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20 Tipps: Wie werde ich mein eigener Chef?

Ob Ich-AG, Handwerk oder High Tech: Nur wer gut vorbereitet ist, kann erfolgreich eine Firma gründen. 20 Schritte zur Selbstständigkeit.

1. Bin ich ein Unternehmertyp?

Vor dem Schritt in die Selbstständigkeit sollten Sie sich prüfen: Wie kommen Sie mit Stress zurecht, mit wenig Urlaub, ungewissem Einkommen und viel Arbeit? Zwar können Gründer einiges in Seminaren lernen, aber nicht jeder ist ein Unternehmertyp. Gründungsexperte Heinz Klandt von der European Business School in Oestrich-Winkel hat fünf Eigenschaften für erfolgreiche Gründer identifiziert: Leistungsmotivstärke (vor Schwierigkeiten nicht weglaufen), Kontrollüberzeugung (starkes Bewusstsein für eigene Stärken und Dinge gern selbst in die Hand nehmen), Risikoeignung (etwas wagen, aber hohe Risiken meiden), Problemorientierung und Durchsetzungsvermögen.

Tipp: Unter www.ebs-gründertest.de kann man in einem Psychotest die eigenen unternehmerischen Fähigkeiten prüfen.

2. Gründe ich allein oder besser im Team?

Vor allem im Dienstleistungssektor können auch Einzelkämpfer Erfolg haben. Voraussetzung ist ein Mindestmaß an betriebswirtschaftlichen Kenntnissen, das man sich in Kursen aneignen kann. Wenn es inhaltlich komplizierter wird, etwa bei Gründungen im High-Tech-Bereich, bieten Teams Vorteile: kaufmännische und technische Fähigkeiten und Talente können sich ergänzen, es steht mehr Eigenkapital zur Verfügung.

Tipp: Ein Team sollte aus maximal drei Personen bestehen, sonst werden Entscheidungsprozesse schwierig. Unbedingt per Vertrag die Aufgaben verteilen.

3. Woher weiß ich, ob meine Geschäftsidee etwas taugt?

Bevor Sie unnötig Zeit, Energie und Geld verpulvern, überprüfen Sie den Markt: Gibt es mein Produkt schon? Wo ist Konkurrenz, wo sind potenzielle Kunden? Scheuen Sie sich nicht, von der Erfahrung anderer Gründer zu profitieren, die Ihnen einige Zeit voraus sind. Längst nicht jeder wird Sie als unliebsamen Konkurrenten sehen.

Tipp: Kontakt zu anderen Unternehmern finden Sie in örtlichen Gründer-Workshops oder im Internet: Gründerstadt.de.

4. Wie komme ich von der Idee zu einem schlüssigen Geschäftskonzept?

Schreiben Sie einen Businessplan. Er dient als Fahrplan für Ihr Unternehmen und hilft nicht nur bei der Bank, sondern auch bei der Kontrolle des eigenen Erfolgs. Wichtig ist zunächst ein zusammenfassender Überblick von nicht mehr als drei Seiten. Er soll alle wichtigen Aspekte der Neugründung ansprechen und verdeutlichen, was das Unternehmen erfolgreich machen wird. In den detaillierteren Teil gehört der Finanzplan, in dem Eigen- und Fremdkapitalanteil sowie die Finanzierung durch Bankkredite und Förderprogramme erläutert werden. Außerdem eine Marktanalyse, in der potenzielle Kunden identifiziert werden, und ein Überblick über die Qualifikation des Gründers. Maximaler Umfang: 35 Seiten.

Tipp: Hilfe beim Erstellen des Geschäftsplans bietet die kostenlose Software-Sammlung des Wirtschaftsministeriums und das StartUp-Handbuch (unter "Wettbewerb").

5. Wer hilft mir bei den ersten Schritten?

Kostenlose Beratung gibt es in örtlichen Gründerzentren, bei Industrie- und Handelskammern, bei Handwerkskammern und bei den Arbeitsagenturen.

Tipp: Das Bundeswirtschaftsministerium übernimmt einen Teil der Kosten für Seminare oder Beratungen für Gründer. Infos unter BAFA.

6. Kann ich mich als Arbeitsloser selbstständig machen?

Für Arbeitslose, die ein Unternehmen gründen möchten, gibt es noch zwei Förderinstrumente der Bundesagentur für Arbeit (BA): den Existenzgründungszuschuss (Ich-AG) und das Überbrückungsgeld.

