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Schulz-Comeback: "Ich will in die Weltspitze"

Er hatte die meisten Titelchancen, die höchsten Einschaltquoten, war populär wie kaum ein anderer - nur große Erfolge hatte er nie. Axel Schulz steigt nach sieben Jahren wieder in den Ring.

Wenn am Samstagabend in Halle/Westfalen der Gong zur ersten Runde gegen den Amerikaner Brian Minto ertönt, werden wie in guten alten Zeiten Boxfans, Hausfrauen und Rentner vor den Fernsehgeräten sitzen. Schulz verkörpert Familien-Unterhaltung. Er war in den 90er Jahren Jedermanns Darling und ist es wohl auch heute noch.

Neun Millionen Euro für drei Kämpfe

Sieben Jahre nach seinem bis dato letzten Kampf, in dem er vom heutigen Weltmeister Wladimir Klitschko nach allen Regeln der Boxkunst verprügelt wurde, klettert der Schwergewichts-Profi wieder in den Ring. Es geht nicht um Titel, es geht um Geld und die Hoffnung auf neuen Ruhm an alter Stätte. Schulz wird nicht müde zu betonen, dass es ihm keineswegs um die Show geht. "Es geht mir um ehrlichen Sport. Ich will in die Weltspitze. Ich will mir einen Traum erfüllen", sagt der in Bad Saarow geborene frühere DDR-Meister. Zunächst peilt er drei Kämpfe an, die ihm RTL mit insgesamt neun Millionen Euro vergüten will. "Geld stinkt nicht", sagt Schulz und offenbart damit einen Großteil seiner Comeback-Motivation.

Der "weiche Riese", wie der 1,91 Meter große Boxer in seiner ersten Karriere genannt wurde, verdrängt die Gedanken an erfolglose Titelduelle. Drei Mal hat der Schwergewichtler binnen 14 Monaten um die Weltmeisterschaft gekämpft, drei Mal um die Europameisterschaft - jedes Mal blieb ihm der Sieg versagt. Nicht immer hat er dabei verloren, mal gab es ein Unentschieden (EM gegen Titelverteidiger Henry Akinwande), mal war sein Bezwinger gedopt (WM gegen Francis Botha). Titeln ist er stets erfolglos hinterher gerannt.

Teddy-Bär zum Knuddeln

Es scheint, als haben gerade die Niederlagen den in Frankfurt (Oder) lebenden Schwergewichtler bei den Fans so beliebt gemacht. Mit der Rekordeinschaltquote von 18,03 Millionen Zuschauern gegen Botha hat der "Donald Duck des Boxens" ("Süddeutsche Zeitung") selbst Gentleman Henry Maske in den Schatten gestellt, und der war immerhin dreieinhalb Jahre Weltmeister. Schulz, der nette, sympathische, immer freundliche große Junge von nebenan ist zweifellos ein Liebling der Nation. Mit seiner Reklame-Mütze, die er sogar bei seiner Heirat trug, und der ehrlichen Berliner Schnauze ("Det war nüscht, ick war Scheiße.") ist der "Teddy-Bär zum Knuddeln" ein Fernsehstar geworden.

Der neue Schulz will anders sein: härter, vor allem erfolgreicher. Seinen Boxstil habe er umgestellt, berichtet der vom 68-jährigen Amerikaner Rick Conti betreute ehemalige Amateur-Vizeeuropameister. Conti will aus dem Techniker einen K.o.-Schläger gemacht haben. "Er steht fester, schlägt seine Rechte jetzt als Konter hart über die Linke seines Gegners. Axel ist in einem Jahr Weltmeister. Seiner Schnelligkeit, seinem Druck können nur wenige Schwergewichtler dieser Welt standhalten", sagt der Trainer. Schulz' Ex-Coach Manfred Wolke, der seinem Schützling bei dessen Abschied "nur geringstes Mittelmaß" attestierte, widerspricht Conti: "Ich halte es für Utopie, dass Axel noch einmal nach oben kommt."

Schulz boxte vor sieben Jahren zum letzten Mal

Das von RTL inszenierte Spektakel in dem mit 12.000 Zuschauer ausverkauften Gerry-Weber-Stadion verspricht zumindest Spannung. Schulz (26 Siege, 4 Niederlagen, 1 Unentschieden) hat seit mehr als sieben Jahren nicht geboxt. Minto, sein elf Zentimeter kleinerer Rivale (26 Siege, 1 Niederlage), wird immerhin an Nummer 26 der verbandsübergreifenden Weltrangliste geführt. Der US-Boy freut sich diebisch: "Sie haben einen Fehler gemacht, mich zu verpflichten."

Franko Koitzsch und Gert Glaner/DPA / DPA

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