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Interview

"Die Höhle der Löwen": Warum diese Frau mit nur fünf Zutaten den Kosmetikmarkt verändern will

Kokosöl, Zucker, Mandelöl: Was nach einem leckeren Nachtisch klingt, sind Zutaten der Kosmetiklinie "Five Skincare". Gründerin Anna Pfeiffer stellt ihre Produkte in die "Höhle der Löwen" vor. Im Gespräch erzählt sie, warum wir in Sachen Pflege alle einen Gang zurückschalten sollten.

Five Skincare aus der "Höhle der Löwen"

Vier Produkte, maximal fünf Inhaltsstoffe: Anna Pfeiffer (35) will mit "Five" den Kosmetikmarkt revolutionieren

Frau Pfeiffer, mit Five haben Sie eine Pflegeserie entwickelt, die mit wenigen, meist biologischen Inhaltsstoffen auskommt: Kokosöl, Sheabutter oder Rote Tonerde. In Drogerien gibt es aber zahllose Naturkosmetika. Brauchen wir da wirklich noch einen weiteren Anbieter?

Wir gehen noch einen Schritt weiter: Wir verzichten auf alle , die wir nicht auf der Haut unserer Kundinnen haben möchten und konzentrieren uns auf das Wesentliche. Wir verwenden pro Produkt maximal fünf Inhaltsstoffe, die wir transparent deklarieren. Normale Cremes – ganz gleich ob 0815-Ware oder Naturkosmetik – kommen locker auf 20 bis 30 Inhaltsstoffe. Welche Kundin blickt da schon durch?

Was sind Ihrer Meinung nach Stoffe, die in Cremes nichts zu suchen haben?

Allen voran: Wasser. Es ist meist Hauptbestandteil herkömmlicher Cremes. Nun ist Wasser an sich ist nichts Schlechtes, im Gegenteil. Die Haut braucht Feuchtigkeit und gleichermaßen. Wasser verkeimt aber schnell. Deswegen geben Hersteller Konservierungsstoffe in Cremes, um sie haltbar zu machen. Hinzu kommt: Wer Wasser und Fett in einer Creme verwendet, braucht Emulgatoren. Sonst würden sich diese zwei Bestandteile nicht miteinander verbinden. Aber die will man auch nicht unbedingt auf der Haut haben.

Was ist so falsch an Emulgatoren?

Klar, sie sind praktisch, und vereinen Fett und Wasser zu einer geschmeidigen Creme. Auf die Haut aufgetragen, verlieren Emulgatoren aber nicht ihre Eigenschaften. Das heißt, sie setzen sich in der Haut fest und arbeiten einfach weiter, verbinden also Feuchtigkeit und Fett. Dafür verwenden sie das, was sie vorfinden: Hautfett. Waschen wir uns nach dem Eincremen die Hände, fühlen sich die meist trockener an als vor dem Eincremen. Dafür sorgt der sogenannte Auswasch-Effekt. Die Emulgatoren binden das natürliche Hautfett, und das landet beim Händewaschen schließlich im Abfluss. Für sensible Haut ist das problematisch, weil so die Hautbarriere angegriffen wird.

In Ihren Cremes verwenden Sie ausschließlich Öle und Fette. Trocknet das die Haut nicht aus, weil Feuchtigkeit fehlt?

Unsere Produkte sind so konzipiert, dass man die Haut befeuchtet, ehe man das Öl oder die Shea-Creme aufträgt. Auf diese Weise machen wir uns eine natürliche Funktion der Haut zu Nutze: Sie kann nämlich selbst eine Emulsion aus Wasser und Fett herstellen. Das macht sie tagtäglich, zum Beispiel aus Schweiß und Hautfett.

In der "Höhle der Löwen" stellen Sie Ihre Produkte vor, darunter eine Pflegecreme, einen Body Scrub, ein Haar-Serum und einen Make-Up Entferner. Werden die Produkte nicht schnell ranzig, so ganz ohne Konservierungsstoffe?

