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Rechtsradikalismus im Stadion: Ultra muss wegen Hitlergruß 18 Monate ins Gefängnis

Weil er im Stadion den Hitlergruß zeigte, muss ein Ultra von Rapid Wien eine 18-monatige Haftstrafe antreten. Das entschied ein Schwurgericht in Wien. Die ungewöhnlich harte Strafe hat einen Grund.

Von Felix Kirsch

Ultras von Rapid während des letzten Heimspiels. Ein Ultra wurden wegen Zeigen des Hitlergrußes verurtei

Ein Ultra vom österreichischen Rekordmeister Rapid Wien wurde wegen dem Zeigen des Hitlergrußes verurteilt. Die Fangruppierung machte am letzten Spieltag mit der provokanten Choreographie "Journalisten Terroristen" auf sich aufmerksam. 

"Lieber Adi! Alles Gute zum Geburtstag! Gruß, 88". Mit diesen Worten gratulierte ein Ultra von SK Rapid Wien 2013 via Facebook Adolf Hitler zu dessen Geburtstag. Das Landgericht Linz verurteilte den Fußballfan daraufhin zu einer Bewährungsstrafe.

Diese Vorgeschichte muss man kennen, wenn es um einen aktuellen Fall geht. Denn nun wurde der Mann erneut verurteilt. Der Grund: Nationalsozialistische Wiederbetätigung. Der fünffache Familienvater zeigte am 13. August 2016 im Heimspiel gegen Admira Wacker Mödling im Stadion öffentlich den Hitlergruß. Ein Wiener Schwurgericht befand den Angeklagten für schuldig, das Urteil wurde rechtskräftig ausgesprochen. 

Stadionverbot wegen Hitlergruß

Der Mann, der laut eigenen Aussagen "eingefleischter Rapid-Fan" sei, hat ein langes Register an Vorstrafen aufzuweisen, unter anderem den eingangs erwähnten Geburtstagsgruß. Das hat das Schwurgericht auch dazu veranlasst, die eher ungewöhnlich hohe Haftstrafe zu verhängen.
Darüber hinaus brachte der Hitlergruß ihm nicht nur eine , sondern auch ein österreichweites Stadionverbot ein, das ihm laut der österreichischen Zeitung "Kurier" auch am "meisten weh tut". 

Doppeldeutiges Tattoo- Ultras oder Neo-Nazi ?

Die Geschworen und Laienrichter des Wiener Gerichts interessierten sich besonders für die Hintergründe der politisch motivierten Geste und befragten den Angeklagten nach dessen politischen Anschauungen.

Dass der 39-Jährige eine Tätowierung mit der in rechtsradikalen Kreisen eindeutigen Ziffer 88 auf dem rechten Handrücken tätowiert hat, hat laut eigenen Aussagen nichts mit Rechtsradikalismus zu tun: "Ich bin bei den . Mit Leib und Seele. Ultras war mein Leben", sagte der Angeklagte, wie die Zeitung "Standard" berichtet. Die Tätowierung bezieht sich demnach nach eigenen Angaben auf das Gründungsjahr der Ultras Rapid, nämlich 1988. Die Geschworenen kauften dem Mann seine Aussagen nicht ab und sprachen ihn in vollem Umfang schuldig. 

Ultras Rapid polarisieren mit Choreo

Die Ultras Rapid gelten grundsätzlich als unpolitisch. In der Vergangenheit hatte der Verein jedoch mit rechtsradikalen Tendenzen zu tun. Die organisierten Fans des österreichischen Klubs sorgten am vergangenen Heimspiel erneut für einen Eklat, wenn auch anderer Art. Die Choreografie zeigte ein Spruchbanner mit der Aufschrift "Die wahren Verbrecher seid ihr- Journalisten Terroristen" Die Fan-Szene des im Wiener Stadtteil Hütteldorf ansässigen Klubs gilt als sehr polarisierend und sorgt mit einigen Aktionen immer wieder für mediale Aufmerksamkeit.

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