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RADSPORT: Doping: Ermittlungen gegen Team Telekom?

Die Doping-Razzia beim Giro d¿Italia schlägt immer größere Wellen. Auch das Team Telekom gerät dabei wahrscheinlich ins Visier der Doping-Fahnder.

Die Doping-Razzia beim Giro d¿Italia schlägt immer größere Wellen. Rad-Profi Dario Frigo hat in einem Verhör offensichtlich ausgepackt, streitet aber ab, jemals unerlaubte Medikamente genommen zu haben. Der als Zweitplatzierter des 84. Giro d'Italia nach Dopingmittel-Funden aus dem Rennen genommene Fahrer erklärte auf einer Pressekonferenz: »Ich habe nie gedopt und habe auch keine Namen von Fahrer-Kollegen genannt. Es war eine Schwäche von mir, die Medikamente bei mir zu haben - ich wollte sie nie benutzen«.

Telekom rechnet mit Ermittlungen

Gestern musste Frigo vor der Anti-Doping-Kommission des italienischen Nationalen Olympischen Komitees (Coni) aussagen. Danach sprach deren Präsident Giacomo Aiello von ermutigenden Zeichen und einer möglichen »neuen Ära im Radsport«. Beim Team Telekom wird nach Worten des Team-Sprechers Olaf Ludwig mit der Mitteilung der Staatsanwalt Florenz über die Aufnahme von Ermittlungen gerechnet, weil bei der Giro-Razzia Coffein-Tabletten (des Mannschaftsarztes Lothar Heinrich) und kortekoidhaltige Anti-Asthma-Mittel sicher gestellt wurden.

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Nach dem Giro d¿Italia:

stern.de: Giro-Doping: Nur zwei von zwanzig Teams »sauber«

stern.de: Doping: Jetzt beginnt der Gerichts-Giro

stern.de: »Hemassist würde Jan nie nehmen - er lebt zu gerne«

stern.de: Doping-Fund bei Dario Frigo

stern.de: »High« über die Alpen

stern.de: Giro-Chaos: Polizei-Razzia stoppt Etappe

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Bei Frigo war bei der groß angelegten Razzia in San Remo in der Nacht zum vergangenen Freitag ein synthetisches Blut-Präparat (»Hemassist«) gefunden worden, das wegen hoher gesundheitlicher Risiken nicht auf den Markt kam. Frigo, der in dieser Saison die Tour de Romandie gewann meinte dazu: »Ich kann nicht sagen, welche Substanz in meinem Koffer war. So wie ich mich beim Giro fühlte, wäre sie bis Mailand im Koffer geblieben.«

Acht Stunden verhört

Am Dienstag war Frigo bei seinem Anwalt insgesamt acht Stunden verhört worden. Danach hatte Aiello erklärt: »In meiner langjährigen Arbeit habe ich mit einem Sportler noch nie ein so offenes Gespräch geführt. Ich hoffe, Frigos Beispiel werden viele Fahrer folgen, und das könnte der Anfang einer neuen Ära im Radsport sein. Die Zeit ist gekommen, den Radsport endlich vom Doping zu befreien.«

Rennverbot in Italien

Frigos mögliche Preisgabe der Dealer und Hintermänner der illegalen Medikamenten-Beschaffung werden laut Aiello auch beim Strafmaß gegen den Profi berücksichtigt. »Ich bin erleichtert, eine große Last ist von mir genommen«, hatte Frigo am Dienstag gesagt. Giancarlo Ceruti, der Präsident des italienischen Radsportverbandes, hatte ihn aufgefordert: »Nenne die Dealer!« Unterdessen wurde bekannt, dass der Verband der Coni-Empfehlung für einen vorläufigen Wettkampf-Stopp nachkommen wird. Über Italien wird ein einmonatiges Rennverbot für alle Radsportler verhängt werden.

Laut zuständiger Staatsanwaltschaft in Florenz werde gegen 86 Personen, 50 bis 60 davon Fahrer, ermittelt. Das sei das Ergebnis der Auswertungen der Razzia-Funde von San Remo. Nur zwei von 20 am Giro beteiligten Teams seien demnach »sauber«. Die entsprechenden Fahrer, Betreuer und Ärzte, gegen die ermittelt wird, werden in den kommenden Tagen von der Staatsanwaltschaft den »Aviso di Garanzia« zugestellt bekommen. Telekom hat laut Ludwig noch keine Post aus Florenz erhalten. »Uns ist klar, dass wir nicht unter den zwei Teams sind, bei denen nichts gefunden wurde«, sagte der Ex-Profi.

Coffein-Tabletten

Teamarzt Heinrich hatte nach der Razzia von San Remo erklärt, dass aus seinem persönlichen Gepäck Coffein-Tabletten und auch Kortekoide, die auf der Doping-Liste stehen, konfisziert worden seien. Der Mediziner hatte der dpa erklärt, dass beispielsweise Jan Ullrich und Kevin Livingston wegen Asthmas mit Kortekoid-Inhalationen behandelt worden seien, wofür dem Weltverband UCI ärztliche Atteste vorlägen. Unter diesen Umständen ist der Einsatz von Kortekoiden gestattet. Ludwig: »Das steht bei beiden seit einiger Zeit im Gesundheitspass.«

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