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Leichtathletik-WM Erstes Gold für Deutschland


Am fünften Wettkampf-Tag der Leichtathletik-WM in Osaka hat es endlich mit dem ersten Gold geklappt: Franka Dietzsch gewann den Titel im Diskuswerfen. Ein deutscher Weitspringer überraschte mit einem Riesensatz.

Im Land des Lächelns strahlte Deutschlands Diskus-Legende Franka Dietzsch wie ihre dritte Goldmedaille, dann vergoss sie Freudentränen: Mit einer weiteren Galavorstellung im Wurfring krönte die Neubrandenburgerin ihren neunten Auftritt bei Leichtathletik-Weltmeisterschaften und tanzte danach ausgelassen durch das Nagai-Stadion von Osaka. Einen Tag nach dem Silber-Coup von Diskuswerfer Robert Harting löste die 39-Jährige am Mittwochabend wieder Jubelstürme im deutschen Team aus. Dietzsch ließ der Jugend keine Chance. Trotz Achillessehnenproblemen ließ sie sich den dritten WM-Titel nach 1999 (Sevilla) und 2005 (Helsinki) nicht nehmen.

"Ich habe dem Trainer gesagt, ich mache den ersten Wurf ganz locker", schilderte Franka Dietzsch den entscheidenden ersten Versuch, "ich habe mich nicht groß angestrengt und er war auch nicht sehr schnell. Aber er flog." Die freigestellte Bankangestellte war von Erfolgstrainer Dieter Kollark noch in Top-Form gebracht worden, obwohl sie kurz vor dem wichtigsten Wettkampf des Jahres wegen Schmerzen an der Ferse noch fit gespritzt werden musste. Franka Dietzsch wuchtete die ein Kilo schwere Scheibe in diesem ersten Durchgang gleich auf 66,61 Meter - das war's dann, auch wenn ihr zweitbester Versuch ebenfalls noch zu Gold gereicht hätte. Zugleich revanchierte sie sich damit für die Niederlage gegen Russlands Europameisterin Darja Pischalnikowa (65,78), von der sie bei der EM 2006 in Göteborg noch bezwungen worden war. Bronze sicherte sich die Kubanerin Yarelis Barrios (63,90).

Reif mit Riesensatz

Hochspringer Eike Onnen (Hannover) musste seine heimlichen Medaillenhoffnungen früh begraben: Bei 2,26 Meter war diesmal für den 2,34-m-Springer Schluss. Die rund 20 000 Zuschauer im nicht einmal halb gefüllten Nagai-Stadion feierten am fünften Wettkampftag nach Franka Dietzsch eine weitere strahlende Titelverteidigerin: Michelle Perry (USA) ließ sich den Sieg über 100 Meter Hürden nicht streitig machen.

Speerwurf-Topfavoritin Christina Obergföll hatte in der Qualifikation am Vormittag eine Zitterpartie hingelegt - Weitspringer Christian Reif hingegen einen famosen Auftritt. Die Europarekordlerin kam am Mittwoch nur als Nachrückerin ins Finale am Freitag. Europameisterin Steffi Nerius und WM-Neuling Linda Stahl überzeugten dafür. Reif legte in der Ausscheidung 8,19 Meter hin und qualifizierte sich überraschend für den Endkampf der besten Zwölf - so weit war der deutsche Meister aus Ludwigshafen noch nie gesprungen.

Obergföll von sich selbst enttäuscht

Ausgerechnet die in diesem Jahr überragende Obergföll musste am Mittwoch am längsten bangen: Die Offenburgerin verpasste bei ihrem 60,77-Meter-Wurf die geforderte Qualifikationsweite (61,00) knapp, rückte dann aber mit der neuntbesten Leistung nach. Bei der Medaillenvergabe dürfen zwölf Speerwerferinnen starten. "Ich hätte mir nie träumen lassen, dass es heute so läuft", sagte Obergföll. Trotz seines schwachen Auftritts über die 110 Meter Hürden ist Vize- Europameister Thomas Blaschek danach ins Halbfinale gerannt. Der Leipziger kam als insgesamt 15. nur über die Zeit weiter.

Ralf Jarkowski und Andreas Schirmer/DPA


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