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Eishockey: DEL - Krise im Rheinland

Sportlich enttäuschend, finanziell vor dem Abgrund: Die drei DEL-Klubs aus dem Rheinland kämpfen ums Überleben. Einst waren die Traditions-Teams aus dem Westen die Vorzeige-Vereine der Liga. Wir analysieren die bedrohliche Situation von KEC, KEV und DEG.

Drei Heimspiele, drei Niederlagen – die Bilanz des Wochenendes ist für die DEL-Klubs aus dem Rheinland wieder einmal eine Enttäuschung. Köln, Krefeld und Düsseldorf – die drei Vereine aus der Eishockey-Hochburg sind sportlich ein Schatten vergangener Tage und finanziell schwer angeschlagen. Früher war die Region am Rhein ein Hockey-Boomland: acht der 17 Finals fanden mit Beteiligung der rheinischen Klubs statt, vier Meistertitel wanderten in den Westen der Republik. Heute ist die Situation des traditionsreichen Trios ist mitunter erschreckend.

Vom Erfolg meilenweit entfernt

Sportlich mögen einzig die Haie mit ihrem achten Rang derzeit einigermaßen zufrieden sein, vom Erfolg alter Tage mit zwei Meistertiteln in der DEL (1995, 2002) und vier Vizemeisterschaften (1996, 2000, 2003, 2008) sind aber auch sie meilenweit entfernt. Nach den finanziellen Schwierigkeiten vor zwei Jahren und dem drohenden Kollaps musste der Klub sein Budget um 650.000 Euro zurückfahren.

Die Folgen sind bis heute in der Qualität der Mannschaft deutlich spürbar. Nach dem neunten Platz im Vorjahr und dem Aus im Playoff-Viertelfinale kommt der KEC auch diesmal offensichtlich nicht über einen Platz im Mittefeld hinaus. Seit Beginn der Spielzeit rangiert das Team von Ex-Nationaltrainer Uwe Krupp um den achten Tabellenrang. Große Sprünge nach oben deuten sich nicht an.

Probleme mit der Kölnarena

Finanziell sind die Kölner nach ihrer Rettung zwar offenkundig wieder solider aufgestellt. Für große Sprünge wird es bei den Haien aber mittelfristig nicht reichen. Die Lanxess-Arena, in der die Haie ihre Heimspiele austragen, stellt für die Verantwortlichen des Vereins weiterhin ein Problem dar. Denn die Halle lohnt sich für den Klub erst bei guter Auslastung. Kommen, wie in dieser Saison, durchschnittlich unter 10.000 Anhänger, sind die Zuschauereinnahmen für einen Club dieser Größenordnung zu gering. Hinzu kommen die Kosten für die kleine Arena auf der anderen Straßenseite, wo die Haie ihren Trainingsbetrieb abhalten. Ebenfalls gemietet und ebenfalls sehr teuer.

"Wir haben sicherlich die höchsten Kosten für eine Trainingshalle ligaweit,“ stöhnte KEC-Geschäftsführer Eichin bereits vor einiger Zeit. Pläne über eine eigene Halle, die mittlerweile seit Jahren im Raum stehen, scheinen daher nach wie vor noch nicht gänzlich vom Tisch zu sein. In nächster Zukunft sollen Gespräche zwischen Halleneigner der Lanxess-Arena und den Haien stattfinden. Klares Ziel: Reduzierung der teuren Mieten. "Aber die Stadt Köln muss auch mit ins Boot“, umreißt Eichin die Situation, "sonst hilft alles nichts“.

Zwei Millionen Euro fehlen

Während die Haie aber langsam in ruhigeres Fahrwasser zurückfinden, geht es in Düsseldorf und Krefeld sportlich wie finanziell um das nackte Überleben. Beide Klubs kämpfen um den Verbleib in der DEL. Die DEG sucht nach dem Ausstieg des Hauptsponsors Metro zum Saisonende neue Geldgeber. Noch sollen Zusagen über zwei Millionen Euro fehlen, um auch weiterhin in der DEL an den Start gehen zu können.

