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Sportwelt: "Wir haben es geschafft!"

Jochen Schümann hat Sportgeschichte geschrieben: Als erster deutscher Segler in der 152-jährigen Historie hat der gebürtige Berliner mit dem Alpen-Express "Alinghi" den America’s Cup gewonnen. Damit endet auch die neuseeländische Cup-Ära.

Jochen Schümann steht auf dem Gipfel des internationalen Segelsports. Mit der Schweizer «Alinghi Challenge» hat der dreimalige Olympiasieger am Sonntag auf dem Hauraki Golf vor Auckland Sportgeschichte geschrieben. Der gebürtige Berliner hat als erster deutscher Segler in der 152-jährigen Cup-Historie mit dem Alpen-Express Alinghi den America’s Cup gewonnen. Ernesto Bertarellis «Alinghi Challenge» ist das erste europäische Team, das die «Auld Mugg» gewinnt und nun für die kommende 32. Auflage zum ersten Mal seit der Premiere im Jahr 1851 zurück nach Europa bringt.

Fünf Minuten nach Zieldurchgang war es Jochen Schümann, der den ersten Champagner-Korken auf der rot-grauen Yacht mit der Segennummer SUI 64 knallen und seine Mannschaftskameraden in Champagner-Fontänen baden ließ. Weitere fünf Minuten später hatte die Crew um Skipper Russell Coutts eine neue Flagge gehisst: Neben dem preisgekrönten Alinghi-Logo war darauf eine Zeichnung vom America’s Cup auf der Spitze des Matterhorns abgebildet. Dazu die Worte: «We did it!!! - Wir haben es geschafft!!!».

Der Alpen-Express besiegte Cup-Verteidiger Team New Zealand mit 5:0. Damit endet die neuseeländische Cup-Ära, die 1995 mit dem ersten Sieg von Team New Zealand in San Diego (USA) begonnen hatte.

Mit der «Alinghi Challenge» ist es erstmals einem Herausforderer im ersten Anlauf gelungen, den America’s Cup zu gewinnen. Auch der so genannte «Challenger of Record» steht bereits fest: In der Sekunde des Zieldurchgangs unterzeichnete ein Vertreter des Golden Gate Yacht-Clubs (San Francisco/USA) das entsprechende Protokoll. Damit übernimmt Larry Ellisons Team Oracle BMW Racing das Management aller potenziellen Herausforderer für die kommende 32. Auflage des America’s Cup.

Russell Coutts - eine lebende Legende

Die einen feiern ihn als weltbesten Segler, die anderen nennen ihn einen Verräter. Der Neuseeländer Russell Coutts ist als Skipper der «Alinghi» der Vater des glanzvollen Sieges beim America’s Cup. Drei Mal (1995, 2000, 2003) hat er die Silberkanne bereits erobert, beim nächsten Start will er den mit vier Titelgewinnen erfolgreichsten Skipper in diesem traditionsreichsten Segelrennen der Welt, den Amerikaner Dennis Conner, ablösen.

Mit seinem dritten Cup-Triumph schrieb der 42-jährige Kapitän der Schweizer «Alinghi» am Sonntag vor Auckland/Neuseeland Geschichte. 14 Siege in Cup-Wettfahrten stehen jetzt auf seinem Konto - keiner hat mehr. Den vierten America’s-Cup-Sieg, meinte der Vater von zwei Kindern, wolle er bei der 32. Auflage der Regatta vermutlich im Jahr 2007 ebenfalls mit den Eidgenossen ansteuern: «Ich bin nächstes Mal sicher wieder mit der Alinghi dabei.»

Coutts erwies sich als überaus nervenstark. Wegen seines Wechsels vom neuseeländischen Titelverteidiger zum Schweizer Team des Milliardärs Ernesto Bertarelli hatte er sich von seinen Landsleuten übelste Beschimpfungen gefallen müssen. Monatelang wurde in den Medien eine Hetzkampagne gegen «die Landesverräter» geführt. Neben Coutts waren Taktiker Brad Butterworth und weitere neuseeländische Teamgefährten zu den Eidgenossen gewechselt. Nach der Siegerehrung im Viaduct Basin von Auckland zeigte sich Coutts für einen Moment von der emotionalen Seite. «Ich bin ein Neuseeländer und werde immer einer bleiben.»

In der Karriere des ehrgeizigen Sportlers, der es sogar in seinem Hobby-Sport Golf in kürzester Zeit zum Profi-Handicap neun brachte, ging es immer nur bergauf. Schon als 15-Jähriger hatte Russell in der Schule eine Lehrerfrage nach seinem Berufswunsch mit Profisegler beantwortet. Coutts ließ den Worten Taten folgen. 1984 gewann er als 22-jähriger Jollensegler olympisches Gold im Finn Dinghi in Los Angeles. Nur elf Jahre später erklomm er erstmals den höchsten Gipfel im internationalen Segelsport und gewann in San Diego mit Neuseeland den America’s Cup, den er fünf Jahre später verteidigte.

Zwar hat Coutts den Cup nun aus der eigenen Heimat entführt, doch er selbst kann daran nichts Schlechtes finden. «Wir haben mit Alinghi vor drei Jahren die Arbeit auf einem weißen Stück Papier begonnen. Es war harte Arbeit, unser Team aus 15 Nationen zusammenzuschweißen. Ich bin sehr, sehr stolz auf diesen Erfolg.»

Die "Alinghi" im Porträt

Teamname: Alinghi Challenge (Schweiz)

Yachtname: «Alinghi»

Yachtclub: Societe Nautique Genf

Bootmaße: Masthöhe 32,50 m, Länge 24 m, Breite 4,30 m, Tiefgang 4,00 m

Segelflächen: Amwind 320 qm, Vorwind 480 qm

Skipper: Russell Coutts (42 Jahre/Neuseeland)

Sportdirektor: Jochen Schümann (48/Penzberg)

Taktiker: Brad Butterworth (43/Neuseeland)

Navigator: Ernesto Bertarelli (37/Schweiz) Präsident: Ernesto Bertarelli

Crewstärke: 16

Budget: ca. 64,8 Mio. Euro

DPA

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