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Leichtathletik-WM Harting holt erstes Gold für Deutschland


Medaillensegen bei der Leichtathletik-WM: Robert Harting verteidigt seinen Titel im Diskuswurf. Martina Strutz holt sensationell Silber im Stabhochsprung, Jennifer Oeser wird Dritte im Siebenkampf.

Erleichterung im deutschen Lager nach den Enttäuschungen vom Vortag: Für Deutschland gab es am vierten Wettkampftag der Leichtathletik-WM im südkoreanischen Daegu gleich drei Medaillen. Diskus-Weltmeister Robert Harting verteidigte seinen Titel und holte das erste WM-Gold für Deutschland. Zur gleichen Zeit sicherte sich Martina Strutz im Stabhochsprung sensationell Silber mit dem neuen deutschen Rekord von 4,80 Meter. Siebenkämpferin Jennifer Oeser hatte zuvor bereits die Bronzemedaille erkämpft.

Mit letzter Kraft und äußerstem Willen hat Diskus-Recke Robert Harting in Daegu wieder einmal den goldenen Dreh gefunden und seinen WM-Titel eindrucksvoll verteidigt. Im vierten Versuch schleuderte der 26 Jahre alte Berliner am Dienstag die Zwei-Kilo-Scheibe 68,49 Meter weit und ließ der Konkurrenz im WM-Finale keine Chance. Rechtzeitig zum Saisonhöhepunkt wuchs der eigentlich am Knie verletzte 2,01-Meter-Mann über sich hinaus und beendete auch seinen 16. Wettkampf in Serie siegreich.

"Ich bin selbst überrascht", sagte Harting nach seinem Triumph. "Es tat so weh heute, das hat mich tierisch genervt. Die Spritzen haben diesmal wohl nur zu 60 Prozent getroffen." Trotz seiner Schmerzen drehte der Titelverteidiger, der bereits mit seinem ersten Versuch die Konkurrenz geschockt hatte, im Daegu Stadium sofort eine Ehrenrunde und riss sich dabei wie bei seinem Erfolg vor zwei Jahren in seiner Heimatstadt Berlin das Trikot vom Leib. Seinen Sieg widmete er einem Freund, der im Mai in Afghanistan ums Leben gekommen war. Zweiter wurde Olympiasieger Gerd Kanter (Estland) mit 66,95 Metern. Der Iraner Ehsan Hadadi holte mit 66,08 Metern überraschend Bronze.

Martina Strutz lange mit Gold-Chance

Stabhochsprung-Spätzünderin Martina Strutz ist die Himmelsstürmerin des Jahres. "Es war super. Das war der beste Wettkampf meines Lebens: Deutscher Rekord, die Silbermedaille gewonnen, meine Eltern waren dabei - es war einfach nur geil", sagte die 29-jährige aus Hagenow nach dem größten Erfolg ihrer wechselvollen Karriere. Dabei verbesserte sie auch noch ihren deutschen Rekord um zwei Zentimeter auf 4,80 Meter. Fast bis zum Schluss lag die 29-Jährige sogar vorne, hatte Gold vor Augen und klammerte sich an ihrem Kopfkissen, einer Art Talisman, fest. "Ich dachte: Wollen die anderen alle nicht?" Tatsächlich wollte nur die Brasilianerin Fabiana Murer mehr als Strutz. Sie übersprang 4,85 Meter und zwang die Deutsche nach zwei Fehlversuchen Risiko zu nehmen. 4,90 Meter waren aber zu hoch für Strutz. Dritte wurde Swetlana Feofanowa aus Russland.

Weltrekordlerin und Olympiasiegerin Jelena Issinbajewa stürzte dagegen bei ihrem Comeback auf Platz sechs ab. Die Russin verbarg ihre rot-geränderten Augen unter einer Kappe und meinte trotzig: "Ich werde noch hoch und höher springen." Höher hinaus wollte eigentlich auch Vize-Europameisterin Silke Spiegelburg. Die Leverkusenerin hatte von Anfang an Schwierigkeiten, in den Wettkampf zu kommen. Zwar kämpfte sie bravourös und meisterte so manche Höhe wenigstens im letzten Versuch, doch bei 4,65 Meter war Schluss - ein insgesamt enttäuschender 9. Platz. Kristina Gadschiew (Zweibrücken) landete mit 4,55 Meter auf dem 10. Rang - für sie ein respektables Ergebnis in dem Weltklassefeld.

Jennifer Oeser dankt für den "Arschtritt"

Siebenkampf-Ass Jennifer Oeser hat nach einer furiosen Aufholjagd doch noch das WM-Medaillenziel erreicht. "Bronze ist Gold wert für mich", sagte die 27-jährige Leverkusenerin. "Ich habe noch nie so um eine Medaille kämpfen müssen. Mit 6572 Punkten wurde sie am Dienstag nach einer Hitzeschlacht im Daegu-Stadion Dritte bei der Leichtathlketik-WM. Neue "Königin der Siebenkämpferinnen" ist die Russin Tatjana Tschernowa, die mit der Weltjahresbestleistung und 6880 Punkten gewann. Sie entthronte die britische Titelverteidigerin Jessica Ennis (6751). Einen hervorragenden sechsten Platz erreichte Lilli Schwarzkopf von der LG Rhein-Wied mit 6321 Punkten. Die Neubrandenburgerin Julia Mächtig musste sich mit Rang 17 und 6095 Zählern begnügen.

"Ich danke allen, die mir gestern in den Arsch getreten haben", sagte die WM-Dritte von 2009. Oeser hatte nach dem ersten Wettkampftag als Sechste die Medaille schon abgeschrieben. "Ich fühlte mich wie ein Häuflein Elend und hatte schon mit einem Platz unter den Top sechs bis acht gerechnet." Schließlich hatte sie die ersten vier Disziplinen nur als Siebte beendet.

Auch der Weitsprung mit soliden 6,28 Metern markierten nach einer "Nacht ohne viel Schlaf" (Oeser) keinen Wendepunkt. Erst im Speerwurf gelang ihr ein grandioser Befreiungsschlag: Mit 51,30 Metern übertraf die an der Nordseeküste geborene Polizeiobermeisterin ihre persönliche Bestleistung um 2,13 Metern und katapultierte sich unerwartet auf Rang drei. "Der Speer hat geflutscht", berichtete sie. Die Medaille war plötzlich wieder greifbar nah. "Ich wollte sie mir nicht mehr nehmen lassen", sagte Oeser - und quälte sich über die 800 Meter erneut zu einer persönlichen Bestleistung.

dho/DPA/AFP DPA

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