HOME

US Sport: Vorschau auf das College-Basketballturnier 2012

Mit Iden wurden im alten Rom Festtage in der Monatsmitte bezeichnet. An einem solchen Datum wurde auch Julius Cäsar ermordet. In den USA hält man sich an die römische Tradition des Feierns und startet am 15. März mit dem College Basketball-Turnier. Ermordet wird beim March Madness sicher keiner, doch hohe Stürze der Favoriten sind nicht ausgeschlossen.

Kenner des US Sports wissen die Antwort auf diese Frage: Was dauert von Mitte März bis Anfang April, hält Angestellte im ganzen Land von der Arbeit ab und endet mit einem abgeschnittenen Basketball-Netz? Sollten Sie jetzt wie aus der Pistole geschossen mit March Madness geantwortet haben, haben Sie Recht. Das Turnier um die Krone des College-Basketballs steht in den Startlöchern.

Denjenigen, die obige Frage nicht sofort beantworten konnten, sei schnell erklärt, wie die NCAA Men's Division I Basketball Championship, so der offizielle Titel, funktioniert. Nachdem am 13. und 14. März die letzten vier der 64 Teilnehmer ermittelt wurden, geht es am 15. März mit den 32 Spielen der zweiten Runde los.

Dabei werden die Mannschaften in vier Regionen eingeteilt, jedes dieser Teams bekommt einen Setzlistenplatz zugewiesen und wird so in der Regional Bracket gegen den Gegner gesetzt. So trifft die Nummer eins auf die Nummer 16, die zwei auf die 15 und so weiter. Die Gewinner der vier Regional Brackets – die in den Regional Finals am 22. bis 25. März in Atlanta, Boston, Phoenix und St. Louis ermittelt werden – ziehen in das Final Four in New Orleans (31. März bis 2. April) ein. Der Sieger darf sich College-Basketball-Meister nennen und – wie oben erwähnt - die Netze von den Körben abschneiden.

Die Qual der Wahl

Doch wie so oft im Sport sind vor den Sportlern die Herren Funktionäre dran. Am Selection Sunday, passenderweise auch dem Tag, an dem die Endspiele der Conference-Turniere stattfinden, treffen sich neun Herren und eine Dame, um nicht nur zu entscheiden, welche Teams überhaupt dabei sind, sondern auch, wer als Favorit ins Rennen geht.

Das Selection Commitee entschied sich für die Kentucky Wildcats, Syracuse Orange, North Carolina Tar Heels und die Michigan State Spartans als jeweilige Nummer eins. Die Spartans hatten dabei erst im Endspiel um den Titel der Big Ten Conference gegen den Erzrivalen Ohio State Buckeyes überzeugt und sich die Favoritenrolle in der westlichen Region gesichert. Die Buckeyes finden als Nummer zwei im Osten hinter Syracuse wieder – denn auch bei dieser Einteilung hat das zehnköpfige Gremium alle Freiheiten.

Wirklich hart wurde es jedoch in den unteren Teilen der Setzliste. 122 Teams mit mehr als 20 Saisonsiegen standen zur Auswahl für die Plätze des Turniers, letztlich fielen einige hoffnungsfrohe Mannschaften raus. Die naturgemäß nicht glücklich mit der Entscheidung waren: "Im Selection Commitee sitzen sicher viele Leute, die keine Ahnung vom Basketball haben", zitierte espn.com den Coach der Drexel Dragons, Bruiser Flint. Als Trostpreis bleibt die Teilnahme am NIT, dem National Invitation Tournament, das immerhin auch auf ESPN ausgestrahlt wird und dessen Final Four im New Yorker Madison Square Garden stattfindet.

Was der DEL die Preplayoffs...

"Wir haben sieben, acht Wochen in dieser Saison auswärts gespielt, um gegen Teams zu gewinnen, gegen die es zählt", erklärte Iona Gaels-Coach Tim Cluess bei ESPN dagegen ein Erfolgsrezept, wie man es schaffen kann. Lohn der Mühen ist die Teilnahme an der ersten Runde, bei einem Erfolg gegen die Brigham Young Cougars wären die Gaels im eigentlichen 64er Feld. Und müssten in der West Region gegen die an Nummer drei gesetzten Marquette Golden Eagles ran.

Wie die Gaels bewiesen, ist die Stärke der Gegner neben der Saisonbilanz ein wichtiges Kriterium für die Auswahl. Aus diesen beiden Statistiken wird der Ratings Percentage Index (RPI= erstellt, der im Zweifel an anderen Kriterien so manches Mal den Ausschlag zugunsten eines Teams gibt. Im Umkehrschluss bedeutet dies jedoch nicht, dass eine gutes Ranking in diesem Index eine automatische Teilnahme bedeutet.

