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Olympische Winterspiele: Wer in Sotschi aufs Klo will, sollte gesellig sein

WC-Besucher lesen bei längeren Sitzungen gern Zeitung gegen die Langweile. Den Sportlern in Sotschi bieten sich da ganz andere Möglichkeiten. Sie können beim Stuhlgang mit anderen Athleten klönen.

Von Marc Drewello

Wissen Sie, was eine Geräuschprinzessin ist? Das ist ein elektronisches Gerät, welches - per Knopfdruck oder Sensor aktiviert - den Klang einer Toilettenspülung wiedergibt. Man findet es auf fast allen öffentlichen Bedürfnisanstalten Japans. Hintergrund der Apparate ist die Furcht japanischer Frauen, man könne außerhalb der Kabine hören, was sie innerhalb so für Geräusche produzieren, wenn sie ihr Geschäft verrichten.

Solcherlei Schamhaftigkeit ist den Menschen in Russland offenbar völlig fremd. Im Gegenteil: Die russische Geselligkeit macht auch vor dem Stuhlgang nicht halt. Das legt jedenfall ein Foto nahe, welches der BBC-Korrespondent Steve Rosenberg auf Twitter gepostet hat. Dem Briten zufolge zeigt es eine Männertoilette in einer Olympiastätte in Sotschi.

Der Lokus im Biathlon-Zentrum von Sotschi wurde offenbar frei nach dem russischen Sprichwort gebaut: "Einer allein ist auf dem Schlachtfeld kein Kämpfer".

Rosenbergs Foto sorgt für einige Aufregung im Internet. Der russische Oppositionsführer Alexej Nawalny rätselte laut BBC auf Twitter angesichts des Doppel-Klos, wofür denn die mehr als 37,5 Milliarden Euro ausgegeben wurden, die der Wintersport unter Palmen kostet. Ein anderer Twitterer bemerkte, dass sich in der Doppelkabine nur ein Papierspender auf der rechten Seite befindet und warnte: "Vor dem Hinsetzen Toilettenpapier abreißen!".

Einige User fanden das Bild offenbar so bizzar, dass sie eine Fälschung vermuteten. Rosenberg postete es daraufhin ein weiteres Mal und dementierte dabei jegliche Photoshop-Trickserei mit dem Hinweis, dass auf der Spülung sein Spiegelbild zu sehen sei.

Welche Folgen der WC-Wirbel von Sotschi für die Winterspiele hat, ist noch nicht absehbar. Absagen verängstigter japanischer Athletinnen sind bislang nicht beim Olympischen Kommitee eingegangen. Allen Sportlern, die noch grübeln, ob ihnen der Gewinn einer Medaille den Verlust ihrer Intimsphäre wert ist, sei gesagt: Es könnte noch schlimmer kommen - wie ein Foto von einer Sportveranstaltung in der russischen Stadt Kasan im vergangenen Jahr zeigt, das Rosenberg ebenfalls gepostet hat:

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