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Biathlon-WM: Neuner holt Gold im Sprint

Überraschung zum Auftakt der Biathlon-WM: Die erst 19-jährige Biathletin Magdalena Neuner ist Weltmeisterin im Sprint geworden. Katie Wilhelm belegte den siebten Platz. Zuvor hatten die deutschen Herren ein Debakel erlebt.

Bis zum Herbst spielte sie zu Hause Harfe, seit Samstag die erste Geige bei den weltbesten Biathletinnen: Die erst 19 Jahre alte Magdalena Neuner als Wallgau hat am Samstagnachmittag im Südtiroler Antholz in ihrem ersten Rennen bei einer Weltmeisterschaft gleich den Titel im Sprint über 7,5 Kilometer gewonnen und damit die Nachfolge der zurückgetretenen Uschi Disl angetreten. "Das ist echt unglaublich. Für mich ist ein persönliches Wintermärchen in Erfüllung gegangen", jubelte das Nesthäkchen des deutschen Teams und strahlte bei "Kaiserwetter" mit der Sonne um die Wette.

Neuner verfehlte in beiden Schieß-Einlagen jeweils eine Scheibe. Mit einer Zeit von 22:46,9 Minuten behauptete sie sich sechs Tage vor ihrem 20. Geburtstag um 2,3 Sekunden vor der favorisierten Schwedin Anna Carin Olofsson, die ebenfalls zwei Handicap-Runden laufen musste. Rang drei ging mit 19,6 Sekunden Rückstand an die Russin Natalja Gusewa. Neuner sicherte sich ihren erst zweiten Sieg bei den Damen durch eine imponierende Schlussrunde. 1400 Meter vor dem Ziel führte Olofsson noch mit einer Sekunde Vorsprung. "Hinten raus konnte ich noch mal gescheit Gas geben", berichtete die neue Weltmeisterin, die erneut mit Stöpseln im Ohr gelaufen ist, damit sie sich besser konzentrieren kann.

Letzter Fehlschuss war "okay"

Dass sie den zehnten und letzten Schuss ganz weit über die Scheibe setzte, habe sie überhaupt nicht geärgert. "Klar wäre es schön gewesen, wenn ich getroffen hätte. Doch nur ein Stehendfehler - das ist für mich auch angesichts der komplizierten Windböen okay", berichtete sie. Erst als die deutschen Betreuer auf den letzten eineinhalb Kilometer sie regelrecht nach vorn geschrien haben, hätte sie realisiert, dass es um den Sieg gehen könnte.

Kati Wilhelm komplettierte mit drei Strafrunden als Siebte die hervorragende Ausgangsposition der deutschen Frauen beim Verfolgungsrennen am Sonntag. "Das ist eines meiner Lieblingsrennen. Da ist viel drin", spekulierte die Zella-Mehliserin auf die erhoffte Einzel-Medaille - und erinnerte sich an ihren bisher einzigen WM- Sieg: "Damals war es auch meine erste Biathlon-WM, so wie heute für Lena". Die Weltcupführung musste Wilhelm jedoch an Olofsson abgeben.

Die deutschen Herren erlebten Debakel

Zuvor hatten die deutschen Herren beim Sprintsieg des haushohen Favoriten Ole Einar Björndalen (Norwegen) vor dem Tschechen Michal Slesinger (+4,8 Sekunden) und Andriy Deryzemlya (Ukraine/+ 25,8) wegen zu vieler Fehler beim Schießen die hochgesteckten Erwartungen nicht erfüllt. Bester war bei tückischen Windböen der Oberhofer Alexander Wolf, der drei Strafrunden drehen musste, auf Platz 15. Andreas Birnbacher (Schleching), mit zwei Fehlern bester Deutscher am Schießstand, Michael Rösch (Altenberg) und Michael Greis (Nesselwang), die wie Wolf 450 zusätzliche Meter laufen mussten, landeten auf den Plätzen 17 bis 19.

Damit büßte Greis die Weltcup-Führung wieder an Björndalen ein. "Klar bin ich nicht zufrieden. Ich hatte ganz bewusst langsam geschossen, wollte kein Risiko eingehen - und puff, puff, gingen zwei Schüsse daneben", erklärte der dreimalige Olympiasieger.

"Es war nicht grottenschlecht"

"Es war nicht grottenschlecht, aber sicher nicht das Ergebnis, das wir uns für die WM vorgenommen hatten. Die Sportler werden sich bestimmt am meisten ärgern. Jetzt müssen wir sie für die Verfolgung aufbauen, damit sie wieder angreifen können, auch wenn die Ausgangsposition nicht die Beste ist", sagte Bundestrainer Frank Ullrich nach dem schlechtesten Saison-Resultat seiner Männer.

Uwe Jentzsch/DPA / DPA

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