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Übernahme geschafft: Cingular greift sich AT&T Wireless

Das Geschäft ist perfekt: Cingular Wireless schlägt Vodafone im Bieterwettstreit um den US-Mobilfunkkonzern AT&T Wireless. Für 41 Milliarden Dollar erhielten sie den Zuschlag.

Auf dem US-Mobilfunkmarkt gibt es einen neuen Marktführer: Die bisherige Nummer zwei Cingular Wireless schluckt nach einem Bieterkampf den Branchendritten AT&T Wireless für 41 Milliarden Dollar. Der neue Konzern wird 46 Millionen Kunden und einen Umsatz von mehr als 32 Milliarden Dollar (25 Mrd Euro) haben. Cingular setzte sich gegen den weltgrößten Mobilfunkkonzern Vodafone durch, der sein Gebot zurückzog.

Das Cingular-Angebot von 15 Dollar je Aktie ist bereits von den Verwaltungsräten beider Unternehmen gebilligt worden. Cingular wird über eines der modernsten digitalen Mobilfunknetze der USA verfügen und landesweit vertreten sein. Cingular Wireless hatte bisher 24 Millionen US-Kunden, AT&T Wireless rund 22 Millionen. Cingular gehört den großen US-Regionaltelefongesellschaften SBC Communications zu 60 Prozent und BellSouth zu 40 Prozent. Bisheriger Mobilfunk-Marktführer war Verizon Wireless.

Hat Vodafone verschlafen?

Nach Informationen der 'Financial Times' habe Vodafone das nächste gebot buchstäblich "verschlafen". Durch den Zeitunterschied zwischen New York und London seien die meisten Vodafone-Chefs schon im Bett gewesen, als Cingular das entscheidende erhöhte Angebot unterbreitet habe, berichtete die 'Financial Times' am Mittwoch unter Berufung auf einen Informanten aus dem Vodafone-Lager.

Als der Vodafone-Vorstand am Dienstagmorgen wach geworden sei, seien Cingular und AT&T schon mit der Vorbereitung einer Pressekonferenz über den abgeschlossenen Deal beschäftigt gewesen. Vodafone bestritt diese Darstellung. Es sei schlicht nicht mehr zu verantworten gewesen, das neue Angebot von Cingular noch zu überbieten, hieß es.

Wettstreit Cingular gegen Vodafone seit der ersten Bieterrunde

Im Übernahmepoker um die US-Mobilfunkfirma AT&T Wireless hatte Cingular Wireless zunächst ein Gebot von 35 Milliarden Dollar (27,6 Mrd Euro) abgegeben. Auch der weltgrößte Mobilfunkbetreiber Vodafone hat einem Bericht des 'Wall Street Journal' zufolge 35 Milliarden Dollar für die Übernahme des defizitären US-Mobilfunkkonzerns AT&T Wireless geboten. AT&T jedoch hatte höhere Gebote gefordert.

Weitere Kandiadten wie Nextel Communications sowie die japanische Mobilfunkfirma NTT DoCoMo, die mit 17 Prozent an AT&T Wireless beteiligt ist, hatten sich gegen eine Beteiligung an der Bieterrunde entschieden. Die AT&T Wireless-Aktien profitierten und stiegen schon am Freitag, dem ersten Angebotstag, um 15 Cent auf 11,82 Dollar. Sie hatten Anfang Dezember vergangenen Jahres noch bei rund sieben Dollar gelegen.

Aktionäre und Aufsichtsbehörden müssen noch zustimmen

Die Aktionäre von AT&T Wireless und die Aufsichtsbehörden müssen noch ihre Zustimmung geben. Die US-Wettbewerbshüter dürften die Transaktion sehr genau unter die Lupe nehmen, da durch den Kauf eine von sechs der großen US-Mobilfunkfirmen wegfallen wird. Konkurrenten wie die Deutsche-Telekom-Tochter T-Mobile USA, Sprint PCS und Nextel stehen zukünftig den sehr viel größeren Branchenführern Cingular und Verizon Wireless gegenüber.

Cingular-Chef Stan Sigman betonte, dass das fusionierte Unternehmen viel bessere Wachstumschancen habe. Die Aktien von AT&T Wireless stiegen in New York um 18,61 Prozent auf 14,02 Dollar. Sie hatten vor der Übernahmeschlacht lange zwischen sechs und neun Dollar notiert. Der SBC-Aktienkurs fiel um 3,19 Prozent auf 24,25 Dollar, während die BellSouth-Aktien um 3,55 Prozent auf 28,50 Dollar nachgaben. Die Vodafone-Aktien legten in New York um 4,31 Prozent auf 26,87 Dollar zu.

Cingular hofft auf Kostenersparnisse

Vodafone will seine Position im US-Markt durch die Partnerschaft mit Verizon Wireless beibehalten. Vodafone ist an Verizon Wireless mit 45 Prozent beteiligt. Die bisher größte US-Mobilfunkfirma wird zu 55 Prozent von der US-Telefongesellschaft Verizon Communications kontrolliert.

Cingular verspricht sich durch den Zusammenschluss bis 2007 jährliche Kostenersparnisse von mehr als zwei Milliarden Dollar. Die Kauffinanzierung soll zu 25 Milliarden Dollar von SBC und zu 16 Milliarden Dollar von BellSouth getragen werden. Die Transaktion werde die Gewinne beider Unternehmen in 2005 und 2006 belasten. Die Gewinne pro Aktie würden ab 2007 positiv beeinflusst.

DPA, Reuters / DPA / Reuters