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GOLD: Aller guten Dinge sind fünf

Franziska von Almsick hat sich unsterblich gemacht: Bei den Schwimm-Europameisterschaften erschwamm sich die Berlinerin ihre fünfte Goldmedaille.

Weltrekord als Krönung der »Franziade«

Mit fünf Titeln und einem fantastischen Weltrekord hat sich Franziska van Almsick in die Rolle eines deutschen Sport- Lieblings zurück geschwommen und die 26. Europameisterschaften in Berlin zu einer »Franziade« werden lassen. Den goldenen Schlusspunkt setzte am Sonntag unter dem tosenden Jubel der Fans die Lagen-Staffel der Frauen in 4:01,54 Minuten mit Europarekord und EM-Titel Nummer zehn. Franziska van Almsick besiegte sich selbst, als sie in 1:56,64 Minuten ihren acht Jahre alten Rekord von Rom 1994 über 200 m Freistil endlich verbesserte. Zugleich weckte die 24-Jährige Hoffnungen auf eine Verlängerung ihrer Karriere bis Olympia 2004 in Athen.

Cheftrainer Ralf Beckmann war stolz auf sein Team. »Das Ganze war eine Vorübung für Olympia und für die WM 2003 in Barcelona. Die Ausgangsposition auf dem Weg nach Athen könnte nicht besser sein.« Mit 22 Medaillen (10-7-5) behauptete sich das Schwimm-Team des Deutschen Schwimm-Verbandes souverän als Europas Nummer 1. Getragen von einem vorbildlichen Teamgeist. Weltrekord Nummer 5 in Berlin markierte die Polin Otylia Jedrzejczak in 2:05,78 Minuten über 200 m Schmetterling. Sie »raubte« der Drittplatzierten Annika Mehlhorn aus Baunatal zugleich den Europarekord.

»Franzi« zog das gesamte Team zu einem fulminanten Endspurt. Gold für die Lagenstaffel mit Antje Buschschulte, Simone Weiler, Franziska van Almsick und Sandra Völker sowie Bronze für Stev Theloke, Jens Kruppa, Thomas Rupprath und Stefan Herbst beendeten die deutsche Medaillenflut. »Franzi«: »Das ist der absolute Hammer. Wir waren gut.« Rupprath wurde Europameister über 100 m Schmetterling. Sandra Völker über 50 m Rücken und Anne Poleska über 200 m Brust holten ebenso Silber wie Moritz Zimmer,Stefan Pohl, Lars Conrad und Stefan Herbst über 4 x 200 m Freistil hinter Italien. Heiko Meyer und Annett Gamm/Ditte Kotzian im Synchron-Wettbewerb sprangen zu Gold vom Turm.

»Ich könnte alle umarmen«

Franziska van Almsick weinte im Ziel Tränen des Glücks: »Ich könnte alle umarmen. Ich bin einfach völlig durch den Wind.« Sie war »unheimlich stolz«. Ihr Comeback nach der Olympia-Pleite von Sydney und vielen Demütigungen wurde zur Gala. »Ich bin ins Wasser gesprungen und habe die Flucht nach vorn angetreten.« Mit 24 Jahren 14/100 schneller als mit 16. »Sie ist wieder aufgestanden«, sagte Trainer Norbert Warnatzsch. Nun hoffen alle, dass sie weiter macht. »Das ist ein sensationelles Ergebnis als Grundlage für Olympia 2004«, sagte DSV-Präsidentin Christa Thiel. Klaus Steinbach, NOK- Präsidentschaftskandidat und früherer Weltklasseschwimmer: »Durch einen Olympiasieg würde sie unsterblich.«

Dennoch: Ihre Zukunftspläne ließ »Franzi« offen. »Ich freue mich auf meinen Urlaub. Und ich denke, das ist eine gute Zeit, darüber nachzudenken.« Sie hat noch eine Aufgabe: den Olympiasieg.

Das Publikum in der mit 4500 Besuchern und Athleten voll besetzten Berliner Halle tobte, als sie das Rennen gegen sich selbst aufnahm. »Ich war total fertig.« Am liebsten wäre sie aus der Halle geflohen. Im Ziel war sie nur noch glücklich. Der Blick auf die Anzeigetafel, dann streckte sie die Arme in den Himmel. »Zum Schluss dachte ich nur: Hilfe, ich komme, wo ist die Wand. Wäre die Bahn fünf Meter länger gewesen, wäre ich, glaube ich, nicht angekommen.«

Weltrekordlerin Sandra Völker aus Hamburg war enttäuscht über Silber in 28,81 Sekunden über 50 m Rücken. »Das war nicht mein Tag heute.« Titelverteidigerin Nina Schiwanewskaja aus Spanien war in 28,58 schneller. Ihr drittes Einzelgold gewann Jana Klotschkowa aus der Ukraine über 400 m Freistil.

Rupprath triumphiert - Turm-Gold

Rupprath holte sich in 51,94 Sekunden nach dem Sieg über 50 m Rücken seinen zweiten EM-Titel auf der Langbahn. »Ich bin super glücklich, aber auch ganz schön kaputt. Das Rennen von Franzi hat mich total motiviert, das war gigantisch.« Den erhofften Weltrekord verpasste er allerdings.

Mit der Top-Bilanz von 5 Gold-, 3 Silber- und 2 Bronzemedaillen beendeten auch die Springer die EM als Nummer 1. Am Ende des furiosen Final-Wochenendes standen das erste EM-Gold für Heiko Meyer vom Turm und der Titel für Gamm/Kotzian (Dresden/Berlin) im Synchronspringen. »Daran hat keiner geglaubt«, so die zweifache Europameisterin Ditte Kotzian. Annett Gamm fand es »total schön, total super«. Meyer war nach zwei zweiten Rängen endlich am Ziel: »Ich hatte nur eine Chance: Kopflos zu springen, ohne nachzudenken. Ich war einfach dran.«

Von Richard Janssen und Dietmar Fuchs, dpa

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