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Sensation bei Tennis-WM: Ersatzmann stürzt Favoriten

Der neue Tennisweltmeister heißt David Nalbandian und ist aus Argentinien. Er hat in einem dramatischen WM-Endspiel in Shanghai den Titelverteidiger Roger Federer von seinem Tennis-Thron gestoßen.

Titelverteidiger Roger Federer ist in einem dramatischen WM-Endspiel von "Ersatzmann" David Nalbandian vom Tennis-Thron gestoßen worden. Mit eisernen Nerven und unerschütterlichem Kampfgeist holte sich der Argentinier am Sonntag in Schanghai den Weltmeistertitel und zerstörte den Nimbus der Unbesiegbarkeit des Schweizers, der nach 35 Siegen ausgerechnet im Finale des Masters Cups die erste Niederlage einstecken musste.

Nach einem 4:34 Stunden dauernden Herzschlag-Finale vor knapp 13 000 Zuschauern im lausig kalten Qi-Zhong-Stadion hatte Nalbandian gegen den ausgelaugten Weltranglisten-Ersten mit 6:7 (4:7), 6:7 (11:13), 6:2, 6:1, 7:6 (7:3) das bessere Ende für sich und revanchierte sich für die Pleite in der Vorrunde.

Erster Argentinier seit 31 Jahren im Finale

«Roger verzweifel nicht. Das war nicht dein letztes Finale und nicht dein letzter Turniersieg. Lass mir diesen einen Triumph», sagte der überglückliche Nalbandian grinsend mit dem gläsernen Pokal in den Händen. Erst durch die Absage des Amerikaners Andy Roddick war er ins Feld der besten acht Tennisprofis der Saison aufgerückt und hatte prompt als erster Argentinier seit Guillermo Vilas vor 31 Jahren den Sprung ins WM-Finale und seinen vierten Turniersieg geschafft.

Sportlicher Erfolg zählt mehr als Preisgeld

Nalbandian durfte sich über ein Preisgeld von 1,4 Millionen Dollar und einen Sportwagen des deutschen Hauptsponsors Mercedes freuen. Doch das war nach dem größten Erfolg seiner Karriere eher zweitrangig. "Wir haben ein unglaubliches Spiel gemacht - so wie fast immer", sagte der 23-Jährige, der nach vier Pleiten in Serie Federer erstmals seit den US Open 2003 wieder besiegen konnte und im direkten Vergleich nun mit 6:4 in Führung liegt.

Erste Niederlage seit 24 Spielen für Federer

"David hat verdient gewonnen. Er war heute der Bessere", sagte Federer, der auch in seiner bittersten Stunde seit langem nicht die Contenance verlor und die Niederlage als der bekannt faire Sportsmann gefasst hinnahm. Dabei hatte er nicht nur ein Match verloren, sondern gleich mehrere Serien beendet: Nach 24 gewonnenen Finals war es die erste Niederlage seit Gstaad im Juli 2003. Außerdem war es für den zweifachen Weltmeister nach 14 Matches die erste Niederlage beim Masters Cup und die erste nach 23. Hallenmatch.

Hattrick verpasst, aber fairer Verlierer

Platz eins im Champions Race ist dem Schweizer, der den Hattrick beim Masters Cup verpasste, nach einer grandiosen Saison mit 11 Titeln bei 81 Siegen und nur 4 Niederlagen allerdings nicht zu nehmen. Weltmeister Nalbandian, der als schlechtester der vier gestarteten Argentinier in den Masters Cup gestartet war, verbessert sich auf Position sechs.

Außenseiter Nalbandian bewies unbändigen Kampfgeist

Nach sechswöchiger Verletzungspause war Top-Favorit Federer am Ende seiner Kräfte. Vielleicht hatte sich der nach dem Halbfinale der French Open in 35 Partien ungeschlagene Dominator nach der ersten "Brille" der WM-Geschichte beim 6:0, 6:0-Erfolg im Halbfinale gegen den Argentinier Gaston Gaudio auch zu sicher gefühlt.

Dann aber schwanden die Kräfte, und beim Stand von 1:2 rief Federer im vierten Satz den Physiotherapeuten, der den linken Oberschenkel behandelte. Am folgenden Satzausgleich änderte das nichts. Als Nalbandian schließlich im entscheidenden fünften Satz mit 4:0 in Führung ging, und Federer einen von insgesamt acht Doppelfehler produzierte, stellte sich der Schweizer auf den Platz, verschränkte die Arme und deutete an: Hier geht heute nichts mehr. Ein Bluff, denn mit unbändigem Kampfgeist schaffte er den Ausgleich und zum 6:5 sogar das scheinbar entscheidende Break. Doch diesmal war Nalbandian der Dominator.

Andreas Bellinger/DPA / DPA

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