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Schwergewichts-WM: Treffen der Box-Monster

Wenn am Wochenende der unheimliche Russen-Riese Nikolai Walujew seinen Titel gegen den Ami Jameel McCline verteidigen will, krachen im Ring insgesamt 270 Kilogramm Lebendgewicht aufeinander. Vergleichbares hat es im Box-Sport noch nie gegeben. Experten rechnen mit einer "Ring-Schlacht".

Die Schwergewichts-Weltmeisterschaft in Basel wird als "Elefanten-Treffen" in die Annalen des Profi-Boxens eingehen. Titelverteidiger Nikolai Walujew, ehrfurchtsvoll Russen-Riese genannt, erwartet am Samstag (ARD/22.30 Uhr) in der St. Jakobshalle von Basel den Amerikaner Jameel McCline. Der 2,13 Meter große Russe bringt eine Schwungmasse von 150 Kilogramm in den Ring, sein 15 Zentimeter kleinerer, aber immer noch hünenhafter Herausforderer setzt 120 Kilo dagegen. Die erste Schwergewichts-WM in der Schweiz ist mit 270 Kilogramm Lebendgewicht zugleich die schwerste, die es je gab. Ob sie auch in punkto Niveau und Spannung Superlative verdient, wird sich zeigen.

"Zum ersten Mal hat Walujew einen Gegner auf Augenhöhe", erklärt der 36 Jahre alte McCline, der sich in seinen 47 Profi-Kämpfen (38 Siege, 6 Niederlagen, 3 Remis) schon zwei Mal vergeblich um einen WM-Gürtel bemühte. 2002 wurde er von Wladimir Klitschko auf die Bretter geschickt, zwei Jahre später stoppte ihn sein Landsmann Chris Byrd nach Punkten. In der Tat ist McCline Walujews bislang größter Rivale, obwohl er immer noch einen halben Kopf kleiner als der WBA-Weltmeister ist.

Walujew weiter hungrig

"Ich habe so hart wie noch nie in meinem Leben trainiert. Unser Trainingscamp in Florida war fast schon grenzwertig", berichtet McCline. "Das ist meine letzte Chance, Weltmeister zu werden." Damit er auch das richtige Distanzgefühl erwirbt, hat er sich seinen 2,15 Meter großen Landsmann Julius Long als Sparringspartner in den Ring geholt. Der "Big Time" genannte Herausforderer ist zuversichtlich, den Größen- und Gewichtsnachteil durch seine größere Beweglichkeit kompensieren zu können. "Ich bin viel schneller als Walujew", behauptet McCline und spottet: "Er ist mechanisch und langsam."

Der in 46 Profi-Kämpfen unbezwungene Walujew gibt sich außerhalb des Rings wie immer höflich und bescheiden. "Jameel ist von seiner Größe, seinem Gewicht und seiner Erfahrung mit keinem meiner bisherigen Gegner zu vergleichen", gesteht der Koloss, der seine Gegner weniger durch sportliche Klasse als vielmehr mit seiner erdrückenden Physis und dem Stehvermögen eines Alpenmassivs in die Knie zwang. An seinem nächsten Erfolg hegt Walujew keinerlei Zweifel. "Ich bin hungrig. Ich will zwei oder drei WM-Gürtel gewinnen", sagt der frühere Diskuswerfer und leidenschaftliche Jäger.

Wie der Box-Gigant seine Arbeit verrichtet, wird vor Ort auch der umtriebige US-Promoter Dong King kontrollieren. Der dauerfröhliche, Fähnchen schwenkende Mann mit der Starkstromfrisur hält als Co- Promoter an der Seite von Wilfried Sauerland die Hand auf.

Nächster möglicher Gegner Tschagajew

Sollte der 33 Jahre alte Walujew auch in seinem 47. Kampf unbesiegt bleiben, kennt er bereits seinen nächsten Rivalen. Nicht IBF-Weltmeister Wladimir Klitschko, den sich der St. Petersburger sehnlichst wünscht ("Gegen ihn bin ich jederzeit bereit"), stellt sich ihm am 15. April in den Weg, sondern der von der WBA als Pflichtherausforderer bestimmte Ruslan Tschagajew. Der beim Hamburger Universum-Stall unter Vertrag stehende Usbeke ist zwar nur 1,86 Meter groß, wird aber wegen seines Schlagvermögens nicht von ungefähr weißer Tyson genannt.

DPA

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