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IT-Kollektiv Zerforschung Merkwürdigkeiten bei PCR-Test von Djokovic: So ermittelten Experten auffällige Daten

Novak Djokovic
Novak Djokovic
© William West / AFP
Ein deutsches IT-Kollektiv hat Ungereimtheiten bei dem angeblich positiven PCR-Test entdeckt, den Novak Djokovic für die Ausnahmegenehmigung zur Einreise nach Australien vorlegte – so gingen die Experten vor.

Novak Djokovic wartet weiter auf eine Entscheidung des australischen Einwanderungsministers Alex Hawke. Der hatte angekündigt, dem serbischen Tennisstar das Visum zu entziehen, falls es auf unkorrekten Angaben beruhe. Zuletzt hatten die Anwälte des Weltranglistenersten Dokumente nachgereicht, die erst geprüft werden müssen, vor Donnerstag wird sich Hawke nicht äußern.

Vielleicht wird sich der Minister mit den Recherche-Ergebnissen des deutschen IT-Kollektivs Zerforschung beschäftigen, das sich die beiden digitalen PCR-Testzertifikate genauer angeschaut hat, die Djokovic für das Visum vorgelegt hatte. Demnach war Djokovic am 16. Dezember positiv auf Covid-19 getestet worden. Am 22. Dezember erfolgte ein zweiter PCR-Test, der ein negatives Ergebnis erbrachte. Es war alles so, wie es sein sollte. Djokovic galt als Genesener, erhielt die Ausnahmegenehmigung für Ungeimpfte durch den australischen Tennisverband und beantragte auf dieser Grundlage erfolgreich das Einreisevisum, um an den Australian Open teilzunehmen.

Doch es gibt erhebliche Zweifel an der Korrektheit des ersten PCR-Tests, wie die Spezialisten von Zerforschung berichten. Auf Twitter haben sie die Ergebnisse ihrer Recherche veröffentlicht und beschreiben Schritt für Schritt , wie sie die Tests einer genauen Prüfung unterzogen haben. Kurz zusammengefasst: Sowohl der Zeitstempel des ersten PCR-Tests als auch dessen Identifikationsnummer, die beide im digitalen Impfzertifikat angegeben werden, sollen nicht zu Djokovics Angaben und dem zeitlichen Ablauf passen. Demnach wurde Dojkovics PCR-Test, der am 16. Dezember erfolgt sein soll, erst am 26. Dezember vorgenommen. Das würde die Vermutung nahelegen, dass der 34-Jährige und sein Management den positiven Test erst im Nachhinein vorlegten, um eine Ausnahmegenehmigung für die Einreise zu erlangen.

Aber wie sind die Experten von Zerforschung vorgegangen?

Zunächst einmal schnappten sie sich die schriftlichen Versionen der Test-Dokumente. Die hatten Djokovics Anwälte dem Gericht in Melbourne vorgelegt, dass die Annullierung von dessen Visum aufhob (die australischen Behörden hatten Djokovic bekanntermaßen die Einreise trotz Visum wegen fehlender Angaben verweigert) und sämtliche Dokumente veröffentlichte. Über den QR-Code auf den Schriftstücken gelangten die IT-Experten zu den digitalen Zertifikaten, die auf der Website des serbischen Testregisters liegen. Dort erhielten sie aber nur folgende Informationen, wie Zerfoschung auf Twitter schreibt: "Den Namen des Getesteten, das Testergebnis und eine Prüfnummer." Aber: "Es lässt sich mithilfe der Testergebnis-Seite also nicht überprüfen, wann jemand getestet wurde."

Um das zu untersuchen, schauten sich die IT-Experten die URLs, also die genauen Internetadressen der digitalen Testzertifikate, an. Darin entdeckten sie einen sogenannten Unix-Zeitstempel (1641903476), den man in einen "Menschen-lesbaren Zeitpunkt" umrechnen kann, wie die Zerforscher schreiben. Der Unix-Zeitstempel ist ein "Standard, um Zeitpunkte zu repräsentieren. Dabei werden die Sekunden seit dem 1.1.1970 um Mitternacht hochgezählt".

Das Ergebnis entspricht nicht den offiziellen Angaben von Djokovic und seinen Anwälten. Dem Zeitstempel zufolge ist der erste PCR-Test, der ein positives Ergebnis hatte, erst am 26. Dezember im serbischen Testregister angelegt worden, und nicht am 16. Dezember wie die offizielle Version lautet. Die Angaben zum zweiten PCR-Test, der am 22. Dezember erfolgt sein soll und negativ war, sind demnach korrekt.

In einem zweiten Schritt ermittelten die IT-Experten auf der Website mit den digitalen Zertifikaten einen "Confirmation Code". Vergleiche mit anderen Tests ergaben eine nach oben ansteigende Test-ID, die "ungefähr der Anzahl der zu diesem Zeitpunkt für Serbien gemeldeten PCR-Tests entspricht," schreibt die Gruppe. Je später der Zeitpunkt, desto höher ist also diese Kennzahl. Auch hier bestätigen sich die Zweifel an der Zeitangabe. Der angeblich erste PCR-Test vom 16. Dezember (7.371.999) hat eine um 50.000 höhere Test-ID als der zweite vom 22. Dezember (7.320.919).

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Dazu passt, dass die Differenz um den Wert 50.000 in etwa der Anzahl der durchgeführten Tests in Serbien zwischen dem 22. und dem 26. Dezember entspricht, schreiben die Zerforscher. Auch das erhärtet den Verdacht, dass der angeblich erste, positive PCR-Test nach dem zweiten vom 22. Dezember im System registriert wurde. Im Zeitraum zwischen dem 16. und 22. Dezember betrug die Anzahl der durchgeführten PCR-Tests etwa 75.000. Die Test-ID des ersten Tests hätte also ungefähr um diesen Wert niedriger sein müssen.

Neben den Recherchen, die Zerforscht präsentiert hat, gibt es im Zusammenhang mit den PCR-Tests eine weitere Merkwürdigkeit: Ein Journalist des "Racquet Magazin" und der "Spiegel" scannten den QR-Code des angeblich positiven PCR-Tests unmittelbar nach der Veröffentlichung durch das Melbourner Gericht. Zu ihrer Überraschung wurde das Ergebnis mit negativ angegeben. Erst bei einem zweiten Versuch änderte es sich in positiv.

Mittlerweile hat Djokovic Fehler bei den Einreise-Angaben und im Verhalten nach seiner angeblichen Corona-Infektion eingeräumt. Zu den Merkwürdigkeiten bei den PCR-Tests nahm er keine Stellung.

Quelle: "Zerforschung", "Tagesspiegel", "Der Spiegel"

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