Dieses Lied wissen neben den Dexter Dragons auch die Marshall Thundering Herd, Oral Roberts Golden Eagles oder die University of Central Florida (UCF) Knights zu singen, die allesamt in den Top 64 des RPIs gelistet waren, denen aber die Teilnahme am Turnier verwehrt bleibt.

Lass Dich überraschen!

Meist sind es tatsächlich die Teams wie Iona oder aber auch Drexel, die das Salz in der Suppe der March Madness sind. Schließlich erfreut nichts den Sportfan so sehr, als die Geschichte des Außenseiters, der die Großen ärgert. Solche Überraschungen sind es dann auch, die die eifrigen Ausfüller des Brackets – in dem der Ausgang aller Spiele des Turniers bis hin zum Final Four-Finale getippt wird – zur Verzweiflung oder zum Jubeln bringen. Denn die vier an Nummer eins gesetzten Teams vorzeitig zum Sieger küren, kann jeder, auch Präsident Barack Obama.

Denn auch ihn hat das Fieber namens March Madness in jedem Jahr gepackt, in jedem Jahr schickt ESPN ein Kamerateam ins Weiße Haus, um Obamas Bracket auf Video zu bannen. Seine Tipps muteten bisweilen sehr konservativ an, als Staatsoberhaupt muss er dazu diplomatisch sein, was das favorisieren von Teams betrifft. Im Sport und der Politik hört der Spaß ja bekanntlich auf.

Spaß hatten im letzten Jahr die VCU Rams, die sicher nicht nur Obamas Tipps erschütterten. Die an Nummer elf gesetzten Rams, die sich sogar noch in der ersten Runde durchsetzen mussten, waren im Vorfeld von Vielen als nicht turnierwürdig eingestuft worden und hatten sich am Ende bis ins Final Four vorgekämpft. Dort war gegen die Butler Bulldogs jedoch Schluss. 

Titelverteidiger trifft Titelanwärter?

Zuvor hatten die Rams unter anderem die in ihrer Region an Nummer eins gesetzten Jayhawks der University of Kansas geschlagen. Die entgehen, in der Midwest Region an Nummer zwei gesetzt, dieses Mal den Rams - zumindest bis zum Final Four. VCU könnte dagegen erneut zu einem Stolperstein für eine Nummer eins werden, in diesem Fall die Kentucky Wildcats.

Beide Teams könnten in den South Region Semifinals als Gegner aufeinander treffen. Wenn es die Wildcats überhaupt so weit schaffen, denn bereits in der dritten Runde droht das Duell mit den University of Connecticut Huskies, die sich im letzten Jahr den Meistertitel sicherten. Kentucky ist zwar bestens mit zukünftigen Profis besetzt, doch ausgerechnet UConn ist eines der Teams, das an das Talent der Wildcats herankommt - auch wenn der Final-Four-Gewinner des letzten Jahres nur als Nummer neun gesetzt sind.

Dazu kommt die Abneigung von Huskies-Coach Jim Calhoun gegen seinen Gegenüber John Calipari, mit dem er sich vor allem in dessen Zeit beim UConn-Nachbarn University of Massachusetts rieb. Das ist zwar bereits 16 Jahre her, doch ein Urgestein wie Calhoun, seit 26 Jahren am Ruder der Bulldogs, verzeiht nicht so schnell.

Wieder ein deutscher Titelträger?

Mit Enosch Wolf und Niels Giffey hat Calhoun sogar wieder zwei deutsche Eisen im Feuer, die er in dieser Saison jedoch meist spärlich einsetzte. Während das bei Center Wolf fast erwartet wurde, konnte Giffey zumindest seine Leistung aus dem letzten Jahr knapp steigern. Auf den großen Durchbruch wartet Giffey jedoch noch, bleibt er aber die volle Zeit am College, hätte er aber noch zwei Jahre Zeit. Und den Meistertitel hat er ja schon.

Landsmann Elias Harris fehlt die Meisterehre derzeit noch, doch der Small Forward ist einer der Stützen der Gonzaga Bulldogs und derzeit aussichtsreicher Kandidat auf eine NBA-Karriere. Im ersten Spiel des Turniers gegen die West Virgina Mountaineers wird Elias auflaufen, Mitspieler Mathis Mönninghoff muss nach einer durchwachsenen Saison vielleicht mehr auf der Bank Platz nehmen, als ihm lieb ist. Noch ärger hat es Martin Breuning von den Washington Huskies erwischt - er darf nur beim ungeliebten NIT teilnehmen. 

Sven Kittelmann

sportal.de / sportal

Wissenscommunity