Tipp: Für Arbeitslosengeld-II-Empfänger bietet die BA von 2005 an eine neue Fördermöglichkeit: das Einstiegsgeld.

7. Wann darf ich als Handwerker einen eigenen Betrieb eröffnen?

Der Meisterzwang ist seit Anfang 2004 in 53 von 94 Handwerken entfallen. Zudem können sich auch in den 35 zulassungspflichtigen Handwerken Gesellen selbstständig machen, wenn sie sechs Jahre Berufserfahrung vorweisen können, davon vier in leitender Position. Auch das Inhaberprinzip wurde abgeschafft: Betriebe, die ein zulassungspflichtiges Handwerk ausüben, können von Einzelunternehmern oder Personengesellschaften geführt werden, wenn diese einen Meister einstellen. Auch Ingenieure und staatlich geprüfte Techniker dürfen künftig nach Prüfung ihrer Qualifikation ein Handwerk ausüben.

Tipp: Gründer sind in den ersten vier Jahren teilweise von den Kammerbeiträgen befreit.

8. Welche Leistungen erhalte ich als Arbeitsloser?

Der Existenzgründungszuschuss ersetzt Arbeitslosengeld oder -hilfe und ermöglicht die Gründung einer

Ich-AG

: Im ersten Jahr gibt es 600 Euro monatlich, im zweiten 360 Euro, im dritten 240 Euro. Der Zuschuss muss nicht zurückgezahlt werden - alle Ich-AG-Gründer müssen jedoch einen geprüften Geschäftsplan vorlegen. Der Ich-AGler kann auch Mitarbeiter beschäftigen, darf jährlich aber nicht mehr als 25.000 Euro Gewinn machen.
Das

Überbrückungsgeld

wird für sechs Monate gezahlt, die Höhe richtet sich nach dem Arbeitslosengeld, auf das der Gründer Anspruch hätte. Hinzu kommt eine Pauschale für die Sozialversicherung. Es muss ebenfalls ein geprüfter Geschäftsplan vorgelegt werden.
Das

Einstiegsgeld

wird an Arbeitslosengeld-II-Empfängern gewährt, die sich selbstständig machen wollen. Dauer (maximal 24 Monate) und Höhe der Förderung werden nach der Arbeitslosigkeitsdauer, der Höhe des Eigentums und des Bedarfs berechnet.

Tipp: Wer eine Ich-AG gründen möchte, muss sich deshalb beeilen.

9. Wann ist welche Förderung für Arbeitslose besser?

Wer vor der Gründung viel Arbeitslosengeld erhalten hat oder davon ausgeht, dass der Gewinn schnell über 25.000 Euro steigen wird, ist mit dem Überbrückungsgeld besser bedient. Eine Ich-AG dagegen lohnt sich vor allem für Existenzgründer mit wenig Arbeitslosengeld.

Tipp: Mehr Informationen bieten die örtlichen Agenturen für Arbeit.

10. Eine bestehende Firma übernehmen oder als Franchisenehmer anfangen - ist das weniger riskant?

Jedes Jahr stehen in Deutschland Tausende Firmen zum Verkauf. Vorteile: Das Unternehmen und sein Produkt sind am Markt etabliert, die Kunden müssen nicht erst gewonnen werden. Allerdings: Ein Nachfolger ist von Anfang an mehr gefordert; die Mitarbeiter messen den Neuen an seinem Vorgänger. Im Regelfall erfordert die Übernahme mehr Startkapital als der Aufbau eines neuen Unternehmens.
Franchise bedeutet Konzession. Der Franchise-Geber erteilt die Erlaubnis, seine Geschäftsidee (Name, Know-how, Marketing) zu nutzen. Der Franchise-Nehmer führt den Laden im Rahmen des festgelegten Konzepts, aber auf eigenes Risiko. Bekannte Modelle sind McDonald's oder Kamps. Franchise reduziert das Risiko, kann aber die Freiheit des Franchise-Nehmers so stark einschränken, dass kaum noch Gewinne drin sind.

Tipp: Bevor Sie eine Firma übernehmen, lassen Sie sie von Experten bewerten. Übernahmeangebote finden Sie in den Zeitschriften der Handelskammern und unter www.nexxt.org. Dort gibt es auch Franchise-Systeme, die von der Kreditanstalt für Wiederaufbau geprüft wurden. Mehr Infos beim Deutschen Franchise-Verband.

