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Handball-EM "Wir gehören zu den Favoriten"


Ohne Stefan Kretzschmar und Frank von Behren reist die deutsche Handball-Nationalmannschaft zur Europameisterschaft in Slowenien, die am Donnerstag beginnt. Bundestrainer Brand glaubt weiter an den großen Wurf.

Im Olympia-Jahr wollen die deutschen Handballer nach zwei verlorenen Endspielen endlich einen Titel gewinnen. Ob sie schon bei der Europameisterschaft von Donnerstag an in Slowenien reif dafür sind, ist jedoch fraglich. "Nach den Erfolgen in der Vergangenheit kann es nur heißen, dass wir einen Titel wollen. Wenn nicht bei der EM, dann bei Olympia, weil das die letzte Chance ist, bevor viele von uns aufhören", verkündete der verletzte Star Stefan Kretzschmar.

"Wir haben die stärkste Gruppe"

Gepaart mit einer Portion Aberglauben ist die Zuversicht nach dem Formanstieg vom jüngsten Russland-Spiel in die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) zurückgekehrt. "Ich habe den Eindruck, dass es wesentlich besser geworden ist. Die Mannschaft hat bei den vergangenen beiden Turnieren gezeigt, was sie kann. Ich hoffe, dass wir daran anknüpfen können. Denn nur, wenn wir so eine Leistung bringen, gehören wir mit zu den Favoriten", urteilte Bundestrainer Heiner Brand und fügte an: "Wir haben die stärkste Gruppe."

In Koper bestreitet der WM- und EM-Zweite Deutschland am Donnerstag (20.30 Uhr/DSF) sein Auftaktspiel der Gruppe D gegen Serbien und Montenegro. Die weiteren Gegner sind Polen und der WM-Dritte Frankreich.

Brand akzeptiert Absage von Behrens nicht

Dabei muss die DHB-Auswahl auf den an der Leiste operierten Kretzschmar (Magdeburg) und den freiwillig aussetzenden Frank von Behren (Gummersbach) verzichten. "Kretzsche ist seit Jahren ein fester Bestandteil der Truppe, auf dem Feld und auch sonst. Das wird sicher wehtun. Zumal er in dieser Saison sehr, sehr gut und konstant gespielt hat. Das hat mir imponiert", sagte Brand über den Linksaußen. Unverständnis hingegen brachte er dem Rückzug von Rückraumspieler von Behren entgegen. "Ich hatte schon auf ihn gesetzt. Das ist seine Entscheidung. Als Mensch kann ich sie akzeptieren, als Trainer nicht", murrte der Bundestrainer.

Brand bleibt optimistisch

Seinen Humor hat der 51-Jährige dennoch nicht verloren. Denn auch im Vorjahr hatte sein Team in Dortmund gegen Russland hoch gewonnen und war anschließend WM-Zweiter geworden. "Wenn die Mannschaft abergläubisch ist, denkt sie daran, dass wir danach eine tolle WM gespielt haben", meinte Brand nach dem 29:20-Erfolg.

Doch die Konkurrenz ist so groß wie nie. Zehn oder elf der 16 teilnehmenden Nationen hält Brand für Titelanwärter. "Unsere Chancen sind nicht anders als vor zwei, drei Monaten. Schon da habe ich vor unserer Gruppe gewarnt", betonte Brand. Besondere Brisanz bekommt das Turnier durch den letzten noch zu vergebenden Olympia-Platz.

Lemgo-Spieler bilden Rückgrat der Mannschaft

Die bereits für Athen qualifizierten Mannen um Kapitän Markus Baur sind seit Jahren eingespielt und endspielerfahren. Gemeinsam mit Baur und Rückraum-"Joker" Volker Zerbe, der nur zu den Höhepunkten in der Auswahl spielt, stellt Meister TBV Lemgo mit Daniel Stephan, Florian Kehrmann, Christian Ramota und Christian Schwarzer das Gerüst der Mannschaft. "In der Abstimmung sehe ich kein Problem. Die körperliche Fitness und die psychische Stärke sind für mich entscheidend", sagte Brand. Gerade daran hat er zuletzt gearbeitet: "Ich bin ein wenig erleichtert, weil bei uns im Vorfeld einiges gehakt hat. Es gab erste Anzeichen dafür, dass alles frischer und dynamischer war."

Großer Respekt vor Serbien-Montenegro und Frankreich

Dies muss die DHB-Auswahl schon von Donnerstag an unter Beweis stellen. "Serbien und Montenegro hat mich schon sehr beeindruckt. Die sind sehr engagiert", berichtete der Bundestrainer von seinen Beobachtungen beim Sechs-Länder-Turnier in Russland. Dort gewann Frankreich das Endspiel. "Die Franzosen zähle ich zu den ganz großen Favoriten. Das ist eine sehr kompakte Truppe", urteilte er. Für ihn sind auch die Polen, die mit zahlreichen Bundesliga-Assen wie Marcin Lijewski (Flensburg-Handewitt) und Grzegorz Tkaczyk (Magdeburg) antreten, Respekt einflößend. Brand: "Das sind alles Leute, die ein Spiel aus dem Rückraum gewinnen können."

Martin Kloth, DPA DPA

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