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TV-Kritik

DHDL: Maschmeyer platzt der Kragen und bekommt trotzdem den (ungewollten) Deal

Mal wieder Tag des offenen Portemonnaies bei Ralf Dümmel: "Mister Regal" sahnte zwei von vier Deals ab, während Carsten Maschmeyer lange leer ausging. Letztlich schnappte er sich mürrisch den letzten Deal - wenn auch ungewollt.

Von Mark Stöhr

Carsten Maschmeyer in der "Höhle der Löwen"

Eine Milliarde mal im Jahr wird in Deutschland die Bettwäsche gewaschen. Große Zahl, großer Markt. Doch nicht für Frank Thelen. "Ich habe viele Schwächen", bekannte der Unternehmer in der gestrigen Folge von "Die ": "Ich verstehe die Tierwelt nicht gut und habe keine Ahnung von Haushalt." Seine Vision für schmutzige Wäsche: "Dass sich irgendwann ein Roboter drum kümmert."

Von Robotik ist Andreas Plaths Erfindung weit entfernt. Sein "Trockenfix" ist geradezu die Antithese zu Hightech: Ein spiralförmig gebogener Kleiderbügel, auf den Betttücher zum Trocknen aufgezogen werden können. Platz sparen im Zeitalter der Singlehaushalte ist die Devise. Die Begeisterung der Löwen war allerdings überschaubar. Georg Kofler hielt den Bügel für "keine Raketeninnovation". fühlte sich nicht kompetent ("Wie das bei uns zu Hause mit der Wäsche läuft, weiß ich nicht"). Thelen war eh raus. 

Ralf Dümmel: Kapitalist und Kumpel

Nur einer hibbelte auf seinem Sessel herum und sah das Thema Trocknen auf einem neuen Level: Ralf, klar - wer sonst - Dümmel, der Stuckateur der großen Stückzahl und Polier der praktischen Lebenshelfer. Er verpasste dem ehemaligen Versicherungskaufmann eine – mit 49 Prozent Anteil ziemlich vergiftete – 200.000 Euro-Finanzspritze und drückte und herzte ihn wie einen alten Kegelbruder.

Natürlich ist Dümmel in erster Linie Geschäftsmann und Profitmaximierer. Aber er ist nett dabei. Diese Mischung aus Kapitalist und Kumpel verschafft ihm einen Vorteil gegenüber seinen Kollegen. Das zeigte sich beim zweitem Deal des Hamburgers. Es ging um Kokosnuss-Chips, die eine gebürtige Thailänderin in den deutschen Markt einführen wollte. Der Geschmack offenbar: phänomenal. Außer bei Maschmeyer ("Ich vertrage leider keine Kokosnuss") hingen die Zungen der Investoren auf dem Boden, vor allem machte sich ordentlich die Backen voll. Und er wollte unbedingt den Deal.

60-Sekunden-Ultimatum von Georg Kofler

Der ehemalige ProSieben-Chef, Sohn eines Holzfällers, gerierte sich plötzlich als Rambo und stellte der verblüfften Chipsfabrikantin ein 60-Sekunden-Ultimatum. Sollte sie in dieser Zeit nicht sein Angebot annehmen, würde es verfallen. Bereits nach fünf Sekunden intervenierte Dümmel: "Ich kann Ihnen versichern, dass noch andere Angebote kommen werden." Als die Zeit verstrichen war, startete er sofort seine Show ("Ich sage Ihnen jetzt vier Sachen: Mega! Mega! Mega! Mega!"), bekam den Zuschlag und flüsterte in der Umarmung sein mittlerweile legendäres "Das machen wir richtig groß".

Nicht jedes Startup reüssierte in der gestrigen Sendung. Drei Stuttgarter soffen regelrecht ab mit ihren Öko-Trinkhalmen aus einem Apfelsubstrat. Der Preis war den Löwen mit 69 Cent pro Stück zu hoch, die Konsistenz der Halme nach wenigen Minuten Matsch. Maschmeyer: "Das schmeckt katastrophal und weicht auf." Die verzweifelte Replik der Gründer: "Um mehr Geschmack reinzubekommen, brauchen wir Kapital." Daraus wurde nichts. 

Denis Güzelocak (l.) und Stefan Weinzierl aus München präsentieren bei DHDL mit "CurveSYS"

Denis Güzelocak (l.) und Stefan Weinzierl aus München präsentieren mit "CurveSYS" eine Lenkrad-Sensorik für Kraftfahrzeuge. Sie erhoffen sich ein Investment von 300.000 Euro für 10 Prozent der Anteile an ihrem Unternehmen.

Auch das Yoga Board von zwei besten Freunden fiel durch. : "Euer Board kickt mich nicht." Maschmeyer fand die Bewertung des Unternehmens mit 2,75 Millionen Euro viel zu hoch und warf einen genauen Blick auf die Patentpapiere ("Das Patent ist ja nur beantragt und noch nicht erteilt!"). Raus mit Applaus. Judith Williams: "Investieren Sie weiterhin in sich selbst und in Ihr Board."

Maschmeyers ungeliebter Deal

Sehr gut kam die Gründerin von "Design Bubbles" mit ihren Bio-Kerzen in abgeschnittenen Champagner-Flaschen an. Die BWL-Absolventin legte einen superstreberhaften, dabei allerdings nicht durchweg sympathischen Auftritt hin ("Ich will Design Bubbles zur coolsten Candle-Company der Welt machen"). Dagmar Wöhrl riss sich das Luxus-Label – 79 Euro pro Kerze – unter den Nagel. Carsten Maschmeyer stand zu diesem Zeitpunkt der Show noch mit leeren Händen da. Mürrisch verfolgte er den letzten Pitch, in dem ein Alarmsystem gegen den Sekundenschlaf im Auto vorgestellt wurde. Eine gründlich verhauene Katastrophenpräsentation.

Konfus und voller Selbstüberschätzung priesen die beiden Gründer ihr keineswegs sattelfestes Produkt an ("Wir hatten ein Kaufangebot von einem riesigen US-Giganten für sechs Millionen Euro – da kommen aber schon noch ein, zwei Nullen dran, wenn das richtig läuft"). Irgendwann platzte Maschmeyer der Kragen. "Sie würden sich einen Gefallen tun, wenn Sie mit Ihren Argumenten nicht so kreuz und quer fahren und sich an die Gesprächsgeschwindigkeitsbegrenzung halten würden", blaffte er das Duo an – um ihnen am Ende ein unmoralisches Angebot zu machen: 25,1 statt der anvisierten 10 Prozent Firmenanteile. Als die beiden zustimmten, war Maschmeyer baff, er hatte mit einem Nein gerechnet. Resigniert sagte er: "Ja, dann müssen wir jetzt auch was dazu machen." Es war nicht sein Abend.

"Die Höhle der Löwen" zum Lesen: Das Magazin zur Sendung erscheint pünktlich zum Start der fünften Staffel am 04. September 2018. Hier können Sie das Heft portofrei bestellen.

"Die Höhle der Löwen" zum Lesen: Das Magazin zur Sendung erscheint pünktlich zum Start der fünften Staffel am 04. September 2018. Hier können Sie das Heft portofrei bestellen.