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Video mit Gänsehaut-Faktor: "Patrick, Junge, der stirbt!": Als Frodeno Konkurrent Lange zum Hawaii-Sieg brüllte

Jan Frodeno erlebte beim Ironman Hawaii am Samstag den vielleicht schwärzesten Moment seiner Karriere. Statt zu Sieg drei in Folge reichte es für ihn "nur" zu Platz 70. Dennoch sorgte der 36-Jährige nicht nur unter Triathleten für einen Gänsehaut-Moment.

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Vorbild trotz Niederlage: Der chancenlose Titelverteidiger Jan Frodeno feuert Patrick Lange beim Ironman Hawaii an 

Es sind manchmal - oder vielleicht gerade - die Momente der Schwäche, in denen an sich schon hochdekorierte Sportler zu noch größeren Champions werden. Genau einen solchen Moment musste vergangenen Samstag auch Weltklasse-Triathlet Jan Frodeno erleben. Der 36-Jährige war als Topfavorit auf den Sieg beim Ironman Hawaii angereist, hatte seine gesamte Saison so stark wie nie auf die WM im Pazifik ausgerichtet. Doch aus dem dritten Triumph in Folge nach 2015 und 2016 wurde nichts. Stattdessen erwischte Frodeno beim Marathon einen rabenschwarzen Tag - und einen schmerzhaften obendrein.

Lag der Triathlon-Olympiasieger von 2008 nach dem Radfahren als Vierter noch in aussichtsreicher Position, ging plötzlich gar nichts mehr. Die Rückenmuskulatur des gebürtigen Kölners krampfte derart heftig, dass an Laufen nicht zu denken war. Mehrfach schrie Frodeno von den Begleitkameras eingefangen vor Schmerzen auf, musste sich zeitweise hinsetzen und versuchte immer wieder, die Verspannungen irgendwie zu lösen, während ein Konkurrent nach dem anderen vorbeizog.

Jan Frodeno brüllt Patrick Lange zum Hawaii-Sieg

So mancher Topathlet hätte in diesem Moment wohl aufgegeben, sich einfach ins Hotel zurückgezogen. Nicht so Frodeno, der obwohl ohne Siegchance im Rennen blieb, die ihn überholenden Amateure abklatschte und nach gefühlt endlosen fünf Kilometern des "Spazierengehens" tatsächlich ins Laufen zurückfand.

Diese Entscheidung brachte dem Modellathleten nicht nur größten Respekt innerhalb der Triathlonszene ein, auch führte sie zu einer Situation, die es in anderen Sportarten so vermutlich nicht oft gibt. Es war die entscheidende Phase des Marathonlaufs, als Frodeno der spätere Sieger, zu diesem Zeitpunkt aber noch zweitplazierte Patrick Lange entgegenkam. Also stoppte Frodeno seinen ohnehin beschwerlichen Lauf erneut und ließ es sich nicht nehmen, seinen Konkurrenten mit voller Inbrunst anzufeuern.

"Patrick, Junge, der (gemeint ist der spätere Zweite Lionel Sanders aus Kanada, Anm. d.Red.) stirbt! Den holst du dir, hol' ihn dir unter acht Stunden", schrie Frodeno seinen Landsmann an. Ein von der deutschen Profi-Triathletin Laura Philipp aufgenommenes Video hielt den Gänsehaut-Moment fest:

Aufgeben ist keine Option

Das Ende ist bekannt: Lange sicherte sich mit neuem Streckenrekord von 8:01:40 Stunden seinen ersten WM-Titel. Frodeno indes erklärte später im Zielinterview mit der Fachzeitschrift "triathlon", er habe "dem Spirit des Ironman Tribut zollen" wollen. Dieser besagt, dass Aufgeben keine Option ist, dass man sich aller Probleme zum Trotz bis ins Ziel durchkämpft. Frodeno biss sich durch: 9:15:44 Stunden zeigte die Uhr, als er die Ziellinie auf dem abgeschlagenen 70. Platz überquerte. 

Dieses Ergebnis kann der 36-Jährige mit einem starken Comeback schon nächstes Jahr vergessen machen. Sein vorbildliches Verhalten im vielleicht schwärzestes Moment seiner Karriere dürfte hingegen noch in vielen Jahren Gesprächsthema sein.


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