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Tennis: Power Ranking - Die zehn besten Spieler der Welt

In unserem neuen Power Ranking geht es um Andy Murrays Waffen, Roger Federers Formtief und Novak Djokovics Entwicklung zu einem Sympathieträger. Außerdem zeigt Rafael Nadal, wie Biographien geschrieben werden.

Es kann nur einen geben: Novak Djokovic ist nach nur zwei Niederlagen in der gesamten Saison der Topfavorit auf den Gewinn der US Open. Wenig überraschend führt der Serbe auch erneut unser Power Ranking an, mit fast doppelt so vielen Punkten wie der erste Verfolger. Allerdings hat sich Djokovic auch außerhalb des Courts enorm entwickelt.Bei den weiteren Favoriten tun wir uns dagegen schwer, denn sowohl Roger Federer als auch Rafael Nadal zeigten sich in den vergangenen Wochen alles andere als in Topform. Der Gewinner der bisherigen Hartplatz-Saison heißt ohne Frage Mardy Fish, ob der US-Amerikaner aber vor heimischen Publikum der ganz große Coup gelingen kann, liegt in erster Linie in den Händen von Djokovic. Zu Grunde gelegt sind wieder die Punkte der letzten ATP-Turniere, im Verhältnis 100, 80, 60 und 40 Prozent.

10. (neu) Gilles Simon (FRA, 26 Jahre, Weltrangliste: 12) / Letzte vier Turniere: Stuttgart (1. Runde), Hamburg (Sieg), Montréal (1. Runde), Cincinnati (Viertelfinale) / Power Ranking-Punkte: 488Manchmal reicht schon ein starkes Turnier, um sich im Power Ranking zu platzieren. Der Erfolg von Gilles Simon am Hamburger Rothenbaum liegt zwar schon ein paar Wochen zurück, die dort errungenen 500 Punkte reichten aber so gerade, um noch Platz zehn zu erobern. Damit gingen die französischen Festwochen weiter, mit dem in der Breite so gut aufgestellten Kader sind Les Bleus mehr als nur ein Geheimtipp auf den Davis Cup-Titel.

9. (10.) Gael Monfils (FRA, 24 Jahre, Weltrangliste: 7) / Letzte vier Turniere: Hamburg (Viertelfinale), Washington (Finale), Montréal (Viertelfinale), Cincinnati (Viertelfinale) / Power Ranking-Punkte: 540In der letzten Ausgabe berichteten wir vom Trainerwechsel bei Gael Monfils. Schnelle Erfolge waren wohl nicht zu erwarten, aber ein Schritt nach vorne ist beim zweiten Franzosen in den Top Ten nicht zu erkennen. Allerdings hatte Monfils auch Pech mit der Auslosung, bei beiden Masters-Turnieren war im Viertelfinale gegen Novak Djokovic Schluss – der Serbe ist sicherlich kein Maßstab im Moment.

8. (7.) Robin Söderling (SWE, 26 Jahre, Weltrangliste: 5) / Letzte vier Turniere: World Team Cup (3 Siege), French Open (Viertelfinale), Wimbledon (3. Runde), Bastad (Sieg) / Power Ranking-Punkte: 580Ohne Spielpraxis geht Robin Söderling in die US Open. Der Schwede hat sich schon vor Wochen eine Verletzung am Handgelenk zugezogen, spielte dann noch sein Heimturnier in Bastad und musste anschließend die beiden Masters in Montréal und Cincinnati absagen. Freuen konnte sich Söderling zumindest über die Auslosung in New York. Scheiterte er in den letzten beiden Jahren doch jeweils im Viertelfinale an Roger Federer, ist der Schweizer in diesem Jahr in der anderen Hälfte und frühestens im Finale der Gegner. Allerdings warten vorher mit John Isner, Juan Martin del Potro und Andy Murray potentiell gefährliche Gegner.

7. (neu) Tomas Berdych (CZE, 24 Jahre, Weltrangliste: 7) / Letzte vier Turniere: Wimbledon (Achtelfinale), Bastad (Halbfinale), Montréal (Viertelfinale), Cincinnati (Halbfinale) / Power Ranking-Punkte: 630Die Formkurve von Tomas Berdych zeigt deutlich nach oben. Das Erstrundenaus bei den French Open war der Tiefpunkt eines durchwachsenen Jahres ohne Turniersieg. Auf Rasen fand er seine Sicherheit langsam wieder, um auf den Hartplätzen der vergangenen Wochen teilweise sogar richtig gutes Tennis zu zeigen. Der erste Satz gegen Roger Federer im Viertelfinale von Cincinnati (6:2) war wohl Berdychs bester der gesamten Saison. Als Geheimfavorit für New York taugt der Tscheche dann aber doch nicht.

6. (5.) Jo-Wilfried Tsonga (FRA, 26 Jahre, Weltrangliste: 11) / Letzte vier Turniere: Eastbourne (2. Runde), Wimbledon (Halbfinale), Montréal (Halbfinale), Cincinnati (2. Runde) / Power Ranking-Punkte: 773Wenn Jo-Wilfried Tsonga Konstanz in sein Spiel bringt und seinen manchmal noch zu verletzungsanfälligen Körper besser in den Griff bekommt, ist er der erste Kandidat, der in die Phalanx der Großen Vier eindringen kann. So schlug Tsonga in Montréal erneut Federer, um dann gegen Djokovic verletzt aufgeben zu müssen und in Cincinnati völlig unnötig gegen Alex Bogomolov Jr. auszuscheiden. "Ich glaube, er hat sein Level angehoben. Er ist ein richtiger Allrounder und spielt auf allen Belägen gut", war auch Djokovic in Montréal voll des Lobes.

