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Handball-WM: Frankreich ist Europameister

Historischer Erfolg für Frankreichs Handball-Nationalmannschaft: Nach dem WM-Titel und dem Olympiasieg gewannen die Franzosen auch die Europameisterschaft. Im Finale in Wien musste wiedermal Kroatien dran glauben.

Frankreichs Handballer haben ihre glanzvolle Siegesserie fortgesetzt und als neue Europameister das goldene Triple vollendet. In einem packenden und über weite Strecken hochklassigen Endspiel bezwangen die Franzosen am Sonntagabend in der Neuauflage des vorjährigen WM-Finales Kroatien mit 25:21 (12:12). Nach dem Olympiasieg 2008 und dem WM-Titel 2009 machte das Team um Welthandballer Thierry Omeyer damit die bislang einmalige Titelserie perfekt. "Das ist für die Ewigkeit. Das habe ich noch gar nicht richtig realisiert. Drei große Titel bei drei großen Turnieren ist einfach Wahnsinn", sagte der Kieler Schlussmann Omeyer.

Vor 11.000 Zuschauern in der ausverkauften Wiener Stadthalle warfen Nikola Karabatic (6) für Frankreich und Vedran Zrnic (7) für Kroatien die meisten Tore. "So ist eben Sport, die Franzosen waren besser. Aber irgendwann gewinnen wir auch mal gegen Frankreich", sagte Gummersbach-Profi Zrnic. Island hatte mit Bronze die zweite Medaille bei einem großen Turnier nach Silber bei den Olympischen Spielen 2008 gewonnen. Die Nordeuropäer setzten sich im "kleinen Finale" gegen Polen mit 29:26 (18:10) durch. Die Isländer hatten am Vortag ihr Halbfinale gegen Frankreich mit 28:36 (14:16) verloren, die Polen gegen Kroatien mit mit 21:24 (10:9) den Kürzeren gezogen.

Tolle Paraden, zauberhafte Anspiele


Der entthronte Titelverteidiger Dänemark sicherte sich durch ein 34:27 (18:13) gegen Spanien Platz fünf. Die deutsche Mannschaft war als enttäuschender Zehnter bereits vor dem Final-Wochenende abgereist. Als wertvollster Spieler des Turniers wurde der Tscheche Filip Jicha vom THW Kiel ins Allstar-Team gewählt, dem mit Igor Vori (Kroatien), Slawomir Szmal (Polen) und Olafur Stefansson drei weitere Bundesliga-Spielen angehören.

Die beiden bis zum Finale ungeschlagenen Mannschaften boten ein Endspiel mit allen Attraktionen des Handballs: Die Torhüter Omeyer (Frankreich) und Mirko Alilovic (Kroatien) glänzten mit tollen Paraden, die Spielmacher Karabatic (Frankreich) und Ivano Balic (Kroatien) zauberten mit raffinierten Anspielen, und auch die Abwehrreihen blieben sich nichts schuldig.

Island holt Platz drei


Zunächst bestimmte Kroatien die Partie unter Leitung der souveränen deutschen Schiedsrichter Bernd und Reiner Methe aus Vellmar ("Das ist der absolute Höhepunkt in unserer Karriere"). Der WM-Zweite führte beim 4:2 (10.) erstmals mit zwei Toren. Diesen Rückstand machten der Weltmeister beim 6:6 (15.) wieder wett, ehe die Kroaten sich beim 12:9 (28.) gar auf drei Tore absetzen konnten. Allerdings ließen sich die Franzosen davon nicht beirren und glichen bis zu Pause wieder aus. Nach Wiederanpfiff drehte der Olympiasieger und Weltmeister auf, enteilte auf 17:13 (38.), musste aber trotzdem bis zum Ende zittern.

Vor den Franzosen hatten bereits die Isländer gejubelt. "Das ist ein neues Kapitel in der Handball-Geschichte Islands. Zwei Medaillen hintereinander hat es noch nie gegeben", sagte Trainer Gudmundur Gudmundsson. Nachdem der Olympia-Zweite am Vortag nach der Halbfinal- Niederlage noch mit hängenden Köpfen vom Platz geschlichen war, tanzten die Mannen um Kreisläufer Robert Gunnarsson durch die Gänge der Wiener Stadthalle. "Wir sind total glücklich jetzt. Wir haben nur einmal verloren und können mit erhobenen Köpfen aus Wien abreisen. Mit einer Medaille um den Hals zurückzukommen, ist ein gutes Gefühl", sagte der Legionär vom VfL Gummersbach.

Martin Kloth/DPA / DPA

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