NBA Finals Sieg der Helden aus der zweiten Reihe


Im ersten Finalspiel der NBA spielte einer der Kleinsten, Jason Terry von den Mavericks, einen der Größten, Shaq O'Neal von Miami, glatt an die Wand: Dallas siegte mit zehn Punkten. Ach ja, Dirk war mit von der Partie. Irgendwie.
Von Helmut Werb, Los Angeles

Das kann ja gut werden. Die erste Begegnung der NBA Finals zwischen Dirk Nowitzkis Mavericks und den Miami Heat von Shaquille O'Neal konnte selbst in groben Umgang gewohnten Kreisen als regelrechter Schlagabtausch durchgehen. Es dauerte gerade einmal fünf Minuten, da landete Shaqs enormer Ellenbogen unzart auf Dirks Backe, und zwei Minuten vor der Halbzeitpause verpasste der gewichtige Miami-Riese Jerry Stackhouse von den Mavs eine blutige Nase. Die Extremitäten des Eineinhalb-Zentner-Centers aus Miami blieben allerdings seine beste Waffe.

Die 1b-Stars entschieden das Spiel

Während sich vor Beginn der Begegnung alle Aufmerksamkeit auf die beiden Superstars der Teams konzentrierte - auf den Ex-Würzburger Dirk Nowitzki bei den Dallas Mavericks und Shaquille O'Neal bei den Miami Heat -, entschieden die 1b-Stars der Teams das Spiel. Miamis Dwyane Wade spielte mit 13 Punkten ein sensationelles erstes Viertel, aber ausgerechnet einer der kleinsten Spieler, der nur 1,89 Meter große Jason Terry der Mavs, riss das Spiel mit 32 Punkten herum.

"Das war nicht unbedingt Dirks bestes Spiel", untertrieb Dallas-Trainer Avery Johnson nach dem Match, in dem Nowitzki mit insgesamt 16 Punkten nicht gerade als teutonische Offensivwaffe glänzte. "Heute haben sie mich ziemlich am Boden gehalten", knurrte Nowitzki über Miamis Defense. Aber während Nowitzki danach die Verteidiger in Doppelteams auf sich zog und sich zumindest zeitweise mit zehn Rebounds und drei Steals in die Verteidigung zurückzog, verschwand O'Neal fast gänzlich in der Versenkung. Ganze viermal gaben seine Mitspielern in der zweiten Hälfte ihrem "Big Man" die Möglichkeit, einen Korb zu erzielen.

Mehr Krampf als Kampf

Von wegen "Shaq Attack"! Aber vielleicht rächte sich auch nur Shaqs Bemerkung über seinen Bewacher Erick Dampier, den Shaq in einem Interview als "einen hervorragenden Spieler für die WNBA" (die Profi-Frauen-Liga der NBA) qualifizierte, und der ihm dann prompt zeigte, wo's in Dallas langgeht.

Finalspiele sind - egal in welcher Sportart - selten eine Augenweide. Und das erste Match zwischen zwei Teams, die in ihrer Geschichte noch nie die Endspielserie erreicht hatten, war erwartungsgemäß keine Ausnahme. "Es war halt ein harter Kampf", kommentierte Miami-Coach Pat Riley.

Die Mavs drehten im zweiten Viertel auf

Recht hat der alte Mann. Im ersten Viertel dominierte Miami, doch im zweiten besannen sich die Mavericks auf die Weisheit, dass Spiele nur dann zu gewinnen sind, wenn der Gegner weniger Punkte erzielt als das eigene Team, und begannen endlich mit jener ernsthaften Defensivarbeit, die man von Anfang an von ihnen erwartet hatte. Sie holten einen Elf-Punkte Rückstand auf, und Nowitzkis sensationeller Wurf genau zum Abpfiff der ersten Hälfte garantierte einen Zwei-Punkte Vorsprung. Miami kam im dritten Viertel wieder auf und glich nach sechs Minuten mit 56:56 aus, aber dann besann sich Nowitzki auf seine Offensivqualitäten und brachte die Mavs mit zwei Drei-Punkte-Würfen hintereinander wieder auf Trab. Jason Terry legte noch ein paar Brikettchen zu und spielte Miamis miserable Verteidigung schwindelig. Im vierten Viertel übernahmen die Heats dann nur noch die Rolle von willigen Statisten, vergaßen ihren Spielplan und ignorierten Shaquille O'Neal in der Mitte.

Doch das Endergebnis von 90:80 für die Mavs täuscht eine zu deutliche Überlegenheit vor. Vor allem die erschreckende Schwäche Miamis, Freiwürfe zu verwandeln, kostete das Team den Sieg. Shaqs Freiwurf-Schwäche gilt selbst unter Freunden als sein Markenzeichen, aber one-out-of-nine dürfte einen persönlichen Minus-Rekord für den Freizeit-Rapper und Hobby-Filmstar bedeuten. Ganze sieben von 19 Freiwürfen konnten die Heat in Punkte umsetzen. Ein paar mehr, und das Spiel hätte kippen können.

Das zweite Match am Sonntag in Dallas dürfte also spannend werden. Nowitzki scheint sich ab und zu mal ein Päuschen zu gönnen (wie im berüchtigten Ausscheidungsspiel fünf gegen die Phoenix Suns), um im nächsten Spiel seine Gegner in einem Gewaltausbruch niederzuwalzen. Und wenn Shaqs Team-Genossen mal wieder Lust darauf haben, ihren gewaltigen Center unterm Korb zu bedienen, kann noch einiges passieren. "Tja, eigentlich ist der Mann ja nicht zu stoppen", wunderte sich DeSagana Diop von den Mavs. Wie gesagt, das kann noch gut werden.


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