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NBA-Triumph für Dallas Mavericks: Dirk "Dirkules" Nowitzki weinte vor Glück

Endlich! Nach dreizehn Jahren räumt Dirk Nowitzki den Titel in der US-Basketball-Profiliga NBA ab. Außerdem wird er zum besten Spieler gewählt.

Von Frank Siering

Am Schluss wollte er nur noch allein sein. Kaum dröhnte die Sirene im sechsten Play-off-Spiel der NBA-Finals, da flüchtete der beste Spieler der Finalserie in die Katakomben der Miami Airlines Arena.

Dirk Nowitzki wischte sich eine Träne aus den Augen, als ihn die Kameras auf dem langen Weg zur Kabine erspähten. Später, kurz nach der Siegerehrung, ließ er einen Blick in seine Gefühlswelt zu: "Ich war einfach zu überwältigt. Ich wollte diesen Moment für einige Minuten in aller Ruhe genießen. Ich kann das alles noch gar nicht fassen."

Die Dallas Mavericks haben es geschafft. Mit 105:95 besiegten sie den Angstgegner Miami. Jenes Team, das sie in der Finalserie 2006 noch in sechs Spielen gedemütigt hatte.

"Ich bin sein größter Fan"

Den Triumph, das bestätigte auch Mavericks-Besitzer Mark Cuban, haben sie ihrem deutschen Kapitän aus Würzburg zu verdanken. "Dirk ist eine Klasse für sich. Ich habe daran niemals gezweifelt. Ich bin sein größter Fan", so ein schweißgebadeter Cuban.

Nowitzki selbst zeigte sich sympathisch bescheiden nach dem Sieg und wollte trotz der Auszeichnung als MVP (Most Valuable Player) den Lorbeer nicht allein einsacken: "Wir haben immer an uns geglaubt. Diese Mannschaft ist einfach unfassbar. Die Kameradschaft im Team hat uns zu diesem Titel getragen."

Tatsächlich hatte der sonst so treffsichere "Dirkules" in den ersten drei Vierteln dieser dramatischen Begegnung seine Probleme mit der Treffsicherheit. Von den ersten zwölf Würfen landete nur einer im Korb. "Gott sei Dank waren meine Mannschaftskollegen zur Stelle", so Nowitzki, der am Ende noch auf 21 Punkte kam. Vor allem der quirlige Jason Terry half den Mavericks zu einer Zwei-Punkte-Führung zur Halbzeit (53:51).

Sie nennen ihn "NOWitzki"

Die Gastgeber von den Miami Heat agierten zerfahren, unkonzentriert und hektisch. Sie kamen offenbar mit dem Druck im sechsten Spiel der Finalserie nicht zurecht, in dem sie unbedingt einen Heimsieg benötigt hätten. Nur vor der Begegnung hatten die Miami-Stars LeBron James und Dwayne Wade noch Spaß. Sie hatten sich über Dirk Nowitzki und dessen in der Vergangenheit oftmals kritisierte "softe Seite" lustig gemacht. Der Deutsche trocken: "Ich fand das ein bisschen albern und kindisch." Punkt, Ende der Diskussion.

Die Antwort zeigte "NOWitzki" dann im letzten Viertel auf dem Platz. Da bewegte er sich wieder besser, da saß der Sprungwurf plötzlich. Das Resultat: zehn Punkte im letzten Abschnitt.

"Wir haben immer an uns geglaubt, auch wenn wir mal wieder ganz unten waren. Wir haben einfach immer weitergespielt. Jetzt sind wir Champions. Und für ein Jahr lang kann uns das keiner mehr nehmen", so ein erschöpfter aber glücklicher Nowitzki nach dem Finalsieg.

So ein bisschen Würzburg

Zwölf Jahre lang hatte er es sich immer wieder anhören müssen: "Du bist zu weich, Du kannst keine Championships gewinnen." Am Abend des 12. Juni 2011 nun in der schwülen Wärme von Florida bewies der 32-Jährige, dass er sehr wohl ein Champion sein kann.

Und was für einer, lobte auch Team-Kollege Jason Kidd im Anschluss an das Spiel. "Dirk ist nicht nur der netteste Typ, den Du treffen kannst, er ist auch ein absolutes Arbeitspferd, das niemals aufgibt. Und genau diesem Siegeswillen haben wir es zu verdanken, dass wir jetzt ganz oben auf dem Treppchen stehen", so Kidd.

Die anschließende Ehrung als MVP, als bester Spieler der NBA-Finalserie, war dann nur noch das Sahnehäubchen für Nowitzki. "Na klar freue ich mich darüber. Aber wir haben diesen Titel als Mannschaft gewonnen. Daran wird auch diese Trophäe nichts ändern."

Und irgendwie passt das Statement zu einem wie Dirk Nowitzki. Auch im Moment des größten Erfolgs seiner sportlichen Laufbahn zeigt er sich zurückhaltend und bescheiden. Dirkules ist der Herkules von Dallas. Und irgendwie doch auch so ein bisschen von Würzburg.

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