5. (2.) Rafael Nadal (ESP, 25 Jahre, Weltrangliste: 2) / Letzte vier Turniere: Queens (Viertelfinale), Wimbledon (Finale), Montréal (2. Runde), Cincinnati (Viertelfinale) / Power Ranking-Punkte: 926Biographien schreiben ist in, auch wenn die Frage erlaubt sein muss, warum Sportler mit Mitte 20 bereits auf ihr Leben zurückblicken müssen. Anders als Fußballer Philipp Lahm hält sich Rafael Nadal in seinem Buch "Rafa: My Story" aber nicht mit Kritik an Kollegen oder Trainern auf. Stattdessen beschreibt mit der Scheidung seiner Eltern und einer komplizierten Fußverletzung die Tiefpunkte seiner Karriere, wie die großen Duell mit Roger Federer liefen und wie er sich auf Turniere vorbereitet. Was das alles mit dem Power Ranking zu tun hat? Gar nichts. Rein sportlich wird es bei den US Open nach den letzten Auftritten in jedem Fall schwer für Nadal.

4. (3.) Roger Federer (SUI, 29 Jahre, Weltrangliste: 3) / Letzte vier Turniere: French Open (Finale), Wimbledon (Viertelfinale), Montréal (Achtelfinale), Cincinnati (Viertelfinale) / Power Ranking-Punkte: 948Wenig Neues gibt es weiterhin von Roger Federer zu berichten. Der Schweizer steht weiterhin bei nur einem Turniersieg 2011. Stattdessen scheidet mittlerweile schon vor dem Halbfinale aus, auch wenn er – wie gegen James Blake in Cincinnati – in den Runden zuvor teilweise brillantes Tennis zelebriert. Federer wundert sich aber selbst nicht mehr. "Mir war klar, dass er heute erneut gewinnen wird, wenn er wieder so gut und ich nicht mein bestes Tennis spielen würde", sagte der entthronte Champion zur Niederlage gegen Tsonga in 'Montréal. Wir legen uns fest: Federer wird die US Open nicht zum sechsten Mal gewinnen.

3. (8.) Mardy Fish (USA, 29 Jahre, Weltrangliste: 8) / Letzte vier Turniere: Atlanta (Sieg), Los Angeles (Finale), Montréal (Finale), Cincinnati (Halbfinale) / Power Ranking-Punkte: 1030In Deutschland etwas unbemerkt hat Mardy Fish in den vergangenen Wochen die sogenannte US-Open-Serie gewonnen. Darin enthalten sind sechs Vorbereitungsturniere von Atlanta bis Cincinnati, bei denen Punkte gesammelt werden können. Den Sieg sicherte sich mit insgesamt 230 Zählern Fish. Der Clou für den 29-Jährigen dabei: Gewinnt er auch noch die großen US Open, erhält er zusätzlich eine Million Dollar zum normalen Preisgeld. Wir drücken die Daumen.

2. (4.) Andy Murray (GBR, 24 Jahre, Weltrangliste: 4) / Letzte vier Turniere: Queens (Sieg), Wimbledon (Finale), Montréal (2. Runde), Cincinnati (Sieg) / Power Ranking-Punkte: 1540Mit dem Erfolg in Cincinnati hat Andy Murray bewiesen, dass auch auf Hartplätzen mit ihm zu rechnen ist. Allerdings wartet der Brite immer noch auf seinen ersten Erfolg bei einem Grand Slam-Turnier, und geht es nach Startrainer Nick Bollittieri wird das auch bis zum Karriereende so bleiben. Im Interview mit spox.com sagte Bollittieri: Schauen Sie, Andy Murray ist ein großartiger Charakter, ähnlich wie es mein Andre Agassi früher war. Aber warum übernehmen Sie nicht einfach das, was Boris Becker über ihn gesagt hat. "Andy Murray hat keine Waffe und wird nie einen Grand-Slam-Titel holen", das sind Boris' Worte. Und ich schließe mich an." Wie könnten wir da widersprechen?

1. (1.) Novak Djokovic (SRB, 24 Jahre, Weltrangliste: 1) / Letzte vier Turniere: French Open (Halbfinale), Wimbledon (Sieg), Montréal (Sieg), Cincinnati (Finale) / Power Ranking-Punkte: 2888Was sollen wir hier noch weitere Worte über die grandiose Saison des Novak Djokovic verlieren? Sprechen wir stattdessen lieber über die persönliche Entwicklung, die der Serbe auf, aber auch außerhalb des Courts genommen hat. Wirkte er früher stets verbissen, übermäßig ehrgeizig und nervte die Gegenspieler mit endlos langen Aufschlag-Vorbereitungen, so ist mit seinem Aufstieg zur Nummer eins der Welt auch eine Lockerheit hinzugekommen. Legendär sind schon jetzt Djokovics Auftritte bei den US-Talkmastern Jay Leno und Conan O'Brien vor wenigen Wochen, in denen er sehr sympathisch rüberkommt und mit seiner humorvollen Art viele Pluspunkte sammeln konnte. Aber auch die Persiflage auf Maria Sharapova bekommt bereits Kultcharakter. Mit seinen 24 Jahren ist Novak Djokovic auf dem Weg zu einem großen Champion.Marcus Krämer

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