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Marathonkönigin: Was macht eigentlich ... Uta Pippig?

Sie siegte 1990 beim ersten Berlin-Marathon nach der Wiedervereinigung. Es war der Auftakt einer Weltkarriere.

Uta Pippig, 53, zu Hause in Boulder, Colorado. Sie besitzt inzwischen auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft

Uta Pippig, 53, zu Hause in Boulder, Colorado. Sie besitzt inzwischen auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft

Haben Sie mal nachgerechnet, wie viele Kilometer Sie in Ihrem Leben gerannt sind?

Grob geschätzt müssten es fünf Erdumrundungen gewesen sein. Stellen Sie sich vor: Früher, Ende der Achtziger, habe ich meine Lieblingsschuhe noch geflickt und geklebt, bis sie auseinanderfielen. 1990, nach dem Mauerfall und dem Berliner Marathon, verbrauchte ich im Jahr bis zu 15 Paar.

Sie waren über Jahre bei den berühmten Marathonläufen erfolgreich, haben dreimal in Berlin gewonnen, dreimal in Boston und einmal in New York. Ihr größter Sieg?

Da gab es zwei. Der Berlin-Marathon zur Wiedervereinigung 1990 war sehr emotional. Als ostdeutsche Läuferin durch das wieder geöffnete Brandenburger Tor zu laufen und das Rennen zu gewinnen, das war schon sehr bewegend. Es war unser Lauf in die Freiheit. Die vielen glücklichen Gesichter, die Freude werde ich nie vergessen. Und dann die 100. Ausgabe des Boston-Marathons 1996: Einige Kilometer nach dem Start bekam ich heftige Schmerzen im Magen-Darm-Bereich, musste die Führenden ziehen lassen, dachte einen Moment lang ans Aufgeben. Dann die Wende: Von der begeisterten Menge angefeuert, kämpfte ich mich zurück an die Spitze. Der Jubel war atemberaubend. Vielleicht mein größter sportlicher Erfolg.

Der damalige US-Präsident Bill Clinton lud Sie zum gemeinsamen Jogging nach Washington ein. Wie kam es dazu?

Es war eine Tradition, dass die Gewinner des Boston-Marathons ins Weiße Haus eingeladen wurden. Ich bin zweimal mit Präsident Clinton gejoggt. Wir liefen einige Meilen entlang des schönen Potomac River, begleitet vom Secret Service, auch in Laufsachen. Entgegenkommende Läufer grüßten von Zeit zu Zeit: "Guten Morgen, Mister President." Das wiederholte sich einige Male auf der Strecke. Dann kam ein Läufer uns entgegen, grüßte: "Guten Morgen, Uta." Alle lachten, auch Präsident Clinton. Nach dem Laufen gab es noch einige Dehnübungen. Er war interessiert, voller Respekt. Ein tolles Erlebnis.

Sie waren mit Ihrem fröhlichen Auftreten das "Sunny Girl" der Leichtathletik. Kennen Sie auch Motivationstiefs?

Natürlich bin ich manchmal müde, das bringt der Alltag mit sich. Tiefen sind Teil des Lebens. Ich respektiere sie. Versuche, nicht darin zu uverweilen, setze mir neue Ziele, die ich erreichen kann.

Wie sieht Ihr Leben heute aus?

Ich betreue und berate Läufer und Firmen, gebe Motivationsseminare. Den Großteil der Zeit verbringe ich mit meiner Stiftung "Take The Magic Step". In den USA und in Deutschland unterstützen wir unsere Charity-Partner, das sind Organisationen, die sich benachteiligter Kinder und Jugendlicher annehmen. Wir unterstützen deren karitative Events und helfen den jungen Menschen dabei, einen positiven Weg einzuschlagen.

Ihr schönstes Erfolgserlebnis?

Da gibt es viele! Einmal arbeitete ich mit einer Frau, die gerade ihre Krebsbehandlung beendet hatte. Sie war so voller Mut und Elan, dass sie einen Marathon laufen wollte. Zugleich betreute sie ihre Familie, die Kinder. Ich trainierte sie, während sie von ihrem Arzt beaufsichtigt wurde. Und sie lief dieses wundervolle Rennen in New York – und dann, zu meiner Überraschung, direkt danach noch einen weiteren Marathon. Sie sagte, dass nach all dem, was sie durchgemacht hatte, das Laufen ihr viel zurückgab, es wurde "ihre Zeit" – ganz für sich selbst.

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