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Mehr Sport Snooker - China gewinnt den Team World Cup


War das eine Woche. China hat erstmals in der Geschichte den Snooker Team World Cup gewonnen und das neu belebte Format hat sich als Volltreffer erwiesen. War das Niveau gerade in den Anfangstagen noch überschaubar, fanden die Teams im Laufe der Zeit zueinander, wie der Respotted-Blog beobachtete.

War das eine Woche. China hat erstmals in der Geschichte den Snooker Team World Cup gewonnen und das neu belebte Format hat sich als Volltreffer erwiesen. War das Niveau gerade in den Anfangstagen noch überschaubar, fanden die Teams im Laufe der Zeit zueinander, wie der Respotted-Blog beobachtete.

Wo soll man bei so vielen Matches anfangen, worauf soll man den Fokus legen? Beginnen wir doch einmal mit dem deutschen Team um Patrick Einsle und Lasse Münstermann. In einer Gruppe mit Irland, Wales, Pakistan und Ägypten war der Einzug in das Viertelfinale fast schon Utopie, gerade weil die Waliser Matthew Stevens und Mark Williams in ihren Reihen hatten.

Aber auch bei den Iren gab es eine große Portion Snooker-Können zu bewundern. Denn Ken Doherty und Fergal O´Brien sind alles andere als Leichtgewichte. Dennoch holten die Deutschen gegen beide Team zusammen vier von möglichen zehn Frames. Einzig die Auftaktniederlage gegen Ägypten schmerzte und verhinderte am Ende den durchaus möglich gewordenen Spung unter die letzten Acht.

Sei es drum, beide Spieler haben sich ausgezeichnet präsentiert und haben meiner Meinung nach durchaus das Zeug für die Main Tour. Natürlich ist bei der Einschätzung Vorsicht geboten, denn wie ein Match über eine größere Distanz läuft, ist anhand dieser Momentaufnahme natürlich schwer zu sagen. Aber trotzdem ziehe ich meinen Hut, den ich wirklich fast immer aufhabe, vor ihnen.

Barry Hearn als Lebensretter

Schade war natürlich der etwas spärliche Zuspruch in Bangkok, denn die Arenen blieben oft leer und hie und da fanden sich gerade mal eine handvoll Zuschauer ein. Sicherlich fehlt es ein wenig an Klasse, wenn Pakistan auf Ägypten trifft, doch zog sich dies auch bei Matches durch, in denen die Profis am Tisch standen.

Dennoch ist die Neubelebung dieses Formats durch Barry Hearn goldrichtig und auch Mark Williams hat sich gegenüber World Snooker sehr positiv geäußert: "Barry wäre ja fast nicht gewählt worden und wenn man sich ansieht, was in den letzten zwölf Monaten passiert ist, wäre das eine wahre Farce gewesen", so die Welsh Potting Machine. "Vielleicht gäbe es das Spiel nicht mehr. Dann würden wir hier in Thailand sitzen und Urlaub machen. Nun ist es eben kein britischer Sport mehr, sondern eine weltweite Geschichte."

Genau so sehe ich das auch. Und es war doch wirklich ein Erlebnis, Tony Drago mal wieder in Aktion zu sehen. In den Gruppenspielen hat der Mann aus Malta immerhin Neil Robertson und Ding Junhui in den Einzeln besiegt. Etwas enttäuscht war ich ja von den Schotten die neben Wales als großer Favorit auf den Titel galten - mit John Higgins und Stephen Maguire. Doch beide Spieler fanden überhaupt nicht zu ihrem Spiel, wobei sie ihre Gruppe natürlich klar gewannen.

China steigert sich - Liang Wenbo ohne Fliege

Am Ende waren es die Chinesen, die in der Gruppenphase nicht unbedingt überzeugten, sich dann aber in den K.O.-Runden deutlich steigerten. Sie waren es auch, die für einen kleinen Eklat sorgten. Denn im Viertelfinale, beim 4:1-Sieg gegen die Iren, spielte Liang Wenbo ohne Fliege. Das sorgte bei Ken Doherty für mächtigen Ärger.

"Liang hat ohne Fliege gespielt und damit die Dresscode-Regeln verletzt", erklärte der BBC-Kommentator in Teilzeit. "Der Schiedsrichter hat es erst nicht gemerkt und im Endeffekt wird er nur ermahnt. Dabei hätte er ihm den Frame aberkennen müssen. Wenn man bei solch einem großen Turnier spielt, kann jede Kleinigkeit den Unterschied ausmachen."