Natürlich passiert das nach einer gewissen Zeit, wie bei jedem anderen naturbelassenen Öl oder Fett auch. Eine wichtige Rolle dabei spielt die Verpackung: Wir verwenden deshalb Blau-Glas, weil Öle lichtempfindlich sind. Unser Make-Up Remover enthält Jojoba-Öl, ein klassisches Basis-Öl, das andere Öle in dem Produkt stabil hält. Außerdem kommt Vitamin E zum Einsatz, das freie Radikale fängt. Aber natürlich entspricht die Haltbarkeit von naturbelassenen Produkten nicht ganz der von konservierten Kosmetika.

Wie lange hält sich die Pflegecreme nach Anbruch?

Ungefähr ein Jahr. Die Öle dagegen sind etwas empfindlicher.

Sie haben derzeit vier Produkte im Angebot. Warum so wenige?

Das entspricht unserer Philosophie – weniger ist mehr. Gerade in Sachen kann man wunderbar reduzieren. Das gilt vor allem für Menschen mit sensibler Haut. Benutzt man herkömmliche Kosmetika, trägt man im Laufe eines Tages locker 100 Inhaltsstoffe auf die Haut auf. Das muss sensible Haut erst einmal verkraften. Außerdem ist die Entwicklung neuer Produkte sehr teuer. Geld, das wir als Start-Up erst einmal haben müssen.

Woher beziehen Sie die Rohstoffe?

Wir lassen die Produkte bei unserem Partner in Bayern produzieren, der auch für uns die Rohstoffe einkauft. Dabei legen wir Wert auf Bio-Rohstoffe, wenn möglich. 

Bevor Sie Gründerin wurden, haben Sie als Grafikdesignerin gearbeitet. Woher kam der Sinneswandel?

Ich hatte sehr empfindliche, unreine Haut. Irgendwann habe ich mir mal Zeit genommen und nach einer Pflege gesucht, die das hält, was sie verspricht. Ich bin also in Geschäfte gegangen und habe mich beraten lassen und habe gemerkt, dass ich mich auf all die Produktversprechen und Verkaufsargumente nicht verlassen kann. Eben weil ich die Produkte und ihre komplexen Inhaltsstoffe nicht verstanden habe. Sensible Haut aber braucht einfache Inhaltsstoffe, kein Chi Chi. So kam die Idee für "Five" auf.

In der Sendung sind Sie einen Deal mit Judith Williams eingegangen. Doch dieser ist letztendlich nicht zustande gekommen. Wie kam’s?

Die Zusammenarbeit mit Judith war super, sehr freundschaftlich, eine wirklich schöne Erfahrung. Nach Aufzeichnung der Sendung habe ich ihr Team kennengelernt und wir haben uns mehrfach besprochen. Leider konnten wir uns nicht auf eine gemeinsame Strategie einigen, deswegen haben wir die Zusammenarbeit beendet.

Wie geht es nun für Sie weiter?

Wir sind derzeit komplett eigenfinanziert, haben aber eine klare Vision, wohin wir mit "Five" wollen: Wir wollen die Marke in Europa für transparente und verständliche Naturkosmetik werden. Dafür sind wir auf der Suche nach einem strategischen Investor, der unsere Philosophie und Strategie mitträgt.

Was ist in den letzten Monaten konkret passiert?

Wir arbeiten derzeit daran, unseren Online-Shop zu perfektionieren. Seit August verkaufen wir unsere Produkte neben der Schweiz auch nach Deutschland und Österreich. Meine Mission ist es, eine Community aufzubauen, die Frauen dabei hilft, ihre Haut besser zu verstehen und pflegen zu können. Die Nachfrage nach verständlichen Produkten ist enorm. Ich glaube, wir haben eine echte Chance, den Kundinnen das zu geben, was sie wollen. Langfristig wollen wir den europaweiten Markt anvisieren.


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