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Mehr Sport: Kenianerinnen dominieren ersten Tag der WM

Die ersten sechs Medaillen bei der Leichtathletik-WM in Daegu sind vergeben, allerdings hielt nur eine Nation die Hände auf. Denn beim Marathon waren es die Kenianerinnen, die am Ende das gesamte Podest besetzten und auch über die 10.000 Meter gehörte die Treppe ihnen.

Besser hätte es für Kenia nicht laufen können. Die Lauf-Nation hat zum Auftakt der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Daegu mit einem Dreifach-Triumph im Frauen-Marathon Geschichte geschrieben. Topfavoritin Edna Kiplagat setzte sich in 2:28:43 Stunden mit 17 Sekunden Vorsprung gegen Priscah Jeptoo und Sharon Cherop, die in 2:29:14 Stunden ins Ziel kam, durch.

"Ich habe keine spezielle Strategie. Von Kilometer 32 an habe ich nur meine Geschwindigkeit erhöht", sagte die 31 Jahre alte Kiplagat. Auch ein Sturz an der letzten Wasserstation brachte die Polizistin nicht aus der Erfolgsspur.

"Ich bin gefallen und meine Teamkameradin Sharon Cherop hat bei dem Unfall mein Bein getroffen", berichtete Kiplagat. "Da habe ich befürchtet, mich verletzt zu haben, doch ich war okay." Edna Kiplagat, deren Trainer und Ehemann der ehemalige Weltklasseläufer Gilbert Cheruiyot Koech ist, ging als Topfavoritin auf die 42,195 Kilometer lange Strecke in der City der drittgrößten Stadt Südkoreas.

Erst Laufen, dann shoppen

"Ich werde den Titel feiern, indem ich zum Shopping gehe", sagte Edna Kiplagat nach ihrer grandiosen WM-Premiere. Überrascht war Priscah Jeptoo, die zuletzt mit ihrem Sieg in Paris auf sich aufmerksam gemacht hatte, über den zweiten Rang. "Ich hätte nie mit Silber gerechnet. Es ist unglaublich, aber es war nicht einfach", freute sich die 26-Jährige nach dem Kampf bei noch moderaten 25 Grad Celsius.

Komplettiert wurde der totale Erfolg durch Sharon Cherop. "Es ist ein großer Tag für Kenia", meinte sie. Schließlich ist es der erste Dreifach-Erfolg für ein Land im Marathon bei WM-Titelkämpfen und Olympischen Spielen - sowohl bei Frauen als auch Männern. Kenia hatte 2009 bei der WM in Berlin mit elf Medaillen, darunter vier goldenen in der Nationenwertung hinter den USA, Russland und Jamaika Rang vier belegt.

Über 10.000 Meter feierten sie in Daegu dann den zweiten Dreifach-Triumph. Weltmeisterin wurde Vivian Cheruiyot in 30:48,98 Minuten vor Sally Kipyego (30:50,04). Den dritten Platz erreichte Titelverteidigerin Linet Masai nach 30:53,59 Minuten. In der WM-Geschichte gelang über die 10.000-Meter-Distanz der Frauen zuvor nur Äthiopien in den Jahren 2001 und 2005 ein Dreifach-Erfolg bei Weltmeisterschaften. 

Freimuth muss verletzt aufgeben

In den anderen Disziplinen standen zunächst die Vorentscheidungen auf dem Programm und schon früh musste sich Zehnkämpfer Rico Freimuth aus dem Wettbewerb verabschieden. Der 23-Jährige aus Halle/Saale verletzte sich in Daegu beim Weitsprung und musste nach dem ersten Versuch des Kugelstoßens aufgeben.

"Rico hat sich beim letzten Versuch im Weitsprung das Knie ein bisschen verdreht. Dann hat er es beim Kugelstoßen noch einmal versucht. Da war aber keine Kraft mehr dahinter, das hat keinen Sinn mehr gemacht", sagte Zehnkampf-Bundestrainer Rainer Pottel.

Schon nach drei Fehlversuchen im Weitsprung war Freimuth, der Sohn des früheren DDR-Zehnkämpfers Uwe Freimuth, aus dem Rennen. "Er war offensichtlich übermotiviert", betonte DLV-Sportdirektor Thomas Kurschilgen. Freimuth fiel auf den letzten Platz im Feld der 30 Allrounder zurück, kämpfte aber tapfer weiter. Doch im Kugelstoßring ging dann nichts mehr.

