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Importsperren: Zahlreiche Länder stoppen US-Rindfleisch-Importe

Nach der Entdeckung einer offenbar BSE-infizierten Kuh verhängten zahlreiche Länder Importverbote für US-Rindfleisch. Aktien von Hamburgerketten wie McDonald's gaben nach.

Zahlreiche Länder haben am Mittwoch in Reaktion auf den ersten BSE-Verdachtsfall in den USA ihre Rindfleischimporte aus den USA gestoppt. Die EU bezeichnete den Schutz vor BSE allerdings als derzeit ausreichend. Nach Bekanntgabe des BSE-Verdachts gaben die Aktien von Rindfleisch verarbeitenden Unternehmen wie die der Schnellrestaurantkette McDonald's und Wendy's nach. Die Kette Burger King teilte mit, man verwende bei der Herstellung von Hamburgern nur reines Muskelfleisch, und dies sei auch noch nie mit BSE in Verbindung gebracht worden.

Endgültiges Testergebnis aus britischem Labor

Die US-Geundheitsbehörde FDA teilte mit, wahrscheinlich sei die verdächtige Holsteiner Kuh bereits in der Geburtsherde mit infiziertem tierischem Abfall gefüttert worden. Nun werde geprüft, ob die bisher geltenden strengen Regelungen über die Tierfütterung noch einmal verschärft werden müssten. US-Landwirtschaftsministerin Ann Veneman hatte am Dienstagabend mitgeteilt, eine vier Jahre alte Holsteiner-Kuh sei im Bundesstaat Washington mutmaßlich positiv auf BSE getestet worden. Ein endgültiges Ergebnis sollten Tests eines britischen Labors in drei bis fünf Tagen bringen.

Hauptkunden stoppten Einfuhren

Nach dem Bekanntwerden des BSE-Verdachts stoppten zahlreiche Länder, darunter die wichtigsten Kunden für US-Rindfleisch, Japan, Südkorea und Mexiko die Rindfleisch-Einfuhren aus den USA. Auch Südkorea, Hongkong, Singapur, Taiwan, Südafrika, Brasilien, Chile, China und Russland schlossen sich dem Einfuhrstopp an. "Die Aussetzungen sind alle zeitweilig und hängen von der Bestätigung der Krankheit im Bundesstaat Washington ab", teilte das südkoreanische Landwirtschaftsministerium mit. Kanada, der viertgrößte Importeur von US-Rindfleisch, stoppte zunächst nur die Einfuhren von bestimmten Rindfleisch-Sorten.

Ohnehin EU-weites Importverbot für US-Fleisch

Die Europäische Union (EU) plant gegenwärtig keine Verschärfung der Maßnahmen zum Schutz vor BSE. "Wir beobachten die Situation aufmerksam", sagte eine EU-Sprecherin. "Im Moment halten wir die Maßnahmen für ausreichend." Wegen der Behandlung von Rindern in den USA mit Wachstumshormonen hat die EU ohnehin ein Importverbot für einen Großteil des US-Rindfleischs verhängt.

Verluste für Rindfleischindustrie

Für die Rindfleisch-Industrie in den USA könnte Analysten zufolge BSE Verluste in Milliardenhöhe bedeuten. Ein Experte schätzte, der Vorfall könnte einen Preisrückgang für Schlachtvieh zwischen zwölf und 16 Prozent auslösen. Dies könne auf einen Verlust von rund zwei Milliarden Dollar im Jahr 2004 hinaus laufen. Für das auslaufende Jahr wird der Umsatz von Rindfleisch auf rund 37 Milliarden Dollar geschätzt.

Aktien der Schnellrestaurants gingen zurück

Im vergangenen Jahr umfasste der gesamte US-Export von Rindfleisch offiziellen Angaben zufolge 3,2 Milliarden Dollar. Auch Rindfleisch verarbeitende Unternehmen wie McDonald's würden Einbuße verzeichnen. Die Aktien der Schnellrestaurantketten McDonald's und Wendy's gaben am Mittwoch um über vier Prozent nach. Allerdings werde die Auswirkung kurzfristig bleiben, falls es sich um einen Einzelfall handeln sollte, sagten Händler.

Veneman wiegelt ab

Veneman sagte, es sei kein Gewebe des Gehirns oder des Nervensystems des erkrankten Tieres in die menschliche Nahrungskette gelangt. Die Verbraucher rief sie auf, nicht in Panik zu verfallen. "Ich plane, an Weihnachten Rindfleisch zu servieren", sagte sie. "Das Risiko für die Gesundheit des Menschen durch BSE ist extrem niedrig."

Kann auf den Menschen übertragen werden

Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich die Hirnerkrankung BSE (Bovine Spongiforme Enzephalopathie) auf den Menschen übertragen kann, wenn sie verseuchtes Rindfleisch essen. Die Rinderseuche hatte sich seit Mitte der 90er Jahre von Großbritannien aus über den europäischen Kontinent verbreitet, nachdem Rinder mit Tierabfällen gefüttert worden waren. Allein in Großbritannien waren im Kampf gegen BSE 3,7 Millionen Rinder getötet worden. BSE steht im Verdacht, beim Menschen eine bestimmte Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit auszulösen, an der soweit bekannt mehr als 130 Menschen gestorben sind.

DPA