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Enes Kanter: "Täglich hunderte Morddrohungen": NBA-Star und Erdogan-Kritiker fürchtet um sein Leben

Als Sportler hat Enes Kanter viel erreicht. Der 26-Jährige holt für die New York Knicks Punkte in der US-Basketballliga NBA. Außerhalb der USA fürchtet er indes um sein Leben - wegen seiner Kritik am türkischen Präsidenten Erdogan.

Enes Kanter spielt bei den New York Knicks

Enes Kanter spielt bei den New York Knicks

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Enes Kanter hat es geschafft: In Zürich als Kind türkischer Eltern geboren, spielte das Basketball-Talent sich bereits als Jugendlicher in die türkische Liga, bevor er für die Karriere an US-Highschools wechselte. Seit 2011 spielt er nun in der amerikanischen Profiliga NBA - der wichtigsten Basketball-Liga der Welt. Doch die türkische Heimat verfolgt ihn weiter: Weil er Präsident Erdogan kritisiert, erhält Kanter täglich Morddrohungen.

Das verriet er in der aktuellen Ausgabe der "Bild am Sonntag". Grund sei sein Einsatz für die Erdogan-kritische Gülen-Bewegung. Sein politischer Einsatz habe begonnen, als er am Abend des Putsch-Versuches im Haus von Fetullah Gülen in Pennsylvania verbracht habe. Dort hätte er den Schock über die Militäraktion mitbekommen, die Erdogan Gülen zuschreiben ließ. "In dieser Nacht begann ich mehr und mehr, öffentlich über die Situation in der Türkei zu sprechen", sagt er der Zeitung.

Jeden Tag neue Todesdrohungen

Das blieb nicht ohne Folgen. Erdogan-Anhänger haben den Center der New York Knicks ins Visier genommen, bombardieren ihn regelrecht mit Todesdrohungen. Alleine in den letzten Tagen sollen es Hunderte täglich gewesen sein. "Der Sicherheitschef der Knicks  bat mich, ihm einen Screenshot von jeder einzelnen Drohung zu schicken. Aber es ist einfach zu viel."

Außerhalb der USA fürchte er deshalb um seine Sicherheit, an einem Freundschaftsspiel in London nahm er daher nicht Teil. "Ich riskiere nicht mein Leben, um nach Europa zu gehen, wenn Erdogans langer Arm überall zuschlägt", begründet er seine Entscheidung. In den USA fühle er sich sicher, obwohl in auch dort stets Freunde oder Sicherheitsleute begleiten würden.

Hausdurchsuchung und Staatenlosigkeit

Welche Folgen die Kritik am türkischen Präsidenten haben kann, hat Kanter bereits konkret erlebt. Sein Haus in der Türkei wurde durchsucht, sämtliche Computer und Smartphones beschlagnahmt. Zudem wurde Kanter die Staatsbürgerschaft entzogen, seit 2017 ist er staatenlos. Seine Familie hat er seit Jahren nicht gesehen, seinem Vater drohen nach Kanters Angaben trotzdem 15 Jahre Haft wegen der politischen Äußerungen seines Sohnes. 

Trotzdem will Kanter nicht schweigen. Ein Foto mit Erdogan, wie es der deutsche Fußball-Nationalspieler Mesut Özil unter viel Kritik hatte machen lassen, werde es mit ihm nicht geben, erklärte er der "BamS". Trotzdem hofft er, irgendwann nach Hause zu können. "Ich liebe die Türkei. Die Türkei könnte die perfekte Brücke zwischen dem Westen und dem modernen Islam sein. Aber das ist unter dieser Regierung nicht möglich. Eines Tages werde ich wiederkommen, aber es wird dauern."

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