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Tour de France: Jens Voigt erobert Gelb

Lance Armstrong muss das Gelbe Trikot an Jens Voigt abtreten. Den Tagessieg bei der neunten Etappe von Gérardmer nach Mulhouse sicherte sich der Däne Michael Rasmussen.

Eine grandiose Energieleistung hat dem Berliner Jens Voigt zum zweiten Mal nach 2001 das Gelbe Trikot gebracht. Auf der 9. Etappe von Gerardmer nach Mulhouse über 171 Kilometer und sechs Bergwertungen schlug die Stunde des Berliner Profis vom dänischen CSC-Team. Der 33-jährige Voigt rettete mit dem Franzosen Christophe Moreau 2:57 Minuten vor dem Hauptfeld mit Lance Armstrong ins Ziel und zwang den Rekordsieger aus Texas zum Trikot-Wechsel. Der Amerikaner liegt als Dritter nun 2:18 Minuten hinter Voigt, der sich als erster Deutscher seit dem diesmal von seinem Team nicht berücksichtigten Erik Zabel 2002 Gelb überstreifte.

Den Etappensieg feierte der Träger des Bergtrikots, Mickael Rasmussen (Dänemark), der eine Solofahrt über 167 Kilometer erfolgreich abschloss. Voigt, am Start mit nur einer Minute Rückstand auf Armstrong in Lauerstellung, und Moreau rollten 3:04 Minuten hinter ihm ins Ziel. Nach einem Defekt 20 Kilometer vor dem Ziel hatte sein früherer Team-Kollege bei Crédit Agricole auf Voigt gewartet. Der Trikot-Verlust tat Armstrong einen Tag vor dem ersten von zwei Ruhetagen nicht weh. Nach dem ersten Alpen-Etappe am Dienstag nach Courchevel dürfte wieder neu gerechnet werden.

Die zweite Attacke von Voigt am Sonntag saß. Auf der Steigung zum Col des Feignes in den Vogesen konnte sich der mit bisher acht Saisonerfolgen erfolgreichste deutsche Radprofi absetzen. "Ich bin riesig froh, dass es endlich geklappt hat. Jetzt habe ich gezeigt, der alte Wolf hat doch noch Zähne", freute sich der vierfache Vater Voigt. Sein erstes Tour-Hoch hatte er 2001 erreicht, als er die Etappe in Serran gewann und in Colmar unweit des Etappenziels vom Sonntag das Gelbe Trikot für einen Tag überziehen konnte.

Als Moreau und Voigt, der beim Frühjahrs-Klassiker Lüttich-Bastogne-Lüttich eine ähnlich imposante Flucht inszeniert hatte, auf der Verfolgung Rasmussens den Ballon d’Alsace hoch stürmten, standen so viele Menschen Spalier wie sonst nur in L’Alpe d’Huez. Auch an den Vortagen in Deutschland war die Tour der große Zuschauer-Magnet und die Zahl der Fans berührte die Millionen-Grenze.

T-Mobile hatte die Frankreich-Rundfahrt gestern wieder interessant gemacht. Zum ersten Mal ging die angekündigte Dreier-Taktik auf. Auf dem eigentlich harmlosen Anstieg zum Col de la Schlucht hatte zuerst Alexander Winokurow attackiert und Armstrong reagierte. Dann folgte der Antritt von Andreas Klöden, den der Titelverteidiger, inzwischen ohne einen Team-Begleiter unterwegs, unbeantwortet ließ. Der Vorjahres-Zweite kam zusammen mit dem im Ziel in Gerardmer um acht Millimeter besseren Tagessieger Peter Weening (Niederlande) 27 Sekunden vor der Armstrong-Gruppe ins Ziel.

In dessen Windschatten hatte Jan Ullrich, der sich auf der Strecke von Gérardmer nach Mulhouse bei einem Sturz auf der Abfahrt vom Col de Grosse Pierre leichte Schürfwunden am Oberschenkel zuzog, alles unter Kontrolle. "Es ist gelaufen, wie wir das wollten", freute sich Teamchef Mario Kummer nach der taktischen Meisterleistung am Col de la Schlucht, die Armstrongs Thron etwas ins Wanken gebracht und der versammelten Konkurrenz Mut gemacht hatte.

Armstrong war über das plötzliche Verschwinden seiner Helfer im irrsinnigen Tempo den Berg hinauf stocksauer. Nach der Etappe kündigte er ernste Worte abends im Hotel an. Offensichtlich wurde die Standpauke gehört. Am Sonntag bestimmte das Discovery-Team das Geschehen auf der knapp zehn Kilometer langen Schlusssteigung 56 Kilometer vor dem Ziel wieder souverän. "Wenn das 14 Tage so weiter geht, wird es sehr schwer für mich, die Tour zu gewinnen", hatte Armstrong am Vorabend geklagt.

Seit seinem ersten Toursieg 1999 habe er sich an keinen vergleichbaren Tag erinnern können, an dem er an einer Steigung so alleine gelassen wurde. "Alarm für Armstrong" titelte die "L’Equipe".

Andreas Zellmer und Jens Marx/DPA / DPA

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