Liang Wenbo wird nun nur verwarnt und bekommt eine Geldstrafe aufbebrummt. Aber der Ärger von Doherty ist irgendwo zu verstehen, denn so eine Fliege ist im Nacken schon ein wenig störend. Ich hätte, so wie Mark Williams, eine andere Lösung bevorzugt: "Ich gehöre zu den Spielern, die denken, wir könnten auch sehr gut auf die Fliege verzichten. Aber ich verstehe nicht, wie man ein solche Strafe fordern kann. Der Schiedsrichter hätte ihn auffordern müssen, eine umzubinden und fertig."

Immerhin ein Nordire gewinnt

Im Endeffekt haben die Chinesen verdient gewonnen, da sie danach auch Wales klar mit 4:1 bezwangen und im Finale gegen die Nordiren um Mark Allen und Gerard Greene auf dem besten Weg waren, ein 4:0 zu erspielen. Doch ein Century von Greene und ein weiterer starker Frame von Allen sorgten nochmals für Spannung. Ein erfolgreiches Doppel sorgte dann für die 4:2-Entscheidung.

"Bei der letzten Auflage des World Cups war ich neun Jahre alt", erklärte Ding bei World Snooker. "Ich hatte gerade erst angefangen zu spielen und bin jetzt natürlich sehr stolz. Wir haben beide sehr gut gespielt." Das musste auch Allen anerkennen: "Sie haben heute besser gespielt und es damit auch verdient, den Titel zu gewinnen. Es ist nur ein wenig enttäuschend, denn ohne einen Fehler zu machen, lagen wir auf einmal mit 0:2 hinten."

Immerhin hat mit Darren Clarke ein Nordie die Open im Golf gewonnen, worüber sich Allen kurze Zeit später schon wieder richtig freuen durfte. Richtig, das war das Turnier, bei dem Shaun Murphy sich bei der Qualifikation als Caddie probierte. Murphy war ja nicht beim World Cup dabei, da Ali Carter und Mark Selby als besser platzierte Spieler für England starteten und im Viertelfinale ein wenig überraschend gegen Hongkong ausschieden.

Mit dem Kanu durch den Pazifik

Da würde es mich nun ja interessieren, wie Ihr das Turnier verfolgt habt, was Euch gefallen hat und ob das Format eine Zukunft hat - lasst es mich wissen. Wobei es ja kaum Zeit gibt, groß drüber nachzudenken. Denn während Ihr diese Kolumne lest, sind die Australian Open fast schon in vollem Gange. Leider fehlen dabei Ronnie O'Sullivan und Graeme Dott. Beide Spieler haben sich eine Verletzung am Nacken zugezogen. Während Dott gleich in der Heimat blieb, drehte O'Sullivan um, nachdem er in Thailand zwischengelandet war.

Das ist natürlich sehr schade, trotzdem sind eine Menge Top Spieler dabei, wenn es erstmals in Down Under ein Weltranglistenturnier zu erleben gibt. Was das zeittechnisch für uns bedeutet: Bendigo ist acht Stunden vor, ergo werden wir Nachtschichten einlegen müssen, um die Spiele zu sehen. Denn so gegen 20 Uhr fangen die Spiele erst an.

Aber was tut man nicht alles, um seinen Sport zu verfolgen? Jan Verhaas, der natürlich als Schiedsrichter fungieren wird, hatte gleich mal eine Anreise von etwa 38 Stunden zu bewältigen. Während er es geschafft hat, blieb sein Gepäck auf der Strecke. Mal sehen, wie er seine ersten Matches absolviert - hoffentlich nicht ohne Fliege. Ansonsten hat er scheinbar eine Menge Zeit, um sich Blödsinn anzusehen. So fordert er via twitter dazu auf, bei Google Maps die Route von China in die USA zu betrachten - Punkt 81.

Das war es auch schon für diese Woche und mit großer Spannung werde ich die Australian Open verfolgen. Kann Neil Robertson in seiner Heimat den Titel holen? Wird John Higgins sein Formtief überwinden? Werde ich es schaffen, meinen Rhythmus anzupassen? Viele Fragen, deren Antwort es nächste Woche zu lesen gibt.

Einen schönen Start in die Woche und besten Dank für die Aufmerksamkeit!

Gunnar Beuth

sportal.de sportal

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