11. Wie komme ich an Kunden?

Plakatwände, Zeitungsanzeigen und Radiospots sind teuer. Schalten Sie nur dort Werbung, wo Sie sicher sind, Ihre Zielgruppe zu erreichen. Falls Sie Adressen potenzieller Kunden besitzen, kann auch der altmodische Brief seinen Zweck erfüllen. Der Besuch von Messen, bei berufsständischen Organisationen oder Vereinen kann sich ebenso lohnen. Die beste Werbung ist Qualität: Mundpropaganda kostet nichts und schafft Vertrauen.

Tipp: Legen Sie eine Obergrenze für Ihren Werbeetat fest. Infos zum Marketing unter www.direktportal.de und www.vnr.de.

12. Wie schütze ich mein Produkt?

Schutz bietet die Anmeldung als Patent, Marke, Gebrauchs- oder Geschmacksmuster. Die Anmeldung eines Schutzrechts ist aber immer ein Tausch. Als Gegenleistung für den rechtlichen Schutz muss der Anmelder die Erfindung vollständig offenbaren.

Tipp: Weitere Informationen und Ansprechpartner finden Sie unter www.patentinformation.de, kostenlose Patentrecherche unter esp@cenet und eine Liste aller deutschen Patentanwälte unter www.patentanwaelte.de.

13. Welche Rechtsform ist für mein Unternehmen die beste?

Die am häufigsten gewählte Rechtsform ist die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR). Sie ist unkompliziert, denn sie unterliegt kaum Bestimmungen: Es ist kein Mindestkapital vorgeschrieben, und für die Anmeldung sind keine Formalitäten notwendig. Sogar eine mündliche Vereinbarung reicht. Alle GbR-Partner haften mit ihrem Vermögen. Unternehmer, die die Haftung begrenzen wollen, greifen im Regelfall zur Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH). Hier setzen die Eigentümer nur ihre Einlage aufs Spiel, die mindestens bei 25.000 Euro liegen muss. Verwaltungsaufwand und Rechnungslegung sind aufwendiger.

Tipp: Mehr Infos zu Rechtsformen unter www.bmwi.de, verschiedene Musterverträge unter www.frankfurt-main.ihk.de. Steuerberater und Anwälte helfen bei der Auswahl.

14. Was verlangt der Staat von mir?

Einen Gewerbebetrieb muss der Gründer beim zuständigen Gewerbeamt anmelden. Für bestimmte Gewerbe (zum Beispiel Gastronomie, Überwachungsgewerbe, Industrie) ist eine besondere Erlaubnis erforderlich. Freiberufler wie Ärzte, Rechtsanwälte, aber auch Künstler haben es leichter: Sie müssen ihr Vorhaben nur dem Finanzamt melden. Neue Handwerksbetriebe müssen sich in die Handwerksrolle bei der Handwerkskammer eintragen lassen. Unternehmer, die Mitarbeiter einstellen wollen, müssen sich bei der Agentur für Arbeit eine Betriebsnummer zuteilen lassen. Zudem müssen Krankenkassen, Ersatzkassen und Rentenversicherungsträger über Arbeitnehmer informiert werden.

Tipp: In der Regel werden bei der Gewerbeanmeldung Finanzamt, Berufsgenossenschaft, Handwerkskammer, Industrie- und Handelskammer und Handelsregister automatisch informiert. Nehmen Sie trotzdem Kontakt auf, um das Verfahren zu beschleunigen.

15. Welche Versicherungen brauche ich?

Versichern Sie nur das Nötigste:
- Die Betriebshaftpflicht deckt Schäden gegenüber Dritten ab.
- Die Betriebsunterbrechungsversicherung springt ein, wenn Feuer, Telefon-, Maschinen-, Computer- oder Personalausfall den Betrieb lahm legen.
- Die Produkthaftpflicht-Versicherung übernimmt Schäden an Dritten, die durch fehlerhafte Produkte verursacht wurden.
- Gegen höhere Gewalt können Sie sich mit Feuer-, Leitungswasser- und Sturmversicherungen helfen.
- Wenn Sie Mitarbeiter beschäftigen, zahlt die Betriebsrechtschutzversicherung bei arbeitsrechtlichen Streitigkeiten.

Tipp: Vergessen Sie nicht Ihre private Absicherung. Unbedingt notwendig sind Berufsunfähigkeits-, Kranken- und Haftpflichtversicherung sowie eine private Altersvorsorge. Angehörige, die Sie mitfinanzieren, sichern Sie über eine Risikolebensversicherung ab. Mehr Infos unter www.klipp-und-klar.de.