Immerhin mehren sich im Umfeld der DEG die positiven Signale. So hat die Stadt erst kürzlich einen Zuschuss von 450.000 Euro ankündigt, sollten die Verantwortlichen des Traditionsklubs bis Mai ein tragfähiges Konzept für die Zukunft präsentieren können. Unterstützung für den achtfachen Deutschen Meister sicherte auch die Kultband die Toten Hosen zu. Im Gespräch sind Sondertrikots und andere Merchandising-Artikel, deren Verkauf weitere Einnahmen einbringen sollen – gleiches hatte schon Fußball-Club Fortuna geholfen.

"Oben können wir dann nicht mehr mitspielen“

Dem finanziellen Absturz scheint zu allem Überfluss auch noch ein sportlicher zu folgen. Nach drei Niederlagen in Serie ist die DEG auf den zehnten Rang abgerutscht. "Für uns geht es jetzt um das Erreichen der Pre-Playoffs“, sagt Trainer Tomlinson. Die Endrunde verpasste der Klub zuletzt vor sieben Jahren. Und so sind die Metro Stars auch diesmal wieder als ein Mitfavorit ins Rennen um die Meisterschaft gegangen. An der charakterlichen Eignung der Mannschaft mag das sportliche Tief wohl nicht festgemacht werden. Manager Nethery lobt seine Spieler in den höchsten Tönen. "Einige Spieler hätten schon längst woanders unterschrieben können“, sagt der Nethery, der eigentlich schon seinen Rücktritt bei der DEG erklärt hatte, nun aber womöglich doch bleibt.

Nachdem Inverstor Peter Hoberg, der die DEG mit 700.000 Euro unterstützt, und Präsident Markus Wenkemann dem Manager zuletzt öffentlich den Rücken gestärkt hatten, scheint nun sogar eine Zukunft Netherys in Düsseldorf möglich. Ob es diese gibt und wie sie aussehen wird, bleibt indes weiterhin unklar. Wenkemann bereitet das Umfeld schon darauf vor, dass die DEG bei einem Verbleib in der DEL mit einer jungen deutschen Mannschaft antreten muss. "Oben könnten wir dann nicht mehr mitspielen“, sagt Nethery, der Zweifel daran hat, ob eine Low-Budget-Mannschaft, die in der unteren Tabellenhälfte ihre Runde dreht, genügend Zuschauer anzieht.

Ohne Playoffs keine Zukunft?

Ebenso ungewiss ist die Zukunft der Krefeld Pinguine. Sollte der KEV die Playoffs verpassen, droht dem Meister von 2003 das Ende. Der seit jeher nicht auf Rosen gebettete Verein könnte die fehlende Einnahme wohl nicht kompensieren. "Dann wird es eng“, sagt der Aufsichtsratvorsitzende Wilfried Fabel, der zum Saisonende nach 17 Jahren im Amt vermutlich aufhört. Der Club-Boss schätzt die Ausfälle auf bis zu 300.000 Euro. Dass die Pinguine scheinbar mit dem Erreichen der Playoffs kalkulieren, zeigt, wie fragil das finanzielle Konstrukt in Krefeld gebaut ist. Seit Jahren zieht sich diese Unsicherheit wie ein roter Faden durch die Historie des Klubs.

Die Hoffnung stirbt zuletzt, doch das Erreichen der Endrunde steht auf wackeligen Beinen. Zwar ist das Team mit vier Punkten Rückstand auf Rang zehn noch in Schlagdistanz, offenbarte aber in den letzten Wochen, dass die Klasse für die Konkurrenz oftmals nicht ausreicht. Trainer Rick Adduono, der den KEV im Vorjahr ins Viertelfinale geführt hatte, steht in der Kritik, wurde zuletzt sogar öffentlich von Chef Fabel niedergebügelt.

Das Rheinland, in dem in goldenen Jahren der KEC und die DEG die deutsche Meisterschaft unter sich ausmachten und wo selbst zu DEL-Zeiten neben den bisher genannten Klubs mit Duisburg, Ratingen und Oberhausen noch drei weitere Mannschaften in der höchsten Liga mitspielten, droht zur Eishockey-Wüste zu veröden. Selbst wenn sich Düsseldorf und Krefeld retten können - eine rosige Zukunft steht der Hockey-Hochburg nicht ins Haus.

Daniel Pietzker

sportal.de / sportal

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