zäh, bereit das zu tun, was es braucht, um diese Position in der Offensive zu spielen. Schlauer Kerl, lernt fleißig, bereitet sich gut vor, weiß, was zu tun ist und ist bereit zu spielen", sagte Offensiv-Trainer Josh McDaniels vor der Saison.

tkr/Manuel Schwarz und Maximilian Haupt / DPA

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