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LEICHTATHLETIK: Deutsche Leichtathleten feiern mit viel Silberglanz

Drei Jahrzehnte nach den Olympischen Spielen haben die deutschen Leichtathleten in München mit ihren Fans ein Freudenfest mit viel Silberglanz gefeiert.

Drei Jahrzehnte nach den Olympischen Spielen haben die deutschen Leichtathleten in München mit ihren Fans ein Freudenfest mit viel Silberglanz gefeiert. Grit Breuer führte das Staffel-Quartett über 4 x 400 m am verregneten Schlusstag zum umjubelten Sieg und sorgte damit für das zweite Gold nach 400-m-Riese Ingo Schultz bei den 18. Europameisterschaften. Neun zweite und sieben dritte Plätze hatten die Asse des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) vor den letzten beiden Wettbewerben zudem erobert. Die TV-Einschaltquoten und der Zuschaueransturm auf das Münchner Olympiastadion übertrafen die kühnsten Erwartungen.

Die deutsche 4 x 100-m-Frauenstaffel mit Sina Schielke hatte zuvor mit Silber hinter Frankreich für den ersten Lichtblick gesorgt. 20 Minuten später stürmte Olympiasieger Nils Schumann im 800-m-Finale als Dritter ins Ziel. In 1:47,60 Minuten musste sich der 24-Jährige aus Großengottern dem Weltrekordler Wilson Kipketer (Dänemark/1:47,25) und Weltmeister Andre Bucher (Schweiz/1:47:43) geschlagen geben. »Ich denke mal, ich kann mit Bronze leben, ich habe aus dem vergangenen Jahr viel gelernt«, meinte der entthronte Titelverteidiger. Im Vorjahr war der Thüringer bei der WM in Edmonton bitter enttäuscht nur auf Platz fünf gelandet.

Grit Breuer, Florence Ekpo-Umoh, Birgit Rockmeier und Claudia Marx verteidigten den EM-Titel in der deutschen Jahresbestzeit von 3:25,10. In einem furiosen Schlussspurt rang Breuer die russische Einzel-Europameisterin Olesja Zykina nieder. Zwei-Meter-Mann Michael Möllenbeck (Wattenscheid) überraschte die europäische Diskuselite mit einem dritten Platz. Mit einem Wurf von 66,37 m waren nur der Ungar Robert Fazekas (68,83) und der Litauer Virgilius Alekna (66,62) stärker.

Die »jungen Wilden« kommen

Für die Organisatoren war die Leistungsschau ein voller Erfolg. »Dieses Ereignis hat Zeichen gesetzt. Im Fußball würde man sagen: München war eine Steilvorlage«, erklärte OK-Chef Helmut Digel. Der Vizepräsident des Weltverbandes IAAF wäre allerdings froh, wenn er die 7,5 Millionen Euro teure Veranstaltung ohne Verluste abschließen könnte.

»Diese EM war ein großer Erfolg. Sportlich lief es besser als vermutet«, freute sich auch DLV-Generalsekretär und Leistungssportchef Frank Hensel. An die glänzende EM-Bilanz von 1998 in Budapest mit 23 Medaillen (8 Titel) kamen die deutschen Athleten jedoch wie erwartet nicht heran.

Beflügelt von der »Gänsehaut-Atmosphäre« durch insgesamt 303 900 Zuschauer probten die deutschen Leichtathleten ein Jahr vor der WM in Paris den Generationswechsel. Siebenkämpferin Sabine Braun beendete mit Silber ihre Karriere, Dieter Baumann feierte als Vize- Europameister ein grandioses Comeback, Weitspringerin Heike Drechsler - alle 37 - musste sich nach vier Titeln in Folge diesmal mit Platz fünf begnügen. Auch Kugelstoßerin Astrid Kumbernuss ging leer aus, und der fünffache Diskus-Weltmeister Lars Riedel war nur Zuschauer.

Doch die »jungen Wilden« kommen - allen voran Ingo Schultz, der nicht nur seinen Gegnern, sondern auch seiner Freundin Antje Buschschulte den Laufpass gab und damit für die dicksten Schlagzeilen sorgte. Kugelstoßer Ralf Bartels überraschte zum Auftakt mit Bronze, Stab-Artist Lars Börgeling gewann das deutsche Duell mit Routinier Tim Lobinger und freute sich über seinen zweiten Platz.

Die Helden von damals

Doch nicht nur die Stars standen im Mittelpunkt. 30 Jahre nach den Olympischen Spielen kamen die Helden von damals zurück: Klaus Wolfermann, Heide Ecker-Rosendahl, Renate Stecher, Ulrike Nasse, geborene Meyfarth. Die Macher der EM rückten die Olympiasieger von 1972 mit pfiffigen Regie-Ideen immer wieder ins (Fernseh-)Bild. »Wenn man sieht, mit welcher Fröhlichkeit hier die Sportler gefeiert werden, ist das fast so eine Stimmung wie bei den Spielen damals«, staunte der frühere Weltklasse-Speerwerfer Wolfermann.

Bundeskanzler und Schirmherr Gerhard Schröder erlebte die erste EM-Goldmedaille eines israelischen Leichtathleten durch Stabhochspringer Alex Averbuch am Samstag live. Der flog über 5,85 m - die deutschen Titelhoffnungen Börgeling (2.) und Lobinger (3.) hatten das Nachsehen. Die gleiche Beute machten zuvor die deutschen Marathonläuferinnen Luminita Zaituc und Sonja Oberem. In den Spuren von Heike Drechsler wandelte Colin Jackson: Über 110 m Hürden feierte der Brite in 13,11 Sekunden seinen vierten Titel in Folge. Dies schaffte auch sein Landsmann Steve Backley im Speerwerfen.

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