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Nach Anschlägen von Boston: Läufe in Hamburg und London finden statt

Nach dem Attentat von Boston sind die Veranstalter von Sportfesten weltweit alarmiert. Doch niemand denkt daran, die Marathonläufe in London oder Hamburg am kommenden Wochenende abzusagen.

Wenige Tage nach den Anschlägen auf den Boston Marathon soll schon das nächste Sportfest dieser Art stattfinden: der London Marathon. Der Lauf ist für diesen Sonntag geplant, geht quer durch die Innenstadt der britischen Hauptstadt und führt die Läufer an zahlreichen Sehenswürdigkeiten vorbei. Jährlich sehen sich etwa eine halbe Million Zuschauer das Spektakel an.

Nach den Anschlägen auf den Bostoner Marathonlauf am Montag, wo drei Menschen durch Bomben getötet und mehr als Hundert verletzt wurden, überdenkt die Polizei der britischen Hauptstadt zwar ihr Sicherheitskonzept. Die Veranstaltung unter dem Eindruck der Anschläge in den USA aber abzusagen, daran denken weder die Sicherheitsbehörden noch die Veranstalter.

Der Marathon werde wie geplant stattfinden, versicherte Chef-Organisator Nick Bitel in einem BBC-Interview. "Wir sind tieftraurig und geschockt von den Nachrichten aus Boston", sagte Bigel. Es sei ein "sehr trauriger Tag für die Leichtathletik und unsere Freunde vom Marathonlauf". Dennoch: 36.000 Läufer wollen am Sonntag in London an den Start gehen, und so wie es aussieht, werden sie das wohl auch tun.

Auch Prinz Harry wird dabei sein. Der 28-Jährige werde wie geplant die Ehrungen der Gewinner in den verschiedenen Kategorien übernehmen und freiwillige Helfer treffen, teilte der Palast mit. Harry, Dritter in der britischen Thronfolge, ist Schirmherr der Stiftung London Marathon Charitable Trust.

Hamburg fühlt sich sicher

Am selben Tag findet auch der Marathon in Hamburg statt. Hier erwägt der Veranstalter, das Polizeiaufgebot zu erhöhen. Stattfinden soll der Lauf aber auf jeden Fall, berichten das "Hamburger Abendblatt" und der Radiosender "NDR-Info".

"Wir stehen in engem Kontakt mit der Innenbehörde", teilte Organisator Frank Thaleiser mit. Die Sicherheitslage in Hamburg sei nach wie vor sehr gut, sagte er dem Sender "NDR-Info". Gespräche mit dem Verfassungsschutz hätten ergeben, dass für Hamburg kein erhöhtes Risiko bestehe. Zwar sei es nicht auszuschließen, dass einige Marathon-Teilnehmer aus Angst vor Anschlägen noch absagen. Bislang sei aber noch niemand deshalb von der Teilnahme zurückgetreten. Es hätten am Dienstagmorgen viele Menschen bei der Hotline der Veranstaltung angerufen um zu fragen, ob das das Ereignis wie geplant stattfinde.

Auch an der Sicherheitslage in Deutschland hat sich nichts geändert. Davon ist das Bundesinnenministerium überzeugt. "Ich gehe davon aus, dass wir nach wie vor eine unveränderte Sicherheitslage haben", sagte ein Sprecher der Behörde. Eine abstrakte Gefahr von Anschlägen bestehe weiterhin, ohne dass es aber konkrete Hinweise auf Anschläge gebe.

Die Veranstalter des Berlin-Marathons, der in diesem Jahr am 29. September geplant ist, wollen unter dem Eindruck des Bombenterrors in Nordamerika ihr Konzept überprüfen. "Wir müssen erörtern und die Information bekommen, was jetzt wirklich in Boston passiert ist", sagte Renndirektor Mark Milde im ZDF-"Morgenmagazin". Der Anschlag in Boston sei nun im Hinterkopf der Organisatoren.

Beim Berlin-Marathon seien über 600 Rettungskräfte im Einsatz, es gebe im Ziel große Medizinzelte. Wenn es zum Schlimmsten komme, sei man vorbereitet. "Allerdings kann man natürlich nicht eine komplette Strecke von 42 Kilometern absichern", sagte Milde.

Russland verschärft Kontrollen bei Sportfesten

Auch in Russland überlegt man, welche Konsequenzen man aus den Anschlägen von Boston ziehen sollte. So kündigten die Organisatoren der Leichtathletik-Weltmeisterschaft im August in Moskau schärfere Sicherheitsvorkehrungen an. "Es wird bereits im Vorfeld zusätzliche Kontrollen der Besucher sowie der Stadien und Hallen geben", sagte der Präsident des Russischen Leichtathletikverbands, Valentin Balachnitschjow. Auch für die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi würden die Anschläge von Boston nicht folgenlos bleiben.

Zahlreiche Top-Sportler und Funktionäre reagierten geschockt auf den Bombenanschlag von Boston. "Laufen bringt Menschen zusammen. Aber was gerade in Boston passierte, ist schrecklich. Meine Gedanken sind bei jedem Einzelnen in Boston", twitterte Äthiopiens bekanntester Läufer, Haile Gebrselassie.

Usain Bolt: "Ich bete für alle"

Leichtathletik-Superstar Usain Bolt schrieb: "Was für traurige Nachrichten. Ich bete für alle." Boris Becker sprach von einem "traurigen Tag", die Fußball-Nationalspieler Lukas Podolski und André Schürrle zeigten sich ebenfalls betroffen. "Gedanken und Gebete für alle in Boston", schrieb Leverkusens Schürrle. "Ich bete für alle Menschen beim Boston-Marathon", erklärte Lukas Podolski vom FC Arsenal. "Was zum Teufel ist mit den Menschen los?", fragte Kevin-Prince Boateng vom italienischen Erstligisten AC Mailand.

Auch beim deutschen Fed-Cup-Team, das sich gerade in Stuttgart auf die Aufstiegspartie gegen Serbien an diesem Wochenende vorbereitet, sorgten die Nachrichten und Bilder aus den USA für Fassungslosigkeit. "Dafür finde ich keine Worte", twitterte Tennis-Bundestrainerin Barbara Rittner. "Es ist so traurig", schrieb Sabine Lisicki. "Bombenanschläge bei einer Sportveranstaltung? Bei der Sache, die Menschen aller Nationen, Rassen oder Religionen verbindet? Widerlich!", meinte Triathlon-Olympiasieger Jan Frodeno.

Die Anschläge in Boston wirken sich auch auf die Sicherheitsüberlegungen für die Olympischen Sommerspiele im Jahr 2016 aus. Die Organisatoren bezeichneten die Sicherheit als "oberste Priorität" bei den Spielen in Rio de Janeiro. Was das allerdings konkret heißt, ließen die Organisatoren offen. Es ist ja auch noch etwas Zeit bis dahin.

anb/DPA/Reuters / DPA / Reuters