"Das ist natürlich total frustrierend für Rico, wenn man sich so lange auf eine WM freut und vorbereitet. Vor allem sollte Daegu ja schon einen Vorgeschmack auf Olympia im nächsten Jahr bieten, er sollte da Erfahrungen sammeln. Schade", meinte Pottel.

Knobel stark - Hardee führt

Für Freimuth sprang Jan Felix Knobel in die Bresche - der Youngster aus Frankfurt/Main schlug sich zum Auftakt prächtig. Nach persönlichen Bestleistungen im Weitsprung (7,30 Meter) und im Kugelstoßen (16,06 Meter) war der 22-Jährige nach drei Disziplinen überraschend Fünfter. Sein Teamkollege Pascal Behrenbruch blieb auf Platz 17 dagegen zunächst hinter den Erwartungen zurück.

Die Spitze hatte nach dem Kugelstoßen erstmals Titelverteidiger Trey Hardee mit 2680 Punkten übernommen. Shooting-Star Ashton Eaton - für viele der Mann der Zukunft - lag aber nur 15 Zähler zurück. Im spannenden US-Duell dürften die besten Allrounder dieses Jahres den Titel wohl unter sich ausmachen. Gold und Silber im Zehnkampf für die USA - das gab es bei einer Weltmeisterschaft noch nie.

Bolt leicht und locker

Olympiasieger, Weltmeister und Weltrekordler Usain Bolt hat den ersten Auftritt mit Bravour bestanden. Leicht und locker lief der 25-jährige Jamaikaner in 10,10 Sekunden ins 100-Meter-Halbfinale. Auch seine Teamkameraden Yohan Blake und Nester Carter überstanden die erste WM-Hürde problemlos.

Der dreifache Europameister Christophe Lemaitre aus Frankreich gewann seinen Vorlauf in 10,14 Sekunden vor den Amerikaner Justin Gatlin, der sich mit 10,31 Sekunden nach vierjährigen Doping-Sperre zurückmeldete. Halbfinale und Finale stehen am Sonntag auf dem WM-Programm.

Müller ohne Probleme

Diskus-Medaillenhoffnung Nadine Müller hat derweil das Finale erreicht. Bereits mit dem ersten Wurf, der bei 65,54 Meter landete, übertraf die WM-Neunte von 2009 aus Halle an der Saale, die Qualifikationsweite um dreieinhalb Meter. "Das stimmt mich zuversichtlich für das Finale", sagte die Polizeiobermeisterin. "Mein Ziel ist ein Platz unter den ersten Sechs."

Nadine Müller ist mit großem Selbstbewusstsein nach Südkorea gereist, nachdem sie bei den Diamond-League-Meetings in Birmingham und Monte Carlo die Weltelite geschlagen hatte. "In diesem Jahr bin ich deutlich selbstbewusster und cooler", meinte die in der Weltjahresbestenliste mit 66,99 Metern hinter der Chinesin Li Yanfeng (67,98) auf Platz zwei stehende Deutsche.

Ein Küken im Finale

Die jüngste deutsche WM-Teilnehmerin, Gesa Felicitas Krause, ist in Daegu ebenfalls ins Finale über 3000 Meter Hindernis gerannt. In der persönlichen Bestzeit von 9:35,83 Minuten wurde die 19-jährige Abiturientin aus Frankfurt/Main Dritte des dritten Vorlaufs. "Für mich ist das etwas unheimlich Besonderes. Die letzten Meter waren beflügelnd", sagte Krause mit strahlenden Augen.

Unter 33 Starterinnen belegte die U20-Europameisterin den neunten Platz und darf nun am Dienstag den Endlauf bestreiten. "Mein Trainer hat gesagt: Finale ist das Ziel. Ich habe drüber nachgedacht und bin auch jemand, der das annimmt", sagte Krause. "Ich werde versuchen, meine Lockerheit zu bewahren und werde es einfach genießen."

Hooker scheitert - Mohr souverän

Erwischt hat es hingegen Steven Hooker. Der Australier scheiterte im Stabhochsprung nach drei ungültigen Versuchen über 5,50 Meter. Die deutsche Hoffnung Malte Mohr hatte hingegen keine Probleme, muss nach seinem Satz über 5,65 Meter die deutsche Fahne allerdings alleine hochhalten.

Denn Raphael Holzdeppe und Karsten Dilla schieden mit 5,50 beziehungsweise 5,35 Metern aus. Dagegen rutschte der Weltjahresbeste Pawel Wojciechowski aus Polen mit 5,50 Metern gerade noch ins Finale. Auch Europameister Renaud Lavillenie (Frankreich) kam weiter.

sportal.de / sportal

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