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"Die Höhle der Löwen" Zwei Gastlöwen schnappen Ralf Dümmel die Deals weg

Die Ankerkraut-Gründer Anne und Stefan Lemcke sind als "Gast-Löwen" zurück
Die Ankerkraut-Gründer Anne und Stefan Lemcke sind als "Gast-Löwen" zurück
© Bernd-Michael Maurer / MG RTL D
Sonnenbrillen aus T-Shirts, Paniermehl aus Gemüse und ein Deo im Abo – die Gründer sparten diesmal nicht mit innovativen Produkten und Geschäftsmodellen. Der eigentliche Aufreger saß aber auf der Seite der Investoren: Anne und Stefan Lemcke von Ankerkraut boten als Gast-Löwen mit.

2016 schnappten sich Anne und Stefan Lemcke mit ihrem Food-Startup Ankerkraut in der "Höhle der Löwen" einen 300.000 Euro-Deal. 2020 verkauften sie 20 Prozent ihres Gewürzimperiums, das mittlerweile 50 Millionen Euro Umsatz macht, an einen französischen Fonds. Die Kriegskasse des Paares war bei seinem Gastauftritt also gut gefüllt. Das bekam vor allem Ralf Dümmel zu spüren.

Die präsentierten Produkte

Holy Pit – natürliche und nachhaltige Deo-Produkte

Kleiderly – Brillen aus recycelten Kleidern

Moovya – Fitness-Gaming-App

Stur – leichtere Gußeisenpfannen

Veggie Crumez – Panade aus Gemüse

Der knusprigste Deal

Erst Spott, dann Schwärmerei. Als Georg Kofler die Bühnenkulisse von Veggie Crumez betrachtete, witzelte er noch: "Endlich mal was Veganes." Eine Essensprobe später kam er aus den Superlativen nicht mehr heraus. "Wir hatten hier bisher noch kein Food-Produkt, dass so eine perfekte Lösung war und dass mir so gut geschmeckt hat." Die Panade der beiden Jungunternehmer Wayne und Marlone besteht komplett aus frischem Gemüse, hat einen vierfach höheren Ballaststoffgehalt als herkömmliches Paniermehl und enthält 50 Prozent weniger Fett.

Aus Stefan Lemcke, der männlichen Hälfte von Ankerkraut, platzte es heraus: "Das Produkt ist geil, ihr seid geil!" Er gab ein Angebot ab. Als Kofler und Dümmel im Doppelpack mitboten, packte der "Teilzeit-Löwe" (Kofler) die Boxhandschuhe aus: "Denkt genau darüber nach, was ihr jetzt macht", wandte er sich an die Gründer. "Wir haben eine Handvoll Investments, um die wir uns persönlich kümmern. Die beiden haben Riesenläden, die toll sind, aber Riesenläden." Das Argument verfing. Die Gemüse-Panade ging an Ankerkraut. 

"Die Höhle der Löwen": Diese cleveren Produkte bringen heute Millionen ein

Die Gründer der Herzen

Der zweite Rückschlag für Ralf Dümmel ging unter die Achsel. Branka und Asmir von Holy Pit (der stern hat das Produkt getestet) haben ein Deo entwickelt, das die Bakterien unter den Armen bekämpft, denn erst sie machen den eigentlich geruchsneutralen Schweiß bekanntlich übelriechend. Die Inhaltsstoffe – unter anderem Natron und Zinkoxid – sind keine Neuheit, innovativ ist das Refill-Prinzip, um Müll zu vermeiden, und ein Abosystem. Von den etablierten Löwen kamen die erwartbaren Einwände: Abo funktioniert nicht, das Produkt sei von den Kosmetikmultis leicht kopierbar. Asmir konterte schlau: "Wir wollen kopiert werden, damit kein Müll mehr produziert wird."

Stefan Lemcke, der sich etwas nervig die ganze Show hindurch als Ich-weiß-wie-ihr-euch-fühlt-Buddy inszenierte, sprang den Gründern zur Seite: "Blendet die Argumente aus und macht so weiter wie bisher." Am Ende kam es wieder zum Showdown zwischen Ankerkraut und Dümmel – und wieder zog Ralf "Ich bring euch in alle Drogerien" Dümmel den Kürzeren. 

Ein "pfanntastisches" Investment?

Ralf Dümmel hat nach eigenem Bekunden schon Pfannen "im zweistelligen Millionenbereich" verkauft. An die Gusseisenpfanne der Marke Stur traute er sich aber nicht heran. Zu hoch sei ihm die Wette, sagte er, da noch kein einziges Exemplar ausgeliefert worden sei. Das Konzept der beiden Gründer ist gleichwohl spannend. Seit Jahren betreiben sie den Blog Pfannenhelden mit hunderttausenden Lesern und haben zusammen mit der Community ihre Pfanne entwickelt.

Mittlerweile sind Vorbestellungen mit einem Volumen von über anderthalb Millionen Euro aufgelaufen. Georg Kofler rühmte die "Marketingleistung" und machte eines seiner berüchtigten, schamlosen Angebote – 30 Prozent Beteiligung statt der gewünschten 10. Ankerkraut-Stefan kumpelte die beiden Pfannenphilosophen hemmungslos an ("Umsatz fängt im Herzen an, nicht in Excel") und zog mit 25 Prozent nach. Das Stur-Duo blieb stur. "Das ist unser Baby, und wir wollen es schützen." 

No-Deal der Woche

Das ist mal wirklich eine bahnbrechende Idee: Altkleider werden zu einem Granulat recycelt, das wie Kunststoff verarbeitet werden kann. Adieu Erdöl. 87 Prozent aller Textilien, rechneten die Macher von Kleiderly vor, landeten auf der Deponie oder würden verbrannt. Sie präsentierten gleich zwei Produkte: das Verfahren zur Herstellung des Wundergranulats und Sonnenbrillen, die aus T-Shirts produziert wurden. Georg Kofler war skeptisch: "Der Großteil der Kleider ist aus Plastik. Ich sehe hier eigentlich nur neues Plastik, das aus altem Plastik gemacht wurde." Ralf Dümmel wandte ein: "Da ist aber auch Baumwolle drin."

Woran der Deal letztlich scheiterte, war die Zweigleisigkeit von Kleiderly. "Beide Bereiche zusammen geht nicht", sagte Dagmar Wöhrl, "ihr müsst euch zwischen der Technologie und dem Produkt entscheiden." Kofler schreckte auch der niedrige Betrag ab, den das Gründerteam aufrief: "Ich dachte erst, ich mache ein Sympathie-Investment. Aber die Idee ist zu groß, als dass mit 90.000 Euro was auszurichten wäre."

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