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Interview zu Basketballstar Dirk Nowitzki: "Einer der größten deutschen Athleten"

Bundestrainer Dirk Bauermann kritisiert die deutschen TV-Sender, weil sie kein Basketball aus den USA zeigen - und träumt von Dirk Nowitzki bei Bayern München. Ein stern.de-Gespräch.

Herr Bauermann, wie verfolgen Sie Dirk Nowitzki in den NBA-Finals? Die Spiele laufen ja mitten in der Nacht und werden im frei empfangbaren Fernsehen nicht übertragen.
Ich stelle mir den Wecker, klappe im Bett meinen Laptop auf und schaue die Spiele über das Internet. Ich glaube, dass machen gerade sehr viele Fans in Deutschland so. Mit dem ersten Anwurf fiebere ich dann mit, aber natürlich analysiere ich auch. Ich bin eine Mischung aus Fan und Fachmann.

Sie kennen Dirk Nowitzki gut, haben ihn viele Jahre in der Nationalmannschaft trainiert. Was zeichnet ihn aus, als Sportler und als Mensch?
Nur ein Beispiel: Dirk war in seiner Jugend ein exzellenter Tennisspieler, auch weil sein Ballgefühl außergewöhnlich ist. Vergessen Sie bitte nicht: Er ist 2,13 Meter groß. Wie er sich bewegt, das hat etwas von einem Sportler, der 30 Zentimeter kleiner sein könnte. Das Talent für den Umgang mit Bällen wurde ihm in die Wiege gelegt. Hinzu kommen Ehrgeiz und Disziplin. Ich kenne keinen Basketballprofi, der härter arbeitet als Nowitzki. Nach jedem Training bleibt er für 30 bis 60 Minuten in der Halle und feilt an seiner Wurftechnik. Es ist also eine Kombination aus Talent und harter Arbeit. Als Mensch ist er bescheiden, bodenständig und unprätentiös. Dirk Nowitzki ist einfach normal geblieben. Da gibt es keinen Hauch von Arroganz. Das ist fast noch höher einzuorden als das Sportliche.

Wie bewerten Sie die Tatsache, dass keiner der großen Sender sich traut, in die Berichterstattung über diese NBA-Finalspiele groß einzusteigen?
Das ist ein Armutszeugnis. Hier wird gerade eine große Chance vertan, eine Sportart in Deutschland populär zu machen. Das Interesse an Dirk Nowitzki im Land ist enorm. Print und Online haben das verstanden, die öffentlich-rechtlichen TV-Anstalten und die großen Privaten nicht. Das ist traurig. Und es ärgert mich. Dirk Nowitzki ist einer der größten deutschen Sportathleten der letzten Jahre, er spielt in der attraktivsten Profiliga der Welt. Er fasziniert die Menschen. Aber die deutsche Fernsehberichterstattung transportiert das leider nicht.

Könnten die Auftritte von Nowitzki einen Boom in Deutschland auslösen, so wie es damals im Tennis durch Boris Becker und Steffi Graf geschehen ist?
Wenn zum Beispiel die ARD die Finals zwischen Dallas und Miami übertragen würde, dann bestünde sicher die Möglichkeit. Aber so?! Davon abgesehen, wir bewegen uns in Deutschland ja nicht in einem Basketball-Niemandsland. Das Interesse an unserem Sport ist schon groß. Und speziell an der NBA ist es bei den deutschen Fans traditionell sogar sehr groß. Und wenn ich mit Bastian Schweinsteiger oder Mario Gomez spreche, ist das bei Sportlern ganz ähnlich. Viele Bayern-Spieler, ich meine jetzt die Fußballer, sind voll im Thema und echte Nowitzki-Fans. Im Sommer spielt Nowitzki mit der Nationalmannschaft voraussichtlich sechs Mal in Deutschland. Da kann dann viel von dem nachgeholt werden, was jetzt nicht stattfindet.

Ist es vorstellbar, dass Nowitzki eines Tages in Deutschland spielen wird - vielleicht für Bayern München unter Ihnen als Trainer?
Da ist viel Träumerei dabei. Deshalb will ich auch nicht viel darüber sagen. Nur das: Unmöglich ist es nicht. Dazu muss aber eine ganz besondere Situation eintreten.

Welche?
Derzeit bedroht ein Spielerstreik die nächste NBA-Saison. Kein Mensch weiß aber, wie lange ein solcher überhaupt dauern würde. Und dann kommt es ja auch darauf an, ob Dirk überhaupt in Deutschland spielen will. Aber träumen darf man ja mal.

Packt es Nowitzki? Kann er den Titel mit den Mavericks holen?
Das ist schwer zu prognostizieren. Aber ein Aspekt stimmt mich hoffnungsfroh: Für einige von Nowitzkis Mitspielern wie Jason Kidd oder Shawn Marion ist es die allerletzte Chance, die Meisterschaft zu gewinnen - wegen ihres Alters. Miamis Team ist jünger, die Jungs können auch nächstes Jahr noch Meister werden. Aber bei den Mavericks gibt es dieses Element der Eile. Das kann wirklich die letzten Reserven wecken. Und: Eine Mannschaft mit Dirk Nowitzki in ihren Reihen kann immer eines von zwei Spielen gewinnen. Am Ende glaube ich, dass die Dallas Mavericks es packen werden. Aber es wird dramatisch. Man wird sich lange an diese Spiele erinnern.

Klaus Bellstedt

Wissenscommunity