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Schwimm-WM: Britta Steffen hat sich freigeschwommen

Nach Gold über die 100 Meter Freistil am Freitag, hat Britta Steffen ihren persönlichen Medaillenspiegel erweitert: Als Schlussschwimmerin hatte sie das Schicksal der 4x100 Meter Lagen in der Hand - Bronze mit Bravour.

Ihre Mannschaftskolleginnen leisteten perfekte Vorarbeit. Britta Steffen sprang als Schlussschwimmerin auf dem dritten Platz ins Becken und verteidigte die Position. Bronze und ein neuer Europarekord für das deutsche Team. Die Staffel mit Daniela Samulski, Sarah Poewe, Annika Mehlhorn und Steffen musste sich nur den Weltrekord schwimmenden Chinesinnen und Australien geschlagen geben.

Steffen hatte sich bereits am Morgen für Gold am Schlusstag über 50 Meter Freistil empfohlen. Einen Tag nach Weltrekord und Titel über 100 Meter Freistil zog die Berlinerin am Samstag souverän in das Finale über die halbe Distanz ein. "Ein klein wenig ist noch drin, es wäre toll, wenn ich eine Medaille hole", sagte Steffen.

Hohe Erwartungen

Mit dem ersehnten WM-Gold über 100 Meter Freistil hat sich Britta Steffen endgültig freigeschwommen. Die Gegnerinnen und sich selbst besiegt - für die Doppel-Olympiasiegerin aus Berlin passte an diesem magischen Abend von Rom alles. Dabei hatte es noch am Mittag ganz anders im Innersten der 25-Jährigen ausgesehen. Eine Unruhe beschlich Steffen, Zweifel, die nach dem Olympia-Gold von Peking überwunden zu sein schienen. Dabei war sie im August 2008 als alleinige Heilsbringerin des deutschen Schwimmens einem ungleich größeren Druck ausgesetzt. Was sollte da ein Jahr später nach drei Weltrekorden innerhalb eines guten Monats schon passieren? "Jetzt dachten alle, es wird ja wohl kein Problem sein, dieses Rennen zu gewinnen", erklärte Steffen. "Ich war wegen dieser Erwartungen total aufgeregt. Mir war total schlecht."

Psychologin für den Notfall

In der Situation war die Studentin für Wirtschaftsingenieurwesen kurz davor, ihre urlaubende Psychologin Friederike Janofske anzurufen, deren Nummer sie eigentlich nur für den "Notfall" dabei hatte. "Ich war überrascht, weil ich dachte, dass sie das im Griff hat", sagte Steffens Managerin Regine Eichhorn. Doch Janofske, die dem einstigen Sensibelchen Steffen dabei half, eine selbstsichere und sich ihrer Stärken durchaus bewussten Frau zu werden, konnte weiter in Ruhe Urlaub machen. "Es war so wichtig, dass ich sie nicht angerufen habe, dass ich mir selbst bewiesen habe, dass ich nicht zusammengebrochen bin", sagte Steffen und hat sich damit ein Stück weiter emanzipiert: "Man will sich ja auch weiterentwickeln und nicht als Marionette enden."

Ausgerechnet die stärkste Rivalin im Becken konnte Britta Steffens Bedenken etwas zerstreuen. Lisbeth Trickett, nicht nur Konkurrentin, sondern stets auch herzliche Sportler-Freundin, meinte zur Deutschen kurz vor dem Rennen im Call-Room: "Hey Britta, ich bin auch so nervös, aber das ist es doch, warum wir hier sind. Das ist es doch, warum wir diesen Sport so lieben."

Auf der Suche nach dem perfekten Rennen

Britta Steffen war am Freitagabend in Rom am Ziel, ihre Medaillen- Sammlung ist endlich komplett. Und doch hat sie noch viel vor. "Ich bin noch auf der Suche nach dem perfekten Rennen", sagte sie.

Am Samstagmorgen nahm sie ihre Arbeit wieder auf, qualifizierte sich über 50 Meter als Vorlauf-Fünfte locker fürs Halbfinale. "Heute Morgen war ich ganz schön müde", sagte sie, "hätte ich keinen Kaffee bekommen, wäre ich noch schlechter aus dem Knick gekommen." Und dann freute sie sich wieder über ihren Sieg vom Vorabend. "Ich konnte es viel besser wahrnehmen als den Olympiasieg." Rom erlebe eine "sehr gestärkte Britta", sagte Coach Norbert Warnatzsch. Das Erfolgsrezept beschreibt er so: "Wir wissen, was wir tun." Bis zu den Olympischen Spielen 2012 in London soll es so weitergehen.

DPA / DPA

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