Handball-EM "Hoffe auf eine Trotzreaktion"


Die deutschen Handballer weiter im Pech: Nach dem Frust über die Skandal-Schiedsrichter fällt jetzt auch Kapitän Baur wegen Knieverletzung gegen Tschechien aus. Brand glaubt weiter an sein Team.

Das Verletzungspech bleibt den deutschen Handball-Herren bei der Europameisterschaft in Slowenien treu. Nach der Absage von Stephan Kretzschmar aus Magdeburg (Leistenoperation) schon vor Turnierbeginn verlor der Vizeweltmeister im letzten Vorrundenspiel mit Markus Baur (TBV Lemgo) nun den zweiten Stammspieler. Der 33 Jahre alte Kapitän der Nationalmannschaft verletzte sich bei einer Abwehraktion gegen Frankreich und erlitt einen Einriss im Innenmeniskus des rechten Knies.

Während Baur noch am Dienstagabend des ersten Hauptrunden- Spieltages nach Deutschland zurückreiste, wo er bereits am Donnerstag im Klinikum in Rottenburg operiert wird, setzte bei der Delegation des Deutschen Handball-Bundes (DHB) hektische Betriebsamkeit ein. Für den Spielmacher wurde in einer Blitzaktion Steffen Weber von der SG Kronau/Östringen in die slowenische Hauptstadt eingeflogen. Weber stand schon am Abend gegen Tschechien im Kader.

Auch Christian Schöne fällt aus

Dabei war der Ausfall des Lemgoers Baur nicht das einzige Personalproblem von Bundestrainer Heiner Brand. Der Coach der deutschen Elitehandballer musste gegen die Tschechen auch auf Rechtsaußen Christian Schöne verzichten, der an einer Magen-Darm- Grippe laboriert. Auf dem linken Flügel war Heiko Grimm (TV Großwallstadt) nach einer am Samstag beim Training erlittenen Leistenprellung auch noch nicht vollständig schmerzfrei. Das Pech von Spielmacher Baur und die Nachnominierung Webers bedeutet zudem das EM-Aus für Grimms Vereinskollegen Carsten Lichtlein. Der 23-Jährige kann aufgrund des durch Weber vollständig ausgeschöpften Kontingentes von 16 Spielern bei diesen Titelkämpfen nicht mehr zum Einsatz kommen.

Auch bei der taktischen Aufstellung gerät der Trainer unter Druck: Mit Baur fehlt Heiner Brand der bisherige Denker und Lenker des deutschen Spiels. Als Ersatz auf dessen Position kommt wohl Daniel Stephan für die folgenden Spiele in Frage, die Alternative mit dem exzentrischen Stefan Kretzschmar auf der mittleren Rückraumposition war schon vor der EM ausgeschieden. "Die Truppe hat natürlich geschockt auf den Ausfall von Markus reagiert, aber wir spielen nicht das erste Turnier mit Verletzungssorgen und ich hoffe auf eine Trotzreaktion", gab der Bundestrainer die Stimmung in der Mannschaft wieder.

Baur glaubt an das Team

Am traurigsten aber war Markus Baur selbst: "Es tut mir leid für die Mannschaft, ich hätte ihr gerne noch geholfen." Baur, der voraussichtlich drei Wochen pausieren muss, hofft nun auf die Olympischen Spiele. "Vielleicht wird Athen ja das erste wichtige Turnier, das wir mal mit voller Besetzung bestreiten können", sagte der Rechtshänder, der trotz seines Verletzungspechs gute Chancen für die deutsche Mannschaft sieht, das Halbfinale zu erreichen. "Alle Gegner sind gut, aber keine Übermannschaften, die können wir schlagen."

Der Bundestrainer gab sich dagegen etwas verhaltener: «Das Turnier fordert unheimliche Kräfte, da muss man auf Alternativen zurückgreifen können - und genau die fehlen uns jetzt», warnte Brand vor überzogenen Erwartungen. Nach dem Auftaktspiel in der Hauptrundengruppe gegen Tschechien warten auf den DHB am Mittwoch mit Gastgeber Slowenien und anschließend Ungarn zwei weitere harte Brocken. Bei einem Einzug ins Halbfinale kämen auf die Spieler nach einem Ruhetag am Freitag dann zwei weitere Spiele hinzu.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker