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Axel Schulz exklusiv: "Ich will es mir selbst noch einmal beweisen"

Axel Schulz kehrt möglicherweise in den Boxring zurück. Der ehemalige Schwergewichts-Kämpfer hat ein konkretes Angebot vom mächtigen Boxpromoter Don King vorliegen. Exklusiv liegt stern.de das Comeback-Interview vor, das Schulz dem TV-Sender RTL gab.

Frage: Wie kam das Gespräch mit Don King vor Weihnachten in Berlin am Ring zustande? Was ist da genau passiert?

Axel Schulz: Don King hat mich während des WM-Kampfes (Walujew vs. Ruiz, Anm. der Red.) angesprochen, ob ich so was nicht auch noch könnte. Ich schmunzelte und habe nur gesagt, dass man das mal ausprobieren müsste. Daraufhin hat er mich gebeten, ihn einmal anzurufen. Dann würde er mir ein konkretes Angebot machen.

Haben Sie das wirklich ernst gemeint?

Nicht wirklich, das war mehr aus der Laune heraus gesagt, am Ring eben. Aber jetzt, mittlerweile, haben mich die ganzen negativen Meldungen, dass ich für ein Comeback zu alt sei, richtig beflügelt. Ich bin gerade 37 und der Meinung, dass es noch klappen könnte. Zumal ein konkretes Angebot mittlerweile auf dem Tisch liegt - das ist schon sehr reizvoll.

Sie machen optisch einen fitten Eindruck. Dennoch: Wären Sie psychisch überhaupt in der Verfassung, wieder zu boxen?

Also, wenn ich es machen würde, dann würde der Kampf wirklich erst Ende 2006 oder Anfang 2007 stattfinden. Denn wenn ich wieder in den Ring steige, will ich den nächsten Kampf natürlich auch gewinnen. Und dazu bräuchte ich eine entsprechend lange Vorbereitung. Ich bin jetzt knapp sechs Jahre draußen und müsste schon ein bisschen ranklotzen, um den Trainingsrückstand wieder aufzuholen.

Böse Zungen behaupten, dass Sie Box-Opa Foreman ablösen wollen!

Und wenn es so wäre... Foreman ist ein Super-Vorbild. Er ist mit 45 Jahren Weltmeister geworden, in dem Alter hat er den Titel gegen mich verteidigt.

Spielt bei Ihren Comeback-Gedanken auch Geld eine Rolle?

In erster Linie ist das Sportliche die Herausforderung. Aber klar ist auch, dass es sich um Profiboxen handelt. Wenn einer Geld auf den Tisch legt und sagt, würdest Du dafür noch einmal in den Ring gehen und der Anreiz ist da - natürlich, warum soll man es nicht machen?

Sie sagen, Sie bräuchten eine bestimmte Vorbereitungszeit. Wir gehen mal davon aus, dass Sie (wenn ein Kampf zustande käme) 38 wären. Sind Sie da nicht zu alt, und ist es nicht auch zu gefährlich, wieder in den Ring zu steigen?

Mit 38 Jahren ist man nicht zu alt! Ich würde die Belastung langsam steigern. Die Arbeit an meinem Golfhandicap müsste ich dann allerdings vorerst zurückstellen. Aber mal im Ernst: Die Schläge, die ich in den letzten sechs Jahren nicht habe einstecken müssen, könnte ich gut in einem Comeback-Fight wegstecken.

Ein sehr populärer Trainer wie Ulli Wegner hätte ein gutes Gefühl, wenn Sie wieder zurückkämen. Er würde Sie sogar trainieren...

Darüber war ich überrascht und auch ein bisschen stolz. Ulli Wegner ist im Moment einer der erfolgreichsten Trainer in Deutschland. Wenn er meint, dass er mich fit machen könnte, dann bestärkt mich das umso mehr in meinem Entschluss.

Haben Sie mit Ulli Wegner gute Erfahrungen gemacht?

Ich kenne Ulli natürlich schon sehr, sehr lange. 1986 bin ich unter ihm Junioren-Europameister geworden, er war damals mein Coach.

Hand aufs Herz Herr Schulz, wie sieht Ihre Prognose bezüglich eines möglichen Comebacks für 2006 aus?

Die fällt sehr gut aus. Also, wenn mein Bauch nicht dicker wird, sieht das gar nicht schlecht aus. Nein, Spaß beiseite: Ich muss schauen, dass ich die absolute Belastungsfähigkeit wieder hinbekomme. Ich steige nur in den Ring, wenn ich gesund bin und den Kampf auch gewinnen kann. Realistisch betrachtet, müsste ich mich ein Jahr intensiv auf einen Fight vorbereiten. Dann könnte ich sagen: Jetzt greife ich wieder an.

Ist die derzeit schwache Schwergewichtsszene auch ein Grund, wieder zurückzukehren?

So überheblich möchte ich nicht sein. Sicher, es gibt im Moment nicht die Typen, die es mal gab. Wie Tyson oder Lewis. Aber klar ist auch: Ich stell mich jetzt nicht hin und sage, dass ich der neue Mann fürs Schwergewicht bin. Das wäre übertrieben. Für mich wäre es stattdessen eine echte Herausforderung, einfach mal den inneren Schweinehund zu überwinden und mit dem Training einzusteigen. Und dann schauen wir mal, wo es hinläuft. Ob es jetzt ein Kampf wird, oder ob es drei oder 4 Kämpfe werden, das muss man dann entscheiden. Aber eines steht fest: Ich möchte es mir selbst noch einmal beweisen... und ein paar anderen Leuten auch.

Aufgezeichnet von Klaus Bellstedt

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