16. Wie komme ich an finanzielle Hilfe vom Staat?

Bund und Länder unterstützen mit Darlehen den Schritt in die Selbstständigkeit. Das Mikro-Darlehen des Bundes ist für Kleingründungen mit einem Bedarf bis zu 25.000 Euro gedacht. Das Startgeld soll Gründer mit Finanzierungsbedarf bis maximal 50.000 Euro unterstützen, die Schwierigkeiten haben, eine Hausbank zu finden. Mit dem Unternehmerkredit sollen langfristige Investitionen finanziert werden. Das Unternehmerkapital ist für Existenzgründer und bestehende Unternehmen gedacht. Dieses langfristige Darlehen für Investitionen soll den Zugang zu weiteren Krediten erleichtern.

Tipp: Öffentliche Fördermittel werden bei der Hausbank beantragt. Wichtig: Auch wenn die Bank davon abrät, sollten Sie hartnäckig bleiben. Eine Förderdatenbank mit regionalen Angeboten finden Sie unter: www.bmwa.de und unter www.kfw-mittelstandsbank.de.

17. Wo finde ich Mitarbeiter - und wie viel kostet es, jemanden einzustellen?

Angestellte sind sozialversicherungspflichtig. Die Hälfte der Sozialversicherungsbeiträge zahlt der Arbeitgeber. Beispiel: Wird ein Bruttogehalt von 2000 Euro im Monat vereinbart, muss der Arbeitgeber im Schnitt mit folgenden Zusatzkosten kalkulieren: 195 Euro Renten-, 140 Euro Kranken-, 65 Euro Arbeitslosen- und 17 Euro Pflegeversicherung. Insgesamt zahlt er gut 2400 Euro. Mindestens 81 Euro jährlich kostet die gesetzlich vorgeschriebene Unfallversicherung aller Mitarbeiter. Wer sich feste Angestellte nicht leisten kann, hat Alternativen: Minijobs als Teilzeitbeschäftigung sind bis 400 Euro im Monat möglich. Der Arbeitgeber muss zusätzlich 25 Prozent vom Lohn für Renten- und Krankenversicherung sowie Steuer an die Bundesknappschaft abführen. Mehr Infos unter www.minijob-zentrale.de. So genannte Midijobs werden mit 400,01 bis 800 Euro monatlich bezahlt. Der Arbeitgeber überweist 21 Prozent an die Krankenkasse des Midijobbers. Die Lohnsteuer übernimmt dieser selbst.

Tipp: Existenzgründer, die einen Arbeitslosen einstellen, können oft Fördergelder in Anspruch nehmen: www.arbeitsagentur.de.

18. Wenn doch Schulden da sind: Wie bleibt meine Familie außen vor?

Die Schulden des Unternehmers sind persönliche Schulden, mit denen weder Ehepartner noch Eltern etwas zu tun haben. Ausnahme ist die kaum noch anzutreffende Gütergemeinschaft bei Eheleuten: Hier haftet der Partner mit. Aber Vorsicht: Bei der Kreditvergabe verlangen viele Banken Sicherheiten in Form einer Ehegatten- oder Elternbürgschaft oder einer Grundschuld auf das Elternhaus. In diesem Fall haftet der Bürge oder Grundstückseigentümer mit.

19. Wer gibt mir sonst noch Geld?

Existenzgründer können sich um Bankdarlehen bemühen, die aber meist an Sicherheiten wie Immobilien geknüpft sind. Vergleichen Sie in jedem Fall die Angebote. Für große Gründungen, meist im Technologiebereich, interessieren sich oft Investoren mit Risikokapital.

Tipp: Strecken Sie die Tilgung eines Kredits nicht zu lange. Faustregel: Ein Darlehen sollte nur so lange laufen, wie die Investition genutzt wird.

20. Wenn es trotz allem nicht klappt: Wann ist es Zeit, aufzugeben?

Unternehmer sollten es nicht zur Zahlungsunfähigkeit kommen lassen. Wenn die Geschäfte bis zu einem selbst gesteckten Termin nicht laufen, wickeln Sie Ihre Firma lieber ab, bevor Sie sich immer weiter verschulden.

Tipp: Sprechen Sie rechtzeitig mit Ihrer Bank. So können Sie Vertrauen erhalten. Mehr Infos unter www.existenzgruender.de.

Monika Vosough-Mohebbi/Stephan Zimprich / print