Doping im Radsport Fahrer riskieren alles - Ärzte gar nichts


Wenn ein Radprofi dopt, drohen ihm saftige Sperren. Nicht so den Ärzten, die meist straffrei ausgehen, wie stern-Recherchen belegen. Neuestes Beispiel ist der Freiburger Arzt Andreas Schmid. Doch die Kritik an der Gesetzeslage wächst.

Wenn Radprofis dopen, riskieren sie ihren Job. Sie werden beim ersten positiven Test zwei Jahre lang gesperrt, beim zweiten Mal vier Jahre. Doch die Ärzte, die an den Manipulationen kräftig verdienen, müssen nichts befürchten. Das belegen Recherchen des stern. Wie das Hamburger Magazin in seiner neuen, am Donnerstag erscheinenden Ausgabe berichtet, kommt jetzt möglicherweise der Freiburger Arzt Andreas Schmid, der mit seinem Kollegen Lothar Heinrich tief in das Doping-System rund um das deutsche Team T-Mobile verstrickt war, ohne Strafe davon. Da der Arzt den Vorgang abgebrochen habe und dem gedopten Fahrer Patrick Sinkewitz letztlich nichts passiert sei, komme bei Schmid "ein strafbefreiender Rücktritt vom Versuch der Körperverletzung in Betracht", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Freiburg dem stern. Dabei soll Schmid in einem besonders schweren Fall sogar ein Menschenleben aufs Spiel gesetzt haben.

Der Tübinger Medizinethiker Urban Wiesing, Leiter der Zentralen Ethikkommission der Bundesärztekammer, hofft hingegen auf eine Bestrafung mit Signalwirkung. "Der Widerruf der Approbation ist generell die Ultima Ratio. Es muss schon eine gewisse Größenordnung von Verfehlungen erreicht worden sein", sagte er dem stern. "Im Fall der beiden Freiburger Ärzte ist dies nach meinem Urteil gegeben." Wiesing sieht in der Bestrafung von Medizinern, die Spitzensportlern beim Doping helfen, ein generelles Problem. "Wir haben eine zu lasche Gesetzeslage in Deutschland, die dopenden Ärzten viele Schlupflöcher bietet", sagte Wiesing dem Magazin. "Den Kampf gegen Doping hat man zu lange den Sportverbänden überlassen. Es ist an der Zeit, dass der Staat sich direkt des Problems annimmt."

Auch Radprofis selbst können nicht nachvollziehen, warum sie selbst hart bestraft werden, während Ärzte munter weitermachen. "Es tut weh zu sehen, dass vor allem ich den Kopf hinhalten muss", sagt der Österreicher Bernhard Kohl, der für das deutsche Team Gerolsteiner fuhr und bei der letzten Tour de France Dritter wurde, dem stern. "Es wundert mich, dass der eine oder andere Arzt seinen Job macht, als wäre nichts gewesen."

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