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Mehr Sport Rugby-WM Favoriten - Frankreich


Ohne seinen vielleicht bekanntesten Spieler reist Frankreich zur Rugby-WM nach Neuseeland. Trotzdem muss man Les Bleus mit zu den Favoriten zählen. Wir stellen Ihnen die Geschichte des Rugby-Sports in Frankreich vor.

Frankreich ist neben England das einzige europäische Team, das bei der Rugby-Weltmeisterschaft in Neuseeland realistische Chancen auf den Titelgewinn hat. Zweimal standen Les Bleus bereits in einem WM-Finale, gingen aber beide Male als Verlierer vom Platz. Wir stellen Ihnen die Geschichte des Rugby-Sports in Frankreich vor.

Nach Fußball ist Rugby der populärste Sport in Frankreich. Die Clubs der französischen Top 14-Liga kommen dabei vor allem aus dem Süden des Landes, wo Rugby der Nationalsport ist, während im Norden Fußball dominiert. Einzig Paris durchbricht mit den Teams Stade Francais und Racing Métro die südliche Dominanz.

Briten machen Rugby populär

Wie in so vielen anderen Ländern waren es auch in Frankreich die Briten, die Rugby populär machten. 1872 waren es britische Bürger, die den Club Le Havre Athletique gründeten, wo eine Mischung aus Fußball und Rugby gespielt wurde, das "combination" genannt wurde.

1877 gründeten englische Schneider den English Taylors RFC in Paris und ein Jahr später wurde der Paris Football Club ins Leben gerufen. Der Sport verbreitete sich zunächst vor allem im Bereich der Hauptstadt. Racing Club de France 1882 und Stade Francais 1883 waren die nächsten Vereinsgründungen.

Die erste offizielle Rugby-Meisterschaft wurde am 20. März 1892 in einem Spiel zwischen Racing und Stade Francais ausgetragen. Schiedsrichter dieser Begegnung war Pierre de Coubertin, der als Vater der modernen Olympische Spiele gilt und 1894 das Internationale Olympische Komitee gründete.

Erst 1920 Gründung des Rugby-Verbandes

Racing gewann 4:3, aber es sollte noch bis 1920 dauern, bis ein eigener Rugby-Verband gegründet wurde. Aber auch davor konnte die Nationalmannschaft erste internationale Erfolge feiern. 1900 setzte sich das Team bei den Olympischen Spielen in Paris gegen Deutschland und Großbritannien durch und holte die erste olympische Rugby-Goldmedaille der Geschichte.

1905 spielte Frankreich zum ersten Mal gegen England und 1910 wurde aus der Home Nations Championship mit der regelmäßigen Teilnahme der Franzosen die Five Nations. 1920 war Rugby wieder olympisch, doch diesmal musste Frankreich im Finale eine der überraschendsten Niederlagen der Rugby-Historie hinnehmen und unterlag den USA mit 0:8.

Auch 1924, den vorerst letzten Olympischen Spielen, bei denen Rugby gespielt wurde, bis es 2016 in Rio de Janeiro sein Comeback feiern wird, nahm Frankreich teil, aber wiederum hieß der Sieger USA. Doch der Sport musste in Frankreich bald erste Rückschläge hinnehmen.

Ausschluss aus den Five Nations

1932 wurde das Team bis 1947 aus den Five Nations ausgeschlossen. Als Gründe wurden zunehmende Gewalt und verkappter Professionalismus genannt. So wurde Rugby League in Frankreich immer populärer und immer mehr Spieler wechselten zur professionellen Variante des Sports. Rugby Union hätte vielleicht vollkommen in der Versenkung verschwinden können, hätte die Vichy-Regierung 1941 nicht alle Rugby-League-Spiele verboten, da sie die Rugby League als vom Sozialismus unterwandert ansah.

Dadurch konnte Rugby Union seine Vormachtstellung zurückgewinnen und auch nach dem Krieg, als Rugby League wieder erlaubt wurde, weiter ausbauen. Es sollte aber noch bis 1978 dauern, bis Frankreich dem Weltverband International Rugby Board beitrat.

1954 gewann das Team erstmals die Five Nations (gemeinsam mit England und Wales) und zudem gelang der erste Erfolg über die All Blacks (3:0). 1958 gilt als der Wendepunkt im französischen Rugby. Bei seiner ersten Tour durch Südafrika gelang dem Team sogleich ein Remis (3:3) gegen die Springboks und in der nächsten Partie sogar überraschend ein 9:5-Sieg - die Franzosen hatten sich endgültig in der Weltspitze etabliert.

Hochphase in den 60ern und 70ern

1959 stand Les Tricolores erstmals als alleiniger Sieger des Five Nations fest. Seitdem konnte die Mannschaft das Turnier insgesamt 25 Mal gewinnen und dabei gelangen ihr neun Grand Slams, bei denen sie alle Spiele des Turniers für sich entscheiden konnte. Vor allem die 60er und 70er Jahre sahen ein starkes französisches Team, das in dieser Zeit achtmal das Five Nations gewinnen konnte.

Der französische Verband war eine treibende Kraft hinter der Etablierung einer Rugby-Weltmeisterschaft - im Gegensatz zu den britischen Verbänden - und bei den Titelkämpfen gehört das Team regelmäßig zu den Titelfavoriten.

Bisher fehlt zwar noch der endgültige Triumph, aber wie bereits anfangs erwähnt, konnte das Team zweimal das Finale erreichen und kam bis auf 1991 (Viertelfinal-Aus gegen England) immer unter den besten Vier der WM.

Mit vielen Fragezeichen nach Neuseeland

Für dieses Jahr sieht es aber nicht ganz so rosig aus. Bei den Six Nations wurde zwar der zweite Platz erreicht, aber mit zwei Niederlagen, dabei eine sensationelle Pleite in Italien, wurde das Turnier trotzdem zu einer Enttäuschung.

Nach dieser Blamage stand ein großer Umbruch im Team an. Einige namhafte Namen wurden aus dem WM-Kader gestrichen. So auch der vielleicht prominenteste französische Spieler Sébastien Chabal - unter seinem Spitznamen "Caveman" weltbekannt - der die WM nun als Kommentator für das französische Fernsehen begleiten wird.

Der erste Test nach der Six Nations-Blamage endete mit einem vor allem in der ersten Halbzeit überzeugenden 19:12 über Irland und so könnte Frankreich vielleicht doch gerüstet sein, um eine gute Rolle bei der WM in Neuseeland zu spielen.

Henning Schulz

sportal.de sportal

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