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Länderspiel gegen Südafrika: Vorhang auf für Mesut Özil!

Die Nationalelf hat bei ihrem 2:0-Sieg gegen Südafrika bewiesen, dass sie doch noch Fußballspielen kann. Aber die schönste Erkenntnis des Abends lautet: Deutschland hat endlich wieder eine echte Nummer 10.

Von Tim Schulze, Leverkusen

Vor dem Spiel gab es erst einmal einen Abschied zu feiern. Bernd Schneider, lange Jahre einer der kreativsten Spieler in der Nationalelf, wurde vor dem Freundschaftsspiel gegen Südafrika in der runderneuerten BayArena in Leverkusen von DFB-Präsident Theo Zwanziger und Kapitän Michael Ballack gebührend geehrt. Es gab Blumen und viel Applaus. Auf der Tribüne entrollten die Fans ein gewaltiges Plakat mit dem Konterfei von "Schnix", dem Leverkusener Fußball-Gott. Manch einer wird sich gedacht haben, gerade so einen feinen Techniker bräuchte die Nationalelf jetzt wieder. Einen, der für die überraschenden Momente sorgen kann.

Ein 20-Jähriger auf der Königsposition

Deshalb war es bemerkenswert, dass Bundestrainer Joachim Löw einen 20-Jährigen in der Anfangsformation auflaufen ließ, der in den letzten Wochen und Monaten eine so rasante Entwicklung genommen hat. Mesut Özil stand neben seinem Bremer Kollegen Marko Marin in der Startelf, und das auf der zentralen Position hinter den Spitzen, der Königsposition. Löw nutzte den letzten Test vor den entscheidenden Partien in der WM-Qualifikation, um der junge Garde eine Gelegenheit zu geben, sich zu präsentieren. Und während Serdar Tasci in der Innenverteidigung und Marko Marin auf dem linken Flügel zeigten, dass sie noch längst nicht so weit sind, um Ansprüche anzumelden, setzte Mesut Özil auch der Nationalelf ein beeindruckendes Ausrufezeichen. Viele Angriffe liefen über ihn, seine Pässe verliehen dem Spiel der Löw-Truppe die Kreativität, die zuletzt so schmerzlich vermisst worden war. Zur Krönung seiner starken Leistung traf der Deutschtürke in der 77. Minute mit seinem ersten Länderspieltor zum 2:0-Endstand.

Özil, der Spieler des Abends. Und der neue Superstar unter Deutschlands Elitekickern? Nach dem Spiel lobte der Bundestrainer nüchtern: "Özil kann dem Spiel eine gewisse Kreativität verleihen. In der Offensive hat er sehr gut gespielt, aber in der Defensive muss er noch dazu lernen." Spannend wird jetzt die Frage sein, ob Özil schon am Mittwoch wieder zum Einsatz kommt, wenn das Spiel gegen Aserbaidschan ansteht. Da geht es schließlich um die WM-Qualifikation. Man fragt sich, welcher Grund eigentlich dagegen spricht?

"Michael hat mich gut gecoacht"

An Selbstbewusstsein mangelt es Özil auf jeden Fall nicht. Bevor Löw zur Pressekonferenz erschien, hatte der DFB ihn auf das Fragepodium beordert, wohl wissend, dass er Mann des Abends war. Da saß der 20-Jährige und beantwortete die Fragen so kurz und schmerzlos, wie man es von ihm kennt. "Ich bin einfach froh zu spielen, und das ist mit heute sehr gut gelungen."

Auch die Mannschaftskollegen waren voll des Lobes - offensichtlich froh darüber, dass da einer ist, der dem deutschen Spiel endlich wieder den lange vermissten Esprit verleihen kann. Mario Gomez hatte nach einer schnellen Kombination über Rolfes, Özil und der Vorlage durch Ballack in der ersten Halbzeit die verdiente Führung besorgt. Der Bayern-Stürmer urteilte nach dem Spiel: "So einen Spielertyp wie Mesut hatte Deutschland lange nicht. Wir können froh sein, so einen Spieler zu haben." Kapitän Michael Ballack sagte: "Mesut hat das hervorragend gespielt." Ballack hatte schon in den Tagen zuvor in den höchsten Tönen von Özil gesprochen - und ihm auch auf dem Spielfeld durch klare Ansagen die Richtung vorgeben. Özil bedankte sich danach ganz eifrig: "Michael hat mich gut gecoacht."

Reicht das gegen Russland?

So gesehen passte einiges an diesem frühherbstlichen Abend, wenn auch nur phasenweise. Es gab endlich mal wieder schnelle, gelungene Kombinationen gegen die "Bafana Bafana" zu sehen. Beide Tore waren das Ergebnis eines druckvollen Fußballs, den Löw von seinen Spielern fordert. Im Tor bewies Rene Adler, dass Deutschland definitiv kein Torhüter-Problem hat. Das alles ist immerhin eine Steigerung zu den Darbietungen in den letzten Spielen. Das dürftige 2:0 in der WM-Qualifikation gegen Aserbaidschan oder die quälenden Partien auf der Asienreise gegen China und die Vereinigten Arabischen Emirate sind noch in böser Erinnerung.

Im Hinterkopf bleibt natürlich die Frage: Reicht das gegen die bärenstarken Russen um Superstar Andrej Arschawin, wenn es im Oktober zum Showdown in Moskau kommt? Das Team von Südafrika ist kaum ein Maßstab. Löw fand trotzdem, dass seine Mannschaft "ein Signal" gesetzt habe: "Wie nehmen ein gutes Gefühl mit"- auch dank Mesut Özil.

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