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Tour de France: Sieg und Gelb für Virenque

Der Franzose Richard Virenque hat die erste Bergetappe bei der Tour gewonnen und das Gelbe Trikot des Spitzenreiter erobert. Telekom-Fahrer Rolf Aldag kam als Zweiter ins Ziel.

Richard Virenque hat wieder ein Mal große Tour-Schlagzeilen geliefert. Die erste Bergetappe der diesjährigen Tour de France, mit 230,5 Km von Lyon nach Morzine die längste der Jubiläums-Veranstaltung, stand ganz im Zeichen des immer noch populärsten französischen Radprofis. Virenque, vor fünf Jahren nach dem Tour-Skandal ausgeschlossen, gewann die erste Alpen-Etappe am Samstag in Morzine im Alleingang, wiederholte damit seinen Erfolg an gleicher Stelle vor drei Jahren und streifte sich das Gelbe und das Berg-Trikot über.

Ausreißergruppe kurz nach dem Start

Zusammen mit dem Telekom-Profi Rolf Aldag (Ahlen), der an der vorletzten von fünf Steigungen passen musste, und Paolo Bettini (Italien), der kurz danach zurückfiel, hatte der 33-jährige Virenque schon kurz nach dem Start eine Ausreißergruppe gebildet. Der großen Kämpfer Aldag wurde Zweiter hinter Virenque mit 2:29 Minuten Rückstand und ist nun Dritter im Gesamtklassement. Einen Tag vor der Königsetappe nach L’Alpe d’Huez ließen die Topfavoriten auf den Tour- Sieg, Lance Armstrong (USA) und Jan Ullrich (Scherzingen), anderen den Vortritt. Die beiden belauerten sich in der Verfolgergruppe, übernahmen aber nicht die Eigeninitiative. Beide rollten 4:06 Minuten hinter Virenque ins Ziel. An ihrer Seite überraschend Erik Zabel (Unna), der sonst im Hochgebirge Fahrern dieser Güte kaum das Wasser reichen kann.

Der großen Hitze und dem erneut enormen Tempo fielen am Samstag bereits zu Beginn der Gebirgs-Passagen der 90. Tour eigentlich bergfeste Profis zum Opfer. Sowohl der Giro-Gewinner Gilberto Simoni (Italien) als auch Telekom-Neuling Santiago Botero (Kolumbien) verloren wertvollen Boden. Dazu gaben einige prominente Fahrer, unter ihnen der vierfache Etappengewinner Alessandro Petacchi (Italien), auf.

Etappe über fünf Alpen-Pässe

Der Großteil der längsten Etappe über fünf Alpen-Pässe wurde von vier Ausreißern geprägt. Sofort nach dem Start hatten Aldag vom Team Telekom, der Weltcup- und Weltranglisten-Spitzenreiter Bettini und zwei weitere Fahrer attackiert. Die beiden Routiniers setzten sich zunächst durch und erhielten wenig später noch Gesellschaft von Virenque und Benoit Polvet (beide Frankreich).

Der mögliche Erfolg ihrer unmöglich erscheinenden Mission wurde davon begünstigt, dass eine geschlossene Bahnschranke das Verfolgerfeld 60 Km vor dem Ziel für 30 Sekunden aufgehalten hatte. Laut Reglement wurde diese Zeit nicht neutralisiert. 40 Km vor dem Ziel hatte das Quartett noch einen Vorsprung von über acht Minuten, aber auch noch zwei Anstiege vor sich. Aldag musste am Fuß des vorletzten Anstiegs auf den Col de la Ramaz als erster passen, kam wieder zurück und musste dann Virenque und Bettini doch ziehen lassen. Dann fiel der Italiener zurück und der umstrittene Franzose, im Vorjahr in ähnlicher Manier Sieger auf dem Mont Ventoux, nahm die letzten 28 Km als Solist in Angriff.

Kampf ums Grüne Trikot wieder offen

Für die Tour-Debütanten Olaf Pollack (Kolkwitz) und Michael (Rich) vom Gerolsteiner-Team war die Jubiläums-Veranstaltung ebenso vorzeitig beendet wie für den Punktbesten Petacchi, den Esten Jaan Kirsipuu und den Spanier Jesus Manzana, der mit einem leichten Hitzschlag ins Krankenhaus gebracht werden musste. Damit ist der Kampf um das Grüne Trikot für Zabel, der nach seinem Sturz vom Vortag selbst erheblich angeschlagen in die 7. Etappe ging und besonders von zwei Schürfwunden an der Innenfläche der rechten Hand behindert wurde, übersichtlicher geworden.

Zeitfahr-Vize-Weltmeister Rich - das erste Einzelzeitfahren der Tour findet erst am kommenden Freitag statt - hatte bei der glühenden Hitze keine Kraft mehr, Pollack hatte nach seinen beiden Stürzen zum Tour-Auftakt seit Tagen Knie-Probleme. Petacchi, der im Grünen Trikot an der ersten von fünf Steigungen aufgab, folgte damit dem Beispiel seines diesmal nicht nominierten Landsmanns Mario Cipollini, der die Tour nie zu Ende fuhr.

Andreas Zellmer und Robert Semmler / DPA

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