RADSPORT Udo Bölts der Tour-Opa


Udo Bölts ist auf Rekordjagd. Allerdings ist es nicht sein Ziel, die Tour de France zu gewinnen. Da macht sich der erfahrene Telekom-Recke gar keine Illusionen.

Udo Bölts ist auf Rekordjagd. Allerdings ist es nicht sein Ziel, die Tour de France zu gewinnen. Da macht sich der erfahrene Telekom-Recke gar keine Illusionen. Am Samstag nimmt der Triathlon gestählte Telekom-Routinier seine zehnte Tour de France in Angriff. So oft hat sich noch nie ein deutscher Radprofi dem Leiden gestellt. Neun Mal ist Bölts bisher angetreten, neun Mal ist er durchgefahren. Auch diesmal, wenn er bei seinem zehnten Tour- Start Rolf Wolfshohl (neun Teilnahmen/sieben Mal durchgefahren) überholt, besteht kein Zweifel, dass es der 34-Jährige wieder bis Paris schafft. Bölts, für aufopferungsvolle Helferdienste bis zur Selbstverleugnung bekannt, hat in Frankreich zwei Ziele: »Durchfahren und, dass es am Ende heißt: Udo hat gut gearbeitet«.

»Quäl dich, Du Sau«

Der eisenharte Heltersberger, der 1997 mit seiner an einen schwächelnden Jan Ullrich gerichteten Anfeuerung: »Quäl dich, Du Sau« mehr Schlagzeilen machte als mit seiner bisher besten Tour- Platzierung (Neunter 1994), ist Realist: »Es wird wohl meine letzte

stern.de-Spezial: Tour de France

Tour sein. Schon die letzten zwei Jahre war es sehr schwer, ins Team zu kommen, und ich werde auch nicht jünger». Auch diesmal fiel die Entscheidung um den neunten Platz im Team zwischen ihm und Rolf Aldag. Einen Tag vor Ende der Tour de Suisse erfuhr der «Tour-Opa» von seinem Zuschlag. Seine besondere Qualität - Team-Manager Walter Godefroot: «Der Udo geht nie kaputt» - hat wieder den Ausschlag für den Tour-Start gegeben.

Nicht nur geben

Im Rückblick war »die erste Tour die Schönste, als ich mich mit 24 zum ersten Mal auf die Champs Elysees setzte, als ich alles überstanden hatte«. Bölts verhalf 1996 (Bjarne Riis) und 1997 (Ullrich) zwei Mannschafts-Kapitänen zum Gelben Trikot. An sich selber dachte er dabei nie, trotzdem ist er zu Recht stolz auf seinen dritten Platz auf der Prestige trächtigen Etappe nach L'Alpe d'Huez, die 1994 Roberto Conti aus Italien gewonnen hatte. Außerhalb der Tour bewies Bölts in seiner bisher fast 13-jährigen Karriere, dass er zum Siegfahrer taugt: Der Gewinn der Königsetappe beim Giro (1992) und bei der Deutschland-Tour (2000), sein Erfolg im Weltcup-Rennen in San Sebastian (1996) und sein Gesamtsieg bei der Dauphine Libere- Rundfahrt (1997) sind nur einige Beweise dafür, dass er nicht nur geben, sondern auch nehmen kann.

Fahren für Ullrich

»In der dritten Tour-Woche ist Jan mit Abstand der Stärkste, auch stärker als Armstrong. Wir müssen also den Abstand in den ersten beiden Wochen so gering wie möglich halten, oder schon ganz vorne sein, damit er wieder gewinnt«, lautet die Bölts-Prognose für die kommenden Wochen. Er ist zu wenig eingefleischter Statistiker, um genau zu sagen, wann sein nächster Tour-Rekord fällig wird: »Am 19. oder 20. Tag - so in dem Dreh - werde ich meine 200. Tour-Etappe fahren«.

Der absolute Tour-Rekord von zwölf Teilnahmen, den sich mehrere Fahrer teilen, unter ihnen auch der fünffache Sieger Miguel Indurain, liegt außerhalb der Reichweite des Eisenmannes. Der Spanier, von 1991 bis 1995 hintereinander Toursieger, hat es Bölts besonders angetan: »Indurains Aura, die noch heute zu spüren ist, hat mich besonders beeindruckt«.


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