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Biathlon-WM: Gold, Silber und Bronze für deutsche Frauen

Auf dem Treppchen war nur für die deutschen Biathletinnen Platz: Beim Rennen über 12,5 Kilometer holte sich Andrea Henkel Gold, Martina Glagow und Katie Wilhelm landeten auf Rang zwei und drei.

"Das ist ein absoluter Höhepunkt meiner Laufbahn. Einmalig. So was habe ich noch nicht erlebt", jubelte Bundestrainer Uwe Müssiggang, normalerweise kein Freund von Superlativen. Durch den Triumph und Platz drei der Männer im Staffelrennen am Vormittag haben die DSV-Skijäger nun mit 3 Siegen, zwei Mal Silber und drei Mal Bronze nach neun Rennen auch die Führung in der Länderwertung übernommen. Das Herren-Quartett Ricco Groß (Ruhpolding), Michael Rösch (Altenberg), Sven Fischer (Oberhof) und Michael Greis (Nesselwang) ließ nur den überragenden Russen und Norwegen den Vortritt.

Andrea Henkel musste bei ihrem am Vortag von Martina Glagow angekündigtem Sieg zwei Mal in die Strafrunde und benötigte für das 12,5 km lange Rennen mit viermaligem Schießen 37:13,1 Minuten und brachte bei Kaiserwetter die Antholzer Arena zum Kochen. Glagow, die nur eine Scheibe verfehlt hatte, lief in dem Renn-Krimi mit zahlreichen Führungswechseln 4,6 Sekunden später ins Ziel. Wilhelm lag nach zwei Strafrunden 10,6 Sekunden zurück. Doppelweltmeisterin Magdalena Neuner (Wallgau) belegte nach sieben Schießfehlern Rang 14.

"Zu schnell gelaufen"

"Als 'Molli' kurz vor dem höchsten Punkt der Strecke an mir vorbei stürmte, war ich ziemlich platt. Ich bin nach dem fehlerfreien letzten Schießen wohl zu schnell gelaufen", erklärte Henkel. Auf der Wiese habe sie sich aber wieder erholen und ihre Freundin angreifen können. "Dem Konter hatte ich nichts mehr entgegen zu setzen. Da merkte man, dass mir nach der zweiwöchigen Krankheitspause doch noch fünf Prozent zur Bestform fehlen. Nach dem brutalen Programm hier sind alle kaputt", beschrieb die Mittenwalderin die rennentscheidende Situation.

Kati Wilhelm lag sich lange mit dem Siegerduo in den Armen. "Ich bin total erleichtert. Eine Einzelmedaille wollte ich. Jetzt habe ich sie", meinte das "Rotkäppchen". Vor den letzten 2,5 Kilometern sei sie noch skeptisch gewesen. "Oh Gott", habe sie gedacht. "Wie in den Vortagen wieder ein gutes Ergebnis, aber nicht das erhoffte", berichtete sie - und dachte schon an die Staffel am Sonntag. "Favoritinnen waren wir schon oft. Doch geklappt hat's seit 1999 nicht mit einem WM-Titel. Darauf werden wir uns heute Abend einschwören", kündigte sie an.

Deutsche Männer schwächelten

Die laufstarken deutschen Männer schwächelten vor der Antholzer Rekordkulisse von 22.000 Zuschauern mit zwei Strafrunden und 13 Nachladern am Schießstand. Allein das macht rund drei Minuten Zeitverlust aus. Sowohl Startläufer Ricco Groß als auch Michael Rösch zitterten die Knie - und prompt mussten beide je eine Strafrunde drehen. Groß wechselte als Siebter. Rösch war wie Groß Siebtschnellster auf seiner Schleife, verlor ebenfalls fast 40 Sekunden auf die weit vor dem restlichen Feld laufenden Russen und schickte Sven Fischer auf Rang vier in die Spur.

Beim 150. Podestplatz seiner Laufbahn war der Oberhofer Fischer Zweitschnellster auf seiner Strecke. Er gab Michael Greis nur neun Sekunden Rückstand zu Ole Einar Björndalen mit auf die letzten 7,5 km. Der Allgäuer lief schnell zum Norweger auf und lieferte sich mit ihm im letzten Schießen ein Duell um Silber. Während Björndalen mit sechs Schüssen alle Scheiben abräumte, benötigte der Allgäuer zwei Schüsse mehr.

Wechselbad der Gefühle

"Wacker geschlagen" habe sich die Staffel, bemerkte Bundestrainer Frank Ullrich, der während der Konkurrenz durch ein Wechselbad der Gefühle gehen musste - wie auch Groß. "Ich ärgere mich brutal über die Strafrunde", stellte Groß fest. "Mit drei Patronen hätte ich trotz zitternder Knie die letzte Scheibe treffen müssen."

Als das Edelmetall fest stand, war der 37-Jährige nach dem letzten WM-Rennen seiner Laufbahn hingegen "total glücklich". Die letztgewonnene Medaille werde ihm lange im Gedächtnis bleiben. Mit dem 20. WM-Edelmetall seiner Laufbahn (9/5/6) zog er mit dem Oberhofer Rekordweltmeister Frank Luck (11/5/4) in der Medaillenzahl gleich. Dagegen war es für den noch am Anfang einer großen Laufbahn stehenden Michael Rösch das erste WM-Edelmetall.

Uwe Jentzsch/DPA / DPA

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