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Gammelfleisch-Skandal: Tonnenweise vergammelte Dönerspieße

Nach und nach werden Details über die Ausmaße des jüngsten Gammelfleisch-Skandals bekannt. Derweil übt Verbraucherminister Horst Seehofer scharfe Kritik. Dem Minister sind die Hände gebunden - Lebensmittelkontrollen sind Ländersache.

Im jüngsten Lebensmittelskandal um vergammeltes Fleisch hat Bundesverbraucherminister Horst Seehofer (CSU) die Bundesländer scharf kritisiert. "Ich weise seit Monaten darauf hin, dass die Lebensmittelkontrollen in Qualität und Dichte in Deutschland verbesserungsbedürftig sind", sagte Seehofer am Samstag am Rande des CSU-Grundsatzkongresses. "Die meisten Bundesländer haben sich dem bislang widersetzt", sagte der Minister, ohne dabei einzelne Länder konkret zu nennen.

In Großhandelsbetrieben in München und in Niederbayern waren in der vergangenen Woche insgesamt fast 100 Tonnen Fleischprodukte beschlagnahmt worden, deren Haltbarkeitsdaten um bis zu vier Jahre überschritten waren. Mehrere hundert Kilo Ware des Münchner Großhändlers wurden unterdessen in Hessen beschlagnahmt. Er soll auch Fleisch nach Baden-Württemberg und Niedersachsen geliefert haben.

Seehofer verwies darauf, dass die Lebensmittelkontrollen Ländersache seien. Der Bund könne in diesem Bereich nur koordinieren, sich aber nicht an die Stelle der Länder setzen.

Keine Gefahr für den Verbraucher

Das Ausmaß des Gammelfleisch-Skandals in Bayern ist nach Angaben der Polizei noch nicht abzusehen. Am Samstag ging die Auswertung der sichergestellten Geschäftsunterlagen weiter. Wie Polizeisprecher sagten, sei angesichts des großen Umfangs der Beweismittel mit weiteren Ermittlungsergebnissen kurzfristig nicht zu rechnen.

Der Münchner Fleischhandel hatte nach bisherigen Ermittlungen Gastronomie-Betriebe in ganz Deutschland und anderen europäischen Ländern beliefert. Zu der dort gefundenen Gammelware gehörten laut Behörden unter anderem tonnenweise Dönerspieße. Die Landesgesundheitsbehörden in Bayern gehen nach ersten Untersuchungen nicht von einer Gefahr für die Verbraucher aus. Ein Zusammenhang zwischen den Fällen in München und in Metten im Landkreis Deggendorf sah die Polizei bislang nicht.

Grünen kritisieren Informationspoltik der Landesregierung

Die bayerische Staatsregierung sieht sich durch den Skandal heftiger Kritik ausgesetzt. So werfen ihr Die Grünen erschreckende Lücken im Verbraucherschutz vor. Die Bundesregierung zeigte sich verärgert über die schleppende Informationspolitik Bayerns. Der Gammelfleisch-Fund sei seit einer Woche bekannt, doch die Informationen kämen nur "tröpfchenweise beim Bund" an, hatte der Staatssekretär im Bundesverbraucherschutzministerium, Gert Lindemann, kritisiert.

Verbraucherschützer werfen dem bayerischen Gesundheitsminister Werner Schnappauf (CSU) vor, dass nach der Ankündigung verschärfter Kontrollen in Folge früherer Fleischskandale wieder nicht die Behörden die neuen unhaltbaren Zustände aufgedeckt hätten, sondern die Polizei auf Grund anonymer Hinweise.

Fleisch auch in Hessen beschlagnahmt

Der Geschäftsführer der Münchner Fleischhandelsfirma blieb nach einem Verhör am Freitag auf freiem Fuß. Gegen den 53-jährigen Inhaber der Fleischzentrale im niederbayerischen Metten wird wegen Betrugsverdachts und Verstößen gegen das Lebensmittelrecht ermittelt.

Mehrere hundert Kilo Ware aus des Münchner Großhändlers wurden auch in Hessen beschlagnahmt, teilte das Wiesbadener Umweltministerium am Samstag mit. Zwei Asien-Läden und ein Zwischenhändler im Rhein-Main-Gebiet hätten 433 Kilo Ente, Rind, Schwein und Huhn bezogen. Auch in Mainz und Kaiserslautern hatten die Behörden zuvor eventuell verdorbene Lebensmittel sichergestellt. Die Unternehmen sind nach Angaben des Verbraucherschutzministeriums in Mainz von einer bayerischen Firma beliefert worden, bei der in dieser Woche verdorbene Lebensmittel gefunden worden waren.

DPA / DPA