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Wimbledon: Berdych und Nadal spielen um Federer-Krone

Tomas Berdych greift in Wimbledon nach den Sternen: Nach Titelverteidiger Roger Federer hat der Tscheche auch den Serben Novak Djokovic ausgeschaltet. Im ersten Grand-Slam-Finale seiner Karriere wartet auf Berdych jetzt eine fast unmöglich scheinende Aufgabe.

Rafael Nadal und Tomas Berdych kämpfen am Sonntag in Wimbledon um die Krone des sechsmaligen Champions Roger Federer. Nach dem entthronten "King Roger" musste am Freitag in London auch Novak Djokovic dran glauben und gegen Berdych die Segel streichen. Der "schlafende Riese" aus Tschechien buchte sein erstes Grand-Slam-Finale durch einen 6:3, 7:6 (11:9), 6:3-Erfolg gegen den Serben Djokovic, der sich noch so anstrengen konnte - der 196 Zentimeter lange Berdych ließ ihm keine Chance und zog als erster Tscheche seit Ivan Lendl 1987 ins Finale der All England Championships ein.

"Das ist unglaublich. Ich kann gar nicht beschreiben, wie ich mich jetzt fühle", sagte Berdych, der in Halle vor drei Jahren seinen bislang einzigen Rasentitel geholt hat. "Dass ich in einem Grand-Slam-Finale stehe, ist unwahrscheinlich schön. Dass es auch noch in Wimbledon ist, macht es noch fantastischer." Gegen Nadal, den Sieger von 2008, der voriges Jahr verletzt fehlte, ist er aussichtsreicher Außenseiter. Der Spanier mühte sich gegen Lokalmatador Andy Murray zu einem 6:4, 7:6 (8:6), 6:4-Sieg. Er schaffte damit den achten Sieg im elften Vergleich und zerstörte die Hoffnung der Briten, 74 Jahre nach Fred Perry endlich wieder einen heimischen Sieger feiern zu können.

Dem immensen Erwartungsdruck war der Weltranglisten-Vierte in seinem zweiten Halbfinale auf dem Heiligen Rasen nacheinander nicht gewachsen. Dazu setzte ihn Nadal, der als dritter Spieler nach Federer und Björn Borg zum vierten Mal in Serie die Finals von Roland Garros und Wimbledon im Doppelpack erreichte, zu unnachgiebig unter Druck. Im Tiebreak des zweiten Satzes war er zwar knapp dran am Ausgleich und auch im dritten Durchgang hatte er seine Chance, doch den Weg Nadals ins zehnte Grand-Slam-Finale konnte er dem an Nummer zwei gesetzten Weltranglisten-Ersten nicht verstellen.

Boris Becker sieht Berdych als Titelanwärter

"Ich werde es wie nach dem Sieg gegen Federer machen: erstmal ein bisschen feiern und dann mit voller Konzentration vorbereiten", sagte Berdych, der gegen Nadal nach Siegen 3:7 zurückliegt und die letzten sechs Vergleiche ausnahmslos verlor. Dennoch sieht Boris Becker den 24-Jährigen, der am Montag als Achter so hoch wie noch nie in der Weltrangliste notiert sein wird, als Titelanwärter. "Tomas ist in einer tollen Form und schlägt großartig auf", sagte der Leimener 25 Jahre nach seinem ersten von drei Triumphen in seinem "Wohnzimmer".

"Er war heute der Bessere und hat den Sieg verdient", sagte Djokovic. "So einfach ist das." Berdych leistete sich vor den Augen seines Landsmannes Jan Kodes, der 1973 als einziger Tscheche den Titel in Wimbledon geholt hat, nur wenige Fehler - bis auf das Ende des zweiten Satzes. Nachdem er im Tiebreak schon vier Satzbälle am Stück vergeben hatte, spielte ihm der Linienrichter in die Hand, als er einen Lob von Djokovic aus gab. Doch das war nicht der Satzgewinn, weil das Hawk-Eye den Fehler entlarvte. Den Punkt bekam der Serbe, der trotz der Niederlage wieder die Nummer zwei der Weltrangliste sein wird, aber erst nach der Wiederholung des Ballwechsels.

Auch das reichte nicht zum dritten Sieg im dritten Vergleich. Denn Berdych, der im Viertelfinale den Deggendorfer Daniel Brands erst nach vier knappen Sätzen bezwungen hatte, blieb ungerührt - und der Australian-Open-Sieger von 2008, Djokovic, zu unkonzentriert. Wie in der Vorschlussrunde vor drei Jahren, als er gegen Nadal verletzt aufgeben musste, reichte es wieder nicht zum Einzug ins Finale und zur Revanche gegen den fünfmaligen French-Open-Sieger aus Mallorca.

Von Andreas Bellinger/DPA / DPA

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