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Arbeitsagentur: Schulbeginn sorgt für mehr Jobs

Kräftige Konjunktur und das Ende der Sommerferien bescheren im August sinkende Arbeitslosenzahlen. Laut Arbeitsagentur waren 3,705 Millionen Menschen erwerbslos. In Brandenburg, Hamburg und Bremen ist die Zahl der Beschäftigten am stärksten gestiegen.

Die Zahl der Arbeitslosen ist im August um 10.000 auf 3,705 Millionen gesunken. Die Arbeitslosenquote verringerte sich um 0,1 Prozentpunkte auf 8,8 Prozent, wie die Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg bekanntgab.

Der Chef der Bundesagentur, Frank-Jürgen Weise, sagte: "Die gute konjunkturelle Lage wirkt sich weiter positiv auf den Arbeitsmarkt aus. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung wächst, und die Zahl der offenen Stellen ist nach wie vor hoch." Gegenüber dem Vorjahr wurden im August 666.000 oder auch 15 Prozent weniger als im Vorjahresmonat gezählt, wie die Bundesagentur in ihrem Monatsbericht weiter erläuterte.

Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung habe im Vorjahresvergleich in Ostdeutschland um 2,3 und in Westdeutschland um 1,9 Prozent zugenommen. Am stärksten sei die Beschäftigung in Brandenburg (plus 3,1 Prozent) sowie in den beiden Stadtstaaten Bremen und Hamburg (jeweils 2,7 Prozent) gestiegen.

Beschäftigungszuwachs in fast allen Branchen

Insgesamt sei quer durch die Branchen fast überall Beschäftigungszuwachs zu verzeichnen, berichtete die Bundesagentur weiter. Vor allem bei unternehmensnahen Dienstleistungen habe es einen kräftigen Anstieg von 6,7 Prozent oder auch 229.000 gegeben. Dieser Anstieg werde zum größten Teil von Arbeitnehmerüberlassung, also über Zeitarbeitsfirmen, getragen. Ein deutliches Plus habe es zudem in den Bereichen Verkehr und Nachrichtenübermittlung sowie im Gastgewerbe gegeben.

Experten haben aufgrund der anhaltend kräftigen Konjunktur und der in den meisten Bundesländern zu Ende gegangenen Sommerferien einen Rückgang der zahlen erwartet. Das gute wirtschaftliche Umfeld stimuliere den Arbeitsmarkt weiter, so dass neue Jobs entstünden und gleichzeitig weniger Arbeitnehmer entlassen würden, erklärten die Arbeitsmarktexperten.

Volkswirt Alexander Koch von der HypoVereinsbank warnte jedoch vor den Folgen des Fachkräftemangels: Vor allem in mittelständischen Betrieben könnten bei vollen Auftragsbüchern manche Projekte nicht mehr abgearbeitet werden, weil das benötigte Fachpersonal mangels Angebot nicht eingestellt werden könne. Dies dämpfe den Aufschwung am Arbeitsmarkt.

Bereits der traditionell am Vortag veröffentlichte Beschäftigungsindex BA-X hatte auf ein abgeschwächtes Wachstum bei der Arbeitskräftenachfrage hingewiesen. Mit dem Rekordwert von 220 Punkten liege der Indikatorwert nur noch um zwei Punkte über dem Juli-Stand, aber um 57 Punkte über dem des Vorjahres. "Die Einstellungsbereitschaft der deutschen Wirtschaft liegt damit weiterhin auf hohem Niveau", kommentierte die Nürnberger Behörde die Zahlen.

Arbeitsmarktentwicklung hängt auch von US-Immobilien-Krise ab

Für Deutsche-Bank-Volkswirt Stephan Bielmeier hängt die weitere Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt davon ab, wie stark sich die US-Immobilien-Krise auf Deutschland auswirkt. Sollten weitere deutsche Banken von Zahlungsproblemen amerikanischer Hausbesitzer betroffen sein, könnte dies auch auf dem Arbeitsmarkt spürbar werden. "Aber im Moment sieht es für den Arbeitsmarkt wegen des ansonsten erfreulichen wirtschaftlichen Umfeldes gut aus", stellt Bielmeier klar.

Der Volkswirt der genossenschaftlichen DZ-Bank, Bernd Weidensteiner, ist weitaus optimistischer. "Die Aufhellung am Arbeitsmarkt setzt sich fort. Darauf weisen eine ganze Reihe von Indikatoren hin", betonte der Arbeitsmarktexperte. Zwar dürfte sich nach seiner Prognose das Tempo des Aufschwungs in den kommenden Quartalen etwas verlangsamen. Das schlage aber erst verzögert auf den Arbeitsmarkt durch.

Im Juli war die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland um 28.000 auf 3.715.000 gestiegen. Die Arbeitslosenquote nahm um 0,1 Punkte auf 8,9 Prozent zu. Vor einem Jahr hatte sie noch bei 10,5 Prozent gelegen.

DPA/AP